Inklusion leben, nicht nur denken

IFB-STIFTUNG Preise für zwei Projekte aus Mengerskirchen und Weilburg

Der ersten IFB-Integrationspreis ging an die Franz-Leuninger-Schule in Mengerskirchen für ihren allumfassenden integrativen Ansatz. (Foto: Glotz)

Kunst für Blinde erlebbar machen ist das Ziel des Kunstpfades zum Anfassen des Weilburger Forums. (Archivfoto: Gorenflo)

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Erstmals hatte daher die Wiesbadener Stiftung "Inklusion durch Förderung und Betreuung" (IFB) einen Inklusionspreis ausgelobt. Sechs Projekte aus dem Kreis haben sich beworben. Die Preise gehen nach Mengerskirchen und Weilburg.

Wolfgang Groh, geschäftsführender Vorsitzender  der Stiftung, erläuterte, warum die Ausrufung eines Preises wichtig sei. Die Stiftung und ein gleichnamiger Verein wurden im Jahr 1959 von Grohs Vater ins Leben gerufen, um den schwerbehinderten Bruder des heutigen Leiters zu unterstützen. "Damals ging es darum, einem Behinderten den Zugang zu einer KiTa zu ermöglichen. Heute geht es um gesellschaftliche Inklusion", sagte Groh. Auch habe sich der Auftrag der Stiftung geändert: "Damals waren wir für Menschen mit Behinderung da, heute für Menschen", erläuterte er.

Um die Inklusion weiter ins Bewusstsein zu rücken, sei der Entschluss für den Preis gefallen, sagte er. Die erste Runde im Preis sei bewusst auf einen so übersichtlichen Rahmen wie Limburg-Weilburg gefallen, "aber eventuell können wir den Preis in Zukunft auch bundesweit aussprechen", sagte er.

Als Schirmherr fungierte der Landtagsabgeordnete Tobias Eckert (SPD). Er habe anfangs überlegen müssen, ob er diese Aufgabe antreten wolle, sagte er: "Inklusion ist dann erreicht, wenn man nicht mehr drüber reden muss" - wenn sie im Alltag angekommen, wenn sie Normalität ist. Das sei aber noch nicht so. Er, wie auch sein Kollege Andreas Hofmeister (CDU), seien deshalb da, um zu signalisieren: "Inklusion ist ein Thema, bei dem es um Haltung geht". Ein "Federstrich im Gesetz" helfe nicht bei der praktischen Umsetzung der Inklusion. Deshalb gelte es, den Blick der Öffentlichkeit auf das Thema zu lenken - auch mit Preisen wie diesem.

Durch Inklusion die Natur retten, Sport ermöglichen oder in die Sexualität einführen

Die Moderatorin des Nachmittags in der Limburger Stadthalle, Eva Frischmann, stellte vor der Enthüllung der zwei Siegerprojekte alle sechs Bewerber vor:

- Die Kreismusikschule Limburg bewarb sich mit "Gemeinsam Musik machen". Menschen jeden Alters, jeder Herkunft, gleich ob mit oder ohne Behinderung spielen musizieren zusammen . Für mache Musiker müssen die Instrumente eigens angepasst werden.

- Das Dekanat Runkel bewarb sich mit dem Projekt "Blühstreifen": Kinder mit und ohne Behinderung pflanzten dafür nahe der Kirchen im Dekanat eine Vielzahl von bunten Blumen, die nicht nur das Auge erfreuen, sondern auch die Natur schützen: Sie dienen Bienen als Nahrungsquelle

- Der FC Herbstlaub aus Oberbrechen widmet sich dem Fußball für Jedermann: Menschen, die aufgrund einer Behinderung in anderen Vereinen abgelehnt wurden, spielen dort mit Menschen ohne Behinderung in einem gemeinsamen Team.

- Pro Familia Limburg legte seinen Fokus auf die sexualpädagogische Arbeit mit Menschen mit Beeinträchtigung. Unter dem Leitbild, dass jeder Mensch das Recht auf Liebe, Zärtlichkeit und Sexualität habe, wird behutsam mit der Tatsache umgegangen, dass manche Menschen dorthin erst geführt werden müssen.

Eine Würdigung mit einem Preis - und damit auch eine finanzielle Förderung - sprach die Jury um die ehemalige Entwicklungshilfe-Ministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) aber zwei anderen Initiativen aus. "Diese Projekte wollen andere inspirieren", sagte Jurymitglied Prof. Dr. Rüdiger Pichler.

Den ersten IFB-Inklusionspreis erhielt die Franz-Leuninger-Schule aus Mengerskirchen. "Es gibt viele Schulen in Deutschland, aber nur wenige, die Inklusion so vorbildlich leben", begründete Pichler den einstimmigen Beschluss der Jury. In der Schule werde Vielfalt vorgelebt, sowohl in der Schüler- als auch in der Lehrerschaft. In beiden Gruppen gebe es Menschen mit und ohne Behinderung, das Miteinander sei offen und herzlich. Mit Blick auf diese Bildungseinrichtung "gibt es wohl kaum eine Schule, die gute Gründe nennen kann, nicht inklusiv zu sein", sagte Pichler.

Einen Sonderpreis sprach die Jury dem Weilburger Forum aus. "Der Preis ist eine Anerkennung für ein Projekt, dass nicht ganz so große Wellen schlägt, aber großen Vorbildcharakter besitzt", sagte der Designprofessor. Mit dem Kunstpfad für Blinde und Sehbehinderte, von dem Teile auch während der Preisverleihung aufgebaut waren, werde etwas beinahe Unmögliches geschaffen: Blinden eine optische Gattung kreativen Schaffens näher zu bringen.

Einen verknoteten Stahlnagel überreichte Pichler zudem als "Unmögliches-möglich-Macher"-Preis. Die Initiatoren des Kunstpfades erklärten, dieser solle großen Museen Anreiz sein, ihre Werke ebenfalls für Menschen mit Sehbehinderung zugänglich zu machen.

Auch die weiteren Bewerber erhielten als Anerkennung eine Urkunde. Musikalisch untermalt wurde die Verleihung von dem blinden Trompeter Gisbert Müller


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