Helfen, wenn Pflege Last wird

HOSPIZ Bis zum Jahresende will IFB-Stiftung die Arbeit in Hadamar aufnehmen

"Den Standort haben wir tatsächlich auch mit Hilfe der Landkarte gefunden", sagt Kristina Kohlhöfer, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit bei der IFB-Stiftung. Der Landkreis Limburg-Weilburg und die angrenzende Region seien ein "weißer Fleck" bei der stationären Hospizversorgung.

Die nächsten Hospize befinden sich in Taunusstein und Koblenz (und darüber hinaus in Wetzlar). "Zur Lebensqualität für die Patienten gehört auch, dass ihre Angehörigen sie schnell und problemlos besuchen können", sagt Kohlhöfer.

Da IFB aus dem nicht allzu fernen Wiesbaden kommt und bereits in Limburg mit einem Pflegedienst vertreten ist, kam Geschäftsführer Wolfgang Groh ins Gespräch mit der Krankenhausgesellschaft St. Vincenz, zu der auch das Gesundheitszentrum St. Anna gehört. "Auch Vertreter von mobilen Hospizdiensten in der Region haben uns versichert, dass ein stationäres Hospiz hier eine Lücke füllt", sagt Eva Frischmann, Öffentlichkeitsarbeiterin bei der IFB-Stiftung.

An einem gewissen Punkt der Krankheitsentwicklung werde die Pflege zu Hause für Kranke und deren Familie zur untragbaren Belastung. Spätestens dann sei es Zeit für ein stationäres Hospiz, das bessere medizinische Möglichkeiten bietet. "Wenn ein Patient unter Atemnot leidet, können Sie nicht erst den mobilen Pflegedienst rufen, sondern schnelle Hilfe ist gefragt", erklärt Eva Härtling-Stegemann, die im IFB-Hospiz in Wiesbaden arbeitet.

Diese schnelle Hilfe sollen die 24 Stunden am Tag anwesenden Kolleginnen in Zukunft auch in Hadamar garantieren. Dazu kämen die Vorteile der kurzen Wege zu den zahlreichen Ärzten im Gesundheitszentrum St. Anna.

"Wichtig ist uns auch die wohnliche, angenehme Atmosphäre", betont Eva Frischmann. Das ist ein Ziel der derzeit laufenden Umbauarbeiten. Die früheren Zwei- und Dreibettzimmer der Krankenhausstation werden zu Einzelzimmern mit barrierefreiem Bad umgebaut. Die Inneneinrichtung soll mit viel Holz und sanften Farben wohnlich gestaltet werden. Die Patienten können eigene Möbel und auch ihre Haustiere mitbringen. Helle Gemeinschaftszimmer und Aufenthaltszonen sind geplant. Zwei Gästezimmer stehen für Angehörige bereit. Außerdem kann in den Zimmern jeweils ein zusätzliches Bett aufgestellt und Krankenbetten können sogar in die Sonne auf dem großen Balkon geschoben werden. Kunsttherapeutische Angebote, eine intensivere Betreuung mit mehr Zeit als in anderen Pflegeeinrichtungen und frisch gekochtes Essen nach Wunsch gehören ebenfalls dazu.

Wer Sterbende begleitet, erhält eine spezielle Ausbildung, sagt Kohlhöfer

"Und wenn ein Patient den Wunsch hat, noch einmal eine Reise zu machen, dann versuchen wir auch das mit Hilfe von Ehrenamtlern möglich zu machen", sagt Eva Frischmann. Dazu soll um das Hospiz herum eine Gruppe mit ehrenamtlichen Helfern ausgebaut werden, wie sie an den beiden anderen IFB-Hospizen bereits besteht. "Wer direkt in der Begleitung Sterbender arbeiten möchte, erhält eine spezielle Ausbildung", versichert Kristina Kohlhöfer.

Zur Aufnahme in das Hospiz muss der Patient eine entsprechende Arztbescheinigung vorlegen. 90 Prozent der Kosten für den Aufenthalt übernimmt die Pflegeversicherung. Die restlichen zehn Prozent deckt IFB mit Spenden ab.

Bis zum Jahresende soll das Hospiz in Hadamar die Arbeit aufnehmen und dann nach und nach auf die Kapazität von zwölf Plätzen und auf ein Team von rund 20 Mitarbeiter anwachsen. In der zweiten Hälfte des ehemaligen Krankenhaus-Stockwerks wird eine weitere Einrichtung der IFB-Stiftung ihren Platz finden: eine Wohngruppe für Menschen mit schwerer Behinderung.

Am Samstag, 6. September, werden die zukünftigen Hospizräume im ersten Stock des St.-Anna-Hauses, Franz-Gensler-Straße 7, in Hadamar von 15 bis 18 Uhr für interessierte Besucher offen stehen.

Aromatherapie-Schnupperkurse, Erfahrungsberichte und Gedichte aus dem Hospizalltag, Rock 'n' R Roll der 50er- und 60er-Jahre mit der Band "Dizzy Lizzy" und ein Kinderprogramm sind geplant.

IFB-Stiftung

IFB steht für „Inklusion durch Förderung und Beschäftigung“. Die Stiftung geht auf die Erfahrung der Wiesbadener Familie Groh in den 1950er-Jahren zurück. Damals hatte sie große Probleme, die richtige Betreuung für ihren spastisch gelähmten und sprachlich behinderten Sohn Karlheinz zu finden. Die Familie wurde selbst aktiv und stellte eine Lehrerin ein. Nach und nach schlossen sich andere betroffene Eltern zusammen und es entwickelten sich immer neue Geschäftsfelder für die inzwischen zur Stiftung gewandelte Initiative, die von Wolfgang Groh, dem Bruder von Karlheinz, geleitet wird.
Einrichtungen für Kinder und Jugendliche, betreutes Wohnen, integrative Arbeitsplätze, Sportangebote, ein spezielles Ehrenamtsprogramm, zwei und demnächst drei Hospize in Deutschland sowie ein Kinderhospiz in Südafrika gehören zur IFB-Stiftung. Besonders bekannt ist die eng mit IFB verbundene Stiftung Bärenherz für die Kinder-Hospizarbeit. Zugleich ist IFB inzwischen ein größeres mittelständisches Unternehmen mit rund 800 Mitarbeitern. (vt)


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