Im Weizenfeld ist der Computer Copilot

ERNTE Holger Sippel steuert in Möttau einen der modernsten Mähdrescher der Region

Dreschen und Abladen zur gleichen Zeit: Das Überladerohr spuckt das gedroschene Getreide in einer Geschwindigkeit von 110 Liter pro Sekunde in den Getreidehänger.

In der Schaltzentrale des Mähdreschers in drei Metern Höhe ist die Aussicht richtig gut. Und: Von Hitze, Staub und Lärm ist hier oben erstaunlich wenig zu spüren, erfährt unsere Mitarbeiterin Sabine Gorenflo.

Steve und sein Vater Holger Sippel sind mit der Weizenqualität zufrieden.

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In drei Meter Höhe sitzt Sippel in seinem Mähdrescher und hat das Weizenfeld genau im Blick. Immer wieder schaut er auf den kleinen Monitor zu seiner Rechten. Auf dem Monitor kann Sippel den Ertrag in Hektar ablesen, die Motorleistung und die Feuchtigkeit. Der Computer wertet alle relevanten Daten aus. Und mit ihm kann der Landwirt die riesige Maschine bedienen.

Ein Berühren des Bildschirms reicht aus, um die einzelnen Menüs aufzurufen. Auch sonst hat der Mähdrescher nichts mit einem üblichen Mähdrescher gemein. Überall in der Kabine sind Schalter und Hebel angeordnet, alles ist computergesteuert.

Ernte als Diät: "Während der Erntezeit nehme ich immer ein paar Kilo ab"

Im Fußraum liegt eine kleine Plastiktüte mit Vesper. Einmal angefangen, hört Sippel erst wieder auf, wenn ein Feld abgeerntet ist. "Während der Erntezeit nehme ich immer ein paar Kilo ab", sagt Sippel. Früher sei es schöner gewesen, als sein Vater noch bei der Ernte geholfen habe. "Da haben wir uns abgewechselt und wir konnten uns in Ruhe zum Essen hinsetzen", so Sippel.

Es schwankt leicht, wenn der Mähdrescher fährt. Dreht sich der Fahrer auf dem Sitz um, kann er durch eine Scheibe Korn und Spelzen (trockene Hülse des Getreidekorns) sehen und erkennt, wie voll der Tank bereits ist. Durch die Frontscheibe sieht Sippel weit über das Feld, ab und zu kreist in ein paar Metern Höhe ein Milan auf der Suche nach Mäusen, denen bei der Ernte ihr Versteck abhanden gekommen ist.

Mittlerweile ist der Korntank des Mähdreschers voll. Über Funk ruft Sippel seinen Mitarbeiter, der eilig mit dem Getreidehänger zum Mähdrescher aufs Feld fährt. Beide Fahrzeuge fahren nebeneinander und während der Fahrt fährt Sippel das Überladerohr des Mähdreschers aus, der das gedroschene Getreide in den Getreidehänger ausspuckt. Neben der Armatur blinkt ein rotes Lämpchen mit aufgebrachtem Laderohr auf, das "upload" anzeigt. Ruckzuck ist der Mähdrescher wieder leer. Kein Wunder: 100 Liter Getreide pro Sekunde schießen durch das Rohr.

Der Mähdrescher besitzt einen Korntank mit einem Volumen von 11 500 Litern, das entspricht neun Tonnen Weizen. Wenn der Tank voll ist, wird umgeladen. Der volle Getreidehänger fährt zurück zum Hof, dort wird das gedroschene Getreide in Silos geblasen. Spreu und das Stroh kommen gehäckselt hinten aus dem Mähdrescher heraus und werden auf dem Acker verteilt.

Gerade hat der Landwirt seinen Mähdrescher am Feldrand gestoppt. Ein lautes Schrillen ertönt, dann fährt die Maschine rückwärts, Sippel dreht und fährt weiter die Konturen des 15 Hektar großen Feldes ab. 800 Meter sind die Bahnen lang. Klar, er könnte auch hin und her fahren, aber bei diesem Feld fahre er lieber rund, erzählt er. Plötzlich piept es. Das sei nichts Tragisches, nur ein Fehler der Software, sagt Sippel.

"Wir können nach der Ernte etwas aufatmen, aber die Arbeit geht weiter"

Schon jetzt beginnen bereits die Vorbereitungen für das nächste Jahr. Vom 20. August an werden Raps und das Sommergetreide gesät. "Normalerweise kommt nach der Getreideernte direkt die Rapsaussaat", sagt Holger Sippels Sohn Steve. Im Moment ist die Stoppelbearbeitung im Gange. Dabei wird die Bodenoberfläche aufgelockert. Die Stoppelbearbeitung soll Unkräuter und heruntergefallene Getreidekörner zur Keimung anregen und den Luft- und Wasserhaushalt des Bodens verbessern. "Wir können nach der Ernte etwas aufatmen, aber die Arbeit geht weiter", sagt Steve Sippel.


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