Kunst erfühlen und Farben hören

PROJEKT Weilburger Künstlerkolonie beschäftigt sich mit Inklusion in der Kunst

Der Maler Wassily Kandinsky hat sich intensiv mit Farbe und Musik beschäftigt. Das Bild zeigt seine "Naturstudie V" aus seiner Zeit in Murnau 1909, Repro durch "Heim und Buch" 1961, Privatbesitz. (Foto: Röhrig)

Bei dem Projekt können sich Blinde und Sehbehinderte auf einem Kunstpfad einen Eindruck von künstlerischen Exponaten verschaffen. Zudem wird ein Keramikseminar für Blinde angeboten. "Inzwischen gibt es nachahmenswerte Beispiele", sagt Werner Röhrig, Vorsitzender des Forums. So könnten blinde Besucher im Centre Pompidou in Paris Werke von Picasso oder Max Ernst mit den Händen ertasten.

Verbindung von Musik und Farbe ist bis heute ein wichtiges Element der Kunst, erklärt Werner Röhrig

An der Universität Würzburg hätten Studenten die Ansammlung von geometrischen Figuren mit unterschiedlichen Farben in den Exponaten aus unterschiedlichen Materialien nachgebildet. Dabei soll warmer Filz den warmen Farbton Rot symbolisieren, kalter seidenartiger Stoff ein ebenso kaltes Blau.

"Auch über Schraffuren können Farben ertastet werden", meint Röhrig. Schraffuren dienten dazu, die Farben bei der schwarz-weißen Darstellung von Wappen anzugeben. "Eine weitere Möglichkeit eröffnet die Musik", sagt er. Die Suche nach Analogien zwischen Farben und Musik beschäftige Naturforscher und Künstler seit vielen Jahrhunderten. "Farbgestalter sprechen von Farbtönen, Musiker von Klangfarben", erläutert Röhrig. "Rein physikalischer Natur ist die Verbindung nicht, es sind allein der Mensch und seine Wahrnehmung, die beide Welten immer wieder aufs Neue zusammenführen", erklärt Röhrig.

Die Empfindung von Farbe beruhe auf Licht, auf elektromagnetischen Wellen. Musik und Töne entstünden hingegen aus mechanischen Schwingungen. Die menschliche Wahrnehmung stelle die Verbindung von Musik und Farbe fast schon spielend her. "Wer Musik hört, die traurig und bedrückend wirkt, denkt an dunkle Farbtöne, die eine ähnliche Empfindung auslösen", sagt Röhrig. Oder manche Farbkombinationen hinterließen einen dissonanten Eindruck wie ein schräger Akkord. "Die Verbindung von Musik und Farbe war und ist bis heute eine wichtiges Element der Kunst." Komponisten hätten in ungezählten Werken Bilder und Farben in Töne umgesetzt, und in der bildenden Kunst gebe es eine Fülle von Ansätzen, Musik zu visualisieren.

 

Der Kunstpfad

Der Kunstpfad für Blinde und Sehbehinderte wird am Samstag, 29. August, 11 Uhr im Tagungshaus des Hotels Lahnschleife in Weilburg eröffnet und mit Programmmusik „Bilder einer Ausstellung“ von Modest Mussorgsky in der Orchesterfassung von Maurice Ravel beendet.
Der Kunstpfad kann auch an den übrigen Tagen während der Öffnungszeiten besucht werden. Eine Voranmeldung ist erforderlich: info(at)weilburger-forum.de. Am Dienstag, 1. September, und am Mittwoch, 2. September, wird jeweils von 15 bis 18 Uhr ein Keramikseminar für Blinde und Sehbehinderte angeboten. (sago)


NEU: Die mittelhessen.de News-App. Jetzt kostenlos für Apple und Android laden!
Link zum Thema
Copyright © mittelhessen.de 2015
Kommentare (0)
Mehr aus Region Weilburg und Limburg