
Die Musik wird zum großen Hobby des jungen Mannes aus Weilmünster, der kurz nach der Gründung einer Bläsergruppe auch noch Trompete lernt, sich aber später dann für das Tenorhorn entscheidet. "Es gleicht am ehesten der menschlichen Stimme", begründet Philipps seine Wahl.

Mit 16 Jahren darf er erstmals im Auswahl-Orchester des Hessischen Turnverbandes mitspielen, das bedeutet nicht nur eine größere Gruppe von 40 Spielleuten, sondern auch anspruchsvollere Literatur. Es bleibt aber nicht beim Musik machen. Der Weilmünsterer besucht die Jugendleistungslehrgänge D1, D2, D3, legt erfolgreich die Prüfungen ab und bildet sich stetig weiter. Seit 1995 ist er nicht nur Lehrwart, sondern plötzlich auch Dirigent des Spielmannszuges seines Heimatortes. "Es hat sich so ergeben", stellt er rückblickend fest.
"Den ganzen Tag lang nur Musik machen, da fehlt mir der Ausgleich"
Für die Dirigentenlehrgänge war es erforderlich, ein Schlaginstrument zu erlernen. Kai Philipps wählt die kleine Trommel, so dass er mittlerweile alle Instrumente des Spielmannszugs beherrscht. Seine Dirigentenprüfung legte er an der Bundesmusikschule in Bad Gandersheim ab. Diesen Ort hatte er extra ausgewählt, denn dadurch bot sich ihm die Möglichkeit, einmal ein echtes Profi-Orchester zu dirigieren: Das Musikkorps der Bundespolizei. Ein tolles Erlebnis für den damals gerade erst 22 Jahre jungen Mann.
Beinahe folgerichtig leistet er seinen Wehrdienst beim Heeresmusikkorps 300 in Koblenz ab. "Ein Jahr lang habe ich dort das Leben eines Berufsmusikers kennenlernen dürfen", sagt er. Dieses "Reinschnuppern" war für ihn wichtig, liebäugelte er zwischenzeitlich doch auch mal damit, sein Hobby zum Beruf zu machen. Aber den ganzen Tag Musik machen, dann nach Hause kommen und abends wieder nur Musik, da hätte ihm einfach der Ausgleich gefehlt.
Also blieb die Musik sein großes Hobby, und beruflich schlug er einen anderen Weg ein. Er studierte Bauingenieurwesen und pendelte regelmäßig zwischen seinem Studienort Wiesbaden und seinem Heimatort Weilmünster. "Mein Orchester habe ich nie im Stich gelassen", betont der Dirigent.
Doch sein Engagement beschränkt sich nicht nur auf den Spielmannszug. Seit dem Jahr 2000 ist er als Lehrwart bei Landeslehrgängen tätig, fünf Jahre später wird er Mitglied im Landesausschuss Fachgebiet Musik des Hessischen Turnerverbandes. Auch musikalisch ist er in mehreren Musikgruppen engagiert.
Er übernimmt den Aufbau und die Leitung des Schülerblasorchesters der Chor- und Musikgemeinschaft Laubuseschbach (CMG), "weil mir die Arbeit mit den jungen Musikern sehr viel Spaß macht und sie die Zukunft eines Orchesters sind", wie er betont.
Er spielt selbst im Blasorchester der CMG mit und gehört außerdem der Blaskapelle "DickeBackeAttacke" an. DBA, so die Abkürzung, hat sich 2000 gegründet und stellt für die Musiker eine echte Herausforderung dar, denn jede Stimme ist nur solistisch besetzt. Da ist es keine Seltenheit, dass Kai Philipps mit Tenorhorn, Posaune, Alphorn und Spielmannsflöte gleich vier verschiedene Instrumente an einem Konzertabend spielt.
Musik kennt kein Alter: Ein 17-Jähriger musiziert neben einem 70-Jährigen
Dieses große musikalische Engagement erfordert viel Zeit, lässt sich zum Glück aber mit seinem Beruf als Kalkulator eines Bauunternehmens in Weilmünster gut vereinbaren. Nur bei seiner Tätigkeit als Lehrwart will der junge Vater eines zwei Monate alten Sohnes vorübergehend etwas kürzer treten.
Wird ihm die ganze Musik nicht manchmal zu viel? Nein. "Meine Eltern haben es vorgelebt, meine Schwester und mein Bruder sind ebenfalls im Spielmannszug aktiv. Da rückt dann die ganze Familie aus, das macht großen Spaß."
Sport kenne kein Alter, sagt er. Anders als beim Sport würde im Spielmannszug ein 17-Jähriger neben einem 70-Jährigen sitzen und zusammen mit ihm musizieren. Unvergessen sind für ihn die Konzertreisen, unter anderem nach Spanien, Italien oder Österreich.
Auf einem Lehrgang begegnet er Toni Scholl, dem Leiter des baden-württembergischen Polizeiorchesters, der zum Abschluss des Konzerts den Alphornzauber spielte. Kai Philipps war so fasziniert, dass er sich sofort die Noten besorgte und das Stück selbst aufführen wollte. Zunächst mit seinem Tenorhorn, doch dann musste es ein Alphorn sein. Dank seiner bundesweiten Kontakte fand er einen Mann, der ein Instrument mit dem richtigen Klang zum Verkauf anbot, und reiste ins Altmühltal. "Dem Mann fiel der Verkauf sehr schwer, doch als er mich darauf spielen hörte, willigte er ein". Jetzt sind Titel wie "Swiss Lady" eine echte Bereicherung für die Weilmünsterer Musikwelt, wenn Kai Philipps dafür sein Alphorn auspackt.
Heute morgen wird das Alphorn aber nicht zum Einsatz kommen, heute ist der Dirigent Kai Philipps gefragt. Das sonntägliche Wecken bei der Kirmes hat eine lange Tradition in Weilmünster und bietet dem Spielmannszug Gelegenheit, sein Können zu zeigen.
Die Musiker sorgen dafür, dass in Weilmünster alle rechtzeitig zum Kirmes-Gottesdienst wach sind. Für die Spielleute endet die Arbeit gegen 10 Uhr, anschließend geht es in den "Jägerhof", wo es zur Belohnung für das frühmorgendliche Musizieren ein großes Schnitzel gibt. Dann werden die Spielleute weiter Kirmes feiern. Philipps natürlich auch.







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