Jüdische Sterne sollen strahlen

SYNAGOGE Gemeinde ist jetzt Eigentümer / Sanierung in Schupbach kann beginnen

Kai Müller (v. li.), Helmut Jung, Janina Ott, die zweite Vorsitzende des Fördervereins, Johannes Laubach und Gerd Weiß freuen sich, dass nun mit der Sanierung der Synagoge begonnen werden kann. (Fotos: Fischer)

Ein Himmel mit Auflösungserscheinungen: Im ersten Bauabschnitt sollen der Sternenhimmel und die Kuppel saniert werden.

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Am "Tag der offenen Synagoge" hat Gerd Weiß, Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen, dem Vorsitzenden den Fördervereins "Ehemalige Synagoge Schupbach", Johannes Laubach, einen Scheck in Höhe von 60 000 Euro überreicht.

Einen weiteren Scheck in Höhe von 21 000 Euro von der Europäische Union übergab der Erste Kreisbeigeordnete, Helmut Jung, Beselichs Bürgermeister Kai Müller (parteilos). Das Geld ist ein Zuschuss für den Ankauf der Synagoge, der die Gemeinde 35 000 Euro gekostet hat.

Kein Wunder also, dass ein gut gelaunter Johannes Laubach die zahlreichen Gäste "unter einem Himmel, der leichte Auflösungserscheinungen zeigt", willkommen hieß. Erst kürzlich sei Putz aus dem Loch in der Decke gerieselt, das mache deutlich, dass die Sanierung nötiger sei denn je. Bisher sei man als Gastgeber zu Gast in der Synagoge gewesen, nun ist die Synagoge in Hand der Gemeinde.

Vor zwei Jahren sei Gerd Weiß in Schupbach gewesen und habe versprochen zu helfen. "Ich hatte keine schriftliche Zusage, nur das Wort. Ich habe darauf vertraut, dass es gilt und das tat es", sagte Laubach.

Es sei schließlich fünf vor zwölf und müsse endlich los gehen, erklärte Weiß sein Engagement. Die Arbeit des Fördervereins sei nicht nur von Bedeutung für das Gedenken, sondern für das kulturelle Leben in Beselich insgesamt, sagte der Präsident der hessischen Denkmalpflege.

Auch Helmut Jung bezog klar Stellung für die Synagoge. Entgegen mancher Aussagen von Anwohnern, die fragten, ob deren Erhalt sein müsse, ob dieser Teil der Geschichte nicht besser vergessen werden solle, nannte er das Gebäude einen "wichtigen Baustein des Nicht-Vergessens". Das Gebäude strahle eine schmerzliche Erinnerung aus und habe nun die Chance, sich positiv zu entwickeln. Und Bürgermeister Kai Müller stimmte zu: Zukunft finde nur mit der Vergangenheit statt. Die Synagoge solle zu einem Ort der Begegnung, der Erinnerung und Freude werden.

"Vor drei Jahren haben wir den Verein gegründet und wir werden es wohl nie schaffen, dass die Schupbacher zu 100 Prozent überzeugt sind", sage Johannes Laubach. Sich für ein solches Projekt zu engagieren, habe aber auch mit Zivilcourage zu tun. Es ist aber auch eine Kostenfrage: Die Sanierung der Synagoge wird zwischen 350 000 und 400 000 Euro kosten. Mit der Sanierung der Decke, deren Dunkelblau mittlerweile einem Zartblau gewichen ist, soll begonnen werden. Auch die 86 Sterne sollen bald in neuem Glanz erstrahlen.

n Die Sanierung der ehemaligen Synagoge ist in Schupbach nicht unumstritten

Wenn nicht schnell saniert werde, drohe eine unwiderrufliche Zerstörung, so Laubach.

Mit der Spendenaktion "Holt euch die Sterne vom Himmel" möchte der Förderverein Gelder zur weiteren Sanierung sammeln. Wer spendet, kann Sternenpate werden.


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