
Das ganze Dorf ist in das Marktgeschehen eingebunden. Der Dietkircher Markt-Bote, der an die Haushalte verteilt wurde, informiert, wie es im 18. Jahrhundert und noch vor dem Zweiten Weltkrieg war; denn viele zugezogene Bürger können sich davon kein Bild machen. Neben einer Rückblende in Bildern werden die Leser in die Erstellung des Markt-Boten seit 1991 eingeführt.
"Das Grundgerüst unseres Marktes bleibt das gleiche, aber wir sind bemüht, immer etwas Neues aufzunehmen", sagt Ortsvorsteher Bernhard Eufinger. Wenn er von Neuigkeiten spricht, meint er Überliefertes, das in Dietkirchen seit der Premiere 1991 noch nicht zu Markte getragen worden ist. In diesem Jahr steht erstmals die Michaelskapelle mit dem Karner offen, in dem 1000 Jahre alte Gebeine gefunden wurden. Die Einwohner öffnen ihre Höfe. Im alten Ortskern riecht es nach Schmiede, es hämmert der Dachdecker an einem Schieferdach, Waschweiber schwatzen an dampfenden Kesseln und Zinkwannen. Drechseln, Spinnen und Besenbinden dürfen bestaunt werden. Es riecht nach Rippchen mit Kraut, Kartoffelkreppel, Wildgulasch und Spanferkel.
Besondere Attraktionen für Kinder sind die Schiffsschaukel und das Dampfkarussell in der Spielstraße, wo Kinder Spiele aus alten Zeiten entdecken können.
"Dickerischer Maat" bietet einen Bilderbogen der vergangenen Jahrhunderte
In den schmalen Gassen des Lahndorfes zieht vor den Augen tausender Besucher ein bunter Bilderbogen aus Jahrhunderten vorbei: Hau den Lukas, Armbrustschießen, alte Glücksspiele und eine Karussellorgel feiern fröhliche Urständ. Bettler und Gaukler haben Konjunktur.
Für Ordnung sorgen Marktpolizisten in historischen Uniformen, bis der Nachtwächter dem Treiben zur 19. Stunde ein stilvolles Ende setzt.
Träger des Markttages ist der Vereinsring, dem unter dem Vorsitz von Bernhard Eufinger ein Dutzend Vereine und Gruppierungen angeschlossen sind. "Wir wollen kein Klamauk und keinen Krammarkt, sondern einen wichtigen Teil unserer Geschichte lebendig werden lassen", gibt Eufinger als Arbeitstitel vor. Ein schmuckes buntes Plakat wirbt vielerorts für einen Markt, von dessen Ursprung das Limburger Stadtbuch erstmals 1378 berichtete.
Nach dem festlichen Hochamt, das um 9.30 Uhr in der Lubentiuskirche beginnt und die Akteure in historischen Gewändern und Trachten besuchen, wird Marktmeister Eufinger um 11 Uhr auf der Bühne am benachbarten Pfarrheim die Marktordnung verlesen und die Festveranstaltung eröffnen. Neben Darbietungen an den Ständen wird ein vielfältiges Programm mit Tänzen, Jagdhornbläsern, Feuerzauber auf dem Hochrad, Kindertheater und Märchen für Erwachsene und vieles mehr geboten. Feuerspucker, Zauberer und Moritatensänger ziehen ihrer Wege, Fechter kämpfen um Ruhm und Ehre, historische Musikgruppen künden von Leben, Lust und Frust.
Um 14 Uhr wird der Brunnen und der neu gestaltete Paul-Eufinger-Platz in der Dorfmitte eingeweiht. Kunstgeschichtlich Interessierte können um 17 Uhr an einer Führung durch die Lubentius-Basilika teilnehmen, die mit einem Orgelkonzert abschließt.
Und da dies alle mit Kosten verbunden ist, erhebt der Vereinsring an den Ortseingängen einen moderaten Wegezoll von drei Euro für Erwachsene. Kinder mit einem Stockmaß von "vier Ellen" (bis 14 Jahre) haben freien Zutritt.







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