Fair hat sich in Weilburg etabliert

HANDEL  Der Weltladen feiert sein 20-jähriges Bestehen / Mehr Kunden, mehr Waren

Mit seinem typisch orangefarbenen Anstrich fällt der Weltladen "Regenbogen" in der Weilburger Mauerstraße beim Vorbeigehen oder -fahren sofort auf. (Foto: Heß)

Neben Lebensmittel haben Elisabeth Dreher (v. l.), Andrea Schlothammer und Elke Rehwald-Stahl vom Weltladen "Regenbogen" auch Kunsthandwerk aus aller Welt im Sortiment - unter anderem diese Filzblumen aus Nepal. (Foto: Heß)

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In den vergangenen Jahren hat sich der faire Handel professionalisiert. So sehen es Elke Rehwald-Stahl und Elisabeth Dreher, die sich im Trägerverein und im Weltladen engagieren. Zu spüren ist das auch in dem gut 20 Quadratmeter großen Geschäft in Weilburg.

Der Weltladen trägt sich selbst. Im vergangenen Jahr betrug der Umsatz etwa 112 000 Euro. Zwei Mitarbeiter sind mittlerweile angestellt. Eine davon ist Rehwald-Stahl, die als Ladenkoordinatorin die Organisation übernimmt. Andrea Schlothammer wiederum kümmert sich um die Buchhaltung. Unterstützt werden die beiden von 19 Frauen und einem Mann, die ehrenamtlich mitarbeiten.

Zwischen zehn und elf Euro geben Kunden im Schnitt aus, oft sind es "überzeugte Wiederholungstäter"

Ursprung für den Verkauf von fair gehandelten Produkten in Weilburg war 1984 ein Schrank im Clubraum der katholischen Kirche. Nach einem Aufenthalt in Brasilien hatte der damalige Pfarrer Albert Keller die Idee aufgegriffen und zusammen mit Bernadette Ackva umgesetzt. Im Januar 1996 gründete sich dann der Trägerverein "Weltladen Regenbogen", einige Monate später bezog der Weltladen die ehemaligen Räume der Tourist-Info am Parkdeck. Zum zehnten Geburtstag erhielt er seinen markanten orangefarbenen Anstrich und ist heute Anlaufstelle für Touristen wie Einheimische gleichermaßen.

Viele Jahre hatte die Stadt die Räume mietfrei zur Verfügung gestellt. Seit 2014 zahlt der Weltladen eine "kleine Miete - auf unseren Wunsch", sagt Rehwald-Stahl. Auch auf diese Weise soll der Gedanke der Fairness und Gerechtigkeit gelebt werden. "Wir sind ernst zunehmende Händler", sagt sie. Der Weltladen verstehe sich als "Fachgeschäft für fairen Handel", umschreibt es Dreher, die die Schnittstelle zwischen Laden und Verein ist. Angeboten werden auf 20 Quadratmetern Lebensmittel und Kunsthandwerk: Kaffee aus Südamerika, Lederwaren aus Indien, Kakao von der Elfenbeinküste und Lokta-Papier aus Nepal. Mittlerweile wird so viel verkauft, dass zwei Lagerräume gebraucht werden und jeden Tag der Bestand aufgefüllt werden muss, sagt Dreher. Zwischen zehn und elf Euro geben Kunden im Schnitt aus. Oft sind es laut Dreher "überzeugte Wiederholungstäter", im Sommer aber auch Touristen. Vielen sei es nicht mehr egal, unter welchen Bedingungen Waren hergestellt werden.

Im Laufe der Jahre habe sich die Qualität der Lebensmittel verbessert. "In den Anfangsjahren des Fair Trade hat man den Kaffee nicht wegen des Geschmacks, sondern aus Solidarität getrunken." Heute sei das nicht der Fall, auch der faire Handel sei am Puls der Zeit. Verschiedene Kaffeebohnen, Kaffeepads, Schonkaffee - all das könne man auch unter dem Fair-Trade-Logo erstehen.

Die Importorganisationen stimmten ihr Angebot auf die Bedürfnisse des deutschen Marktes ab, erklärt Rehwald-Stahl.

Dass auch Discounter Produkte mit Fair-Trade-Logo anbieten, sehen die beiden nicht als Konkurrenz. Vielmehr sei dies positiv, sofern die Ware tatsächlich fair gehandelt worden sei, sagt Rehwald-Stahl. Kunden müssten genau hinschauen. Und: "Die Beratung und Informationen bekommt man nur bei uns."

Denn neben dem Verkauf wollen die Weltläden vor allem informieren, aufklären und so im Kleinen etwas bewegen. Regelmäßig kommen Schulklassen in die Mauerstraße, um mehr über den Fair-Trade-Gedanken zu erfahren. Rehwald-Stahl hält aber auch Vorträge bei Vereinen oder anderen Gruppen. Trotz des Zuspruchs für den Weltladen gebe es auch in Weilburg, das seit 2013 Fair-Trade-Stadt ist, noch viel zu tun. Rehwald-Stahls Wunsch: "Dass sämtlicher Kaffee, der in der Stadt getrunken wird, den Produzenten fair bezahlt wird."

 

Fairer Handel

Der faire Handel soll eine Partnerschaft auf Augenhöhe zwischen Produzenten, Lieferanten und Verkäufern sein. Durch Transparenz und Respekt soll gewährleistet werden, dass die Erzeuger einen fairen und sicheren Lohn erhalten – unabhängig von Marktpreisen und Preisschwankungen.
„Für uns ist Kaffee ein Luxusprodukt, das wir nicht zum Überleben brauchen. Aber die Erzeuger brauchen einen fairen Lohn zum Überleben“, sagt Elke-Rehwald-Stahl vom Weltladen Weilburg. Ziel ist es, Menschen zu befähigen, ihr Leben selbstbestimmt gestalten zu können.

 

Jubiläum

Das 20-jährige Bestehen feiert der Weltladen „Regenbogen“ in Weilburg mit mehreren Aktionen. Ein Überblick:
5. bis 18. März: Am Samstag, 5. März, um 11 Uhr wird die Ausstellung „Hessen fairändert“ im Kleinen Kabinett des Bergbau- und Stadtmuseums in Weilburg eröffnet. Führungen sind täglich um 15 Uhr möglich – außer montags, Termine für größere Gruppen und Klassen auf Anfrage.
9. März: An diesem Tag findet die Geburtstagsfeier im und um den Weltladen herum statt.
14. Mai: Von 15 bis 21 Uhr gibt es an diesem Tag Musik mit dem Duo „Latin Flair“ und Tanz am Buffet auf dem Berliner Pankgrafenplatz direkt neben dem Weltladen.
18. September: Das Weltladenteam beteiligt sich wieder an der fairen Kaffeetafel auf dem Schlossplatz „Unter den Linden“.⋌(ohe)


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