Ein Leben für den Tierschutz

PORTRÄT Rolf Kaiser vermittelt misshandelte Hunde aus Rumänien in die Region
Rolf Kaiser zu Gast in ... | Foto: Bach

In Rumänien gibt es viele Straßenhunde, die sich durchschlagen müssen, die eingefangen werden, und wenn sie denn nicht getötet werden, in überfüllten Tierheimen landen. "Hunde haben hier den Stellenwert einer Ratte - und das Leid, das sie erfahren, ist teilweise unvorstellbar", sagt Kaiser. Manche Hunde verhungerten, andere würden mit Wasser nass gespritzt, damit sie erfrieren, einige Tiere würden aber auch zu Tode geprügelt. "In vielen Tierheimen ist das hier an der Tagesordnung." Und so rettet Kaiser die Hunde. Oft sind es Welpen, die er auf der Straße findet oder die ihm gebracht werden: "95 Prozent der Welpen haben hier keine Überlebenschance".

Hündin Anita hat inzwischen ein ... | Foto: Bach

Niemand auf der Welt sei so ehrlich wie Tiere, vor allem Hunde, meint Kaiser. "Ich selbst kann nur in meinem engsten Umkreis wirken und etwas für die Tiere tun, aber wenn dies noch mehr Menschen machen, dann kann doch ziemlich vielen armen Tieren geholfen werden."

Als er am vergangenen Mittwoch wieder nach Târgu Jiu fuhr, sah er unmittelbar vor der rumänischen Grenze in Richtung Ungarn, wie ein VW-Bus anhielt und zwei kleine Hunde "entsorgte". Sofort fing er sie ein. "Jetzt sind es Kaisers", postete der Tierschützer kurz darauf auf der Internetplattform Facebook seinen Freunden. Viele Tierschützer tauschten hier weltweit Informationen aus.

Kaiser wurde im April 1965 in Frankfurt geboren. Der Vater war Chemiker, die Mutter Direktorin einer Grundschule. Als Rolf sieben Jahre alt war, heiratete die Mutter Professor Wilhelm Kahl, den Sohn des Pfarrers Willi Kahl - Stadtverordneter, Ortsvorsteher und Initiator des Alten- und Pflegeheim "Weilburger Stift" sowie des Diakonievereins Weilburg.

Über die Familie kam Kaiser nach Weilburg. Hier besuchte er einige Jahre das Gymnasium Philippinum. Mit 15 zog er zu seinem Vater nach Glashütten und wechselte zur Königsteiner Taunusschule. Es folgten Jahre an der Berufsfachschule für Metall in Oberursel und an der Spezialschule für EDV in Bad Homburg. Danach absolvierte er eine Lehre zum Industriekaufmann. In Königstein lernte Rolf seine spätere Frau kennen. Mit 21 wurde geheiratet. 1989 kam Tochter Franziska zur Welt, 1992 Sohn Carsten. Kaiser arbeitete als Leiter der EDV in einem Unternehmen in Oberursel. Später machte er sich selbstständig.

Die Ehe ging auseinander, Kaiser zog nach Oberbrechen. 2000 heiratete er erneut, 2001 wurde Tochter Anna-Yvonne geboren. In Oberbrechen entdeckte Kaiser sein Herz für den Tierschutz. Im eigenen Haus nahm er Kettenhunde auf, geschlagene und misshandelte Tiere, sogar einige Pferde. Auf einem zweieinhalb Hektar großen Gelände war genügend Platz für die Hunde, die er resozialisierte, Vertrauen in den Menschen zurückgab und sie dann vermittelte.

"Der erste Hund, der zu mir kam, war ein Rottweiler, den ein Bauer als gefährlich einstufte. Mit mir hat das angeblich so gefährliche Tier sofort geschmust, und ich habe begriffen, dass er gegenüber seinem Besitzer aggressiv war, weil dieser ihn mit der Harke bedroht hatte, während er angekettet war. Der Hund hatte einfach Angst."

Den zweiten Rottweiler fand er per Anzeige: Er sollte aus einer Dachwohnung, die im Sommer auf 50 Grad aufheizte, abgegeben werden. Die Hündin sei ihm vom ersten Moment an nicht mehr von der Seite gewichen. Diese beiden Rottweiler "Bella und Leo" behielt er bis zu ihrem Tod.

Ein schwerer Unfall verändert Kaisers Leben 2004 grundlegend

Gerade damals galten Rottweiler als "gesellschaftlich verpönt", weil sie als Kampfhunde abgestempelt wurden. "Und genau mit diesen angeblich so gefährlichen Hunden nahm ich damals ängstlichen Kindern die Angst vor großen schwarzen Hunden", erzählt Kaiser.

2003 entdeckte er Rottweiler-Schäferhundmischling "E.T." in der Zeitung. Ein hiesiges Tierheim suchte für ihn einen Platz. Diesem Hund waren als Welpe die Füße mit Rasierklingen zerschnitten worden. Damit er nicht bellt, hatte man sein Maul mit Metalldraht zugebunden. Schwer traumatisiert kam der Hund zu Kaiser, der ihm wieder zu einem Leben voll Freude verhalf. Diese Fähigkeit hat ihm irgendwann den Titel Hundeflüsterer eingebracht.

2004 erlitt Kaiser unverschuldet einen schweren Verkehrsunfall. Ein Autofahrer übersah ihn auf seinem Motorrad im zäh fließenden Berufsverkehr und fuhr ihn um. Das Handgelenk riss teilweise. Die Genesung dauerte Jahre. Seinen Beruf konnte er nicht mehr ausüben. Ein Freund übernahm Kaisers Firma.

Während verschiedener Urlaube in Rumänien lernte Rolf Kaiser einen Arzt kennen, der auch eine Glashütte mit 15 Mitarbeitern betrieb. "Er war zwar ein kreativer Designer, aber ein schlechter Verkäufer", erinnert sich Kaiser. Er geht schließlich nach Rumänien, um in Verkauf und Marketing zu unterstützen. Doch 2007 kommt die Wirtschaftskrise. Die Glashütte verliert 80 Prozent ihrer Aufträge. Für eine Zusammenarbeit gibt es keine wirtschaftliche Grundlage mehr.

"Ich war 43 Jahre alt, hatte die Hälfte meines Lebens hinter mir, und ich hatte geschafft wie ein Wilder. Manchmal 15 Stunden am Tag. Und nun überlegte ich, ob es Wert war, weiterhin so viel Energie in alte Strukturen zu stecken", erzählt Rolf Kaiser.

Als dann seine Ehe in die Brüche geht, bleibt er in Rumänien und steigt aus dem Wirtschaftssystem aus. In der Studenten- und Schulenstadt Târgu Jiu zieht er in eine Wohngemeinschaft und lernte Diana kennen. 2011 heiratet Kaiser zum dritten Mal und zieht mit seiner Frau in einen Wohnblock. Zusammen mit ihr, der Ingenieurin eines lokalen Elektroversorgers, gründen sie ein Tierheim. Für das "Animal Protect Anubis" kaufen sie 7000 Quadratmeter Land. Zäune und Gehege werden errichtet, Hütten gebaut. Heute leben dort immer 15 bis 20 Hunde, die nach einer gewissen Zeit vermittelt werden.

Täglich verbringt Rolf Kaiser etliche Stunden dort und bringt den Hunden die Grundkommandos bei. Später werden die Tiere meist in den Großraum Taunus vermittelt. "Aber ich bin, solange der Hund lebt, für diesen erreichbar."

Regelmäßig trifft er sich mit seinen Schützlingen und deren neuen Besitzern. So kamen vor ein paar Monaten in Kirschhofen fast 25 Hunde zusammen..

nKontakt zu Rolf Kaiser gibt es über Facebook oder über die Internetseite seines Tierheims www.animal-protect-anubis.org.

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Dokument erstellt am 22.02.2013 um 20:16:00 Uhr
Letzte Änderung am 23.02.2013 um 20:22:15 Uhr
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