"Ich blende alles andere aus"

EXTREMSPORT Lutz Eichholz fährt mit dem Einrad auf der Brückenbrüstung

Jean-Claude Ramigé positioniert eine Kamera am Pfeiler der Brücke.

Los geht es: Lutz Eichholz beginnt seine rasante Einradfahrt auf der Brüstung der Steinernen Brücke in Weilburg, in der Mitte die japanische Moderatorin, die versucht, den Extremsportler von seiner Aktion abzuhalten. (Fotos: Gorenflo)

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Extremsportler radelt über Brüstung

Lutz Eichholz trägt einen Fahrradhelm, hält sein Einrad und blickt auf die Brücke. Umringt ist er von zwei Kameramännern aus Tokio, der japanischen Moderatorin und Martina Ramigé, die mit ihrer Agentur den Dreh möglich gemacht hat. Die japanische Fernsehschau heißt übersetzt so viel wie "Die gefährlichste Kante der Welt". Ziel dieser Schau ist es, dass die Moderatorin den Extremsportler mit einem Megafon anbrüllen soll, um ihn von der risikoreichen Aktion abzubringen. Von vorneherein ist jedoch klar, dass sich der Sportler nicht davon abhalten lässt.

Die Steinerne Brücke ist für den Autoverkehr gesperrt, die Wasserschutzpolizei vor Ort, falls der Sportler in die Lahn fallen sollte, die Kameras stehen auf Standby, die Sonne knallt wie zur Mittagszeit, obwohl es bereits 18.30 Uhr ist. Alle warten darauf, dass Eichholz loslegt. "Er fängt an, wenn er sich sicher fühlt", sagt Ramigé lapidar. Sie ist die Einzige, die Deutsch und Japanisch spricht und die ganze Aktion managt. Das Warten beginnt. Plötzlich schwingt sich Eichholz auf die Brückenbrüstung, reckt die Arme in die Höhe, die Spannung steigt. Kurz darauf hüpft er mit seinem Rad wieder von der Brücke. Das Warten geht weiter.

Die japanischen Kameramänner haben sich an beiden Ecken der Brücke postiert, einer steht gegenüber der Kreissparkasse, um alle Ecken abzudecken.

Innerhalb von Minuten ist alles vorbei

Eine Kamera ist von Jean-Claude Ramigé zuvor auf den Pfeiler unterhalb der Brücke positioniert worden. Der Dokumentarfilmer und Bergsteiger ist acht Monate im Jahr auf der ganzen Welt unterwegs. Hier sei er nicht wichtig. "Aber ich bin sehr stolz darauf, dass ich 1977 der erste Kameramann war, der die Eiger-Nordwand bestiegen hat", sagt der Franzose.

Der vierfache Einradweltmeister nimmt erneut Anlauf, schwingt sich mit dem Rad auf die Brüstung und es geht los. Sicher fährt er von Laterne zu Laterne. Innerhalb von wenigen Minuten ist alles vorbei. Die Kameramänner aus Tokio packen ihr Equipment ein, gratulieren dem Sportler.

Am schwersten sei der Moment, in dem man losfahren muss, da überlege man es sich drei Mal, ob man wirklich zu hundert Prozent sicher ist, sagt Eichholz nach der Fahrt, erleichtert, dass alles gut gegangen ist. "Wenn ich fahre, blende ich alles andere aus und denke nichts", sagt der Extremsportler. Am Ende überwiege die Erleichterung, dass alles geklappt hat. Das Megafon durfte nicht zum Einsatz kommen, das hätte ihn zu sehr gestört. "Mit dem Einrad über das Brückengeländer zu fahren, ist eine Fokussiersache, weil es doch etwas höher ist", sagt Eichholz. "Aber ich fahre seit 17 Jahren Einrad, ich bin Profi und mir sicher, dass alles klappt", sagt der 27-Jährige im Vorfeld. Beruflich macht Eichholz Einradauftritte und ist oft im Fernsehen zu sehen, auch im japanischen und chinesischen. Der japanische Sender habe ihn angerufen und gefragt, ob er in ihrer Show mitmachen wolle.

So eine Brückenfahrt sollte man auf keinen Fall nachmachen, warnt der Extremsportler. Er habe dafür sehr lange geübt und man müsse sich überlegen, ob das Risiko vertretbar ist. Am Donnerstag ist er sich zu 99 Prozent sicher und hat am Ende recht behalten.


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