"Nein! Zu Diskriminierung"

TOLERANZ Fußballvereine sprechen über Gewalt auf dem Platz

Plädieren für den richtigen Umgang mit Aggressionen (v. l.): Schiedsrichter Tobias Barthelmes, Trainer Bruno Pasqualotto und Workshop-Leiter Marcel Stanjuk. (Schindler)

In der eineinhalbstündigen Vortrags- und Diskussionsveranstaltung wurde deutlich, dass Fußball ein Sport ist, der von Emotionen und Aggressionen lebt. "Aggressionen sind nichts Schlimmes. Man kann sie beispielsweise in Leistung umwandeln. Problematisch werden Aggressionen, wenn sie sich in Gewalt äußern", sagte Marcel Stanjek. Stanjek arbeitet beim Hessischen Fußball-Verband und schult Fußballmannschaften im Umgang mit Diskriminierung und Gewalt.

Thorsten Becker vom Präsidium des Hessischen Fußballs betonte, dass Diskriminierung und Gewalt nicht in ihrer Anzahl zugenommen haben, sondern in ihrer Qualität. "Was vor zehn Jahren noch eine Beleidigung war, ist heute eine Gewalthandlung." Der Fußball-Verband will Spieler und Schiedsrichter für dieses Thema sensibilisieren. Daher hat das Fair-Play-Forum des Hessischen Fußballs vor zwei Jahren die Kampagne "Nein! Zu Diskriminierung" ins Leben gerufen.

In Workshops werden Mannschaften mit 20 bis 25 Teilnehmern sensibilisiert und geschult. Im Dialog erarbeitet Workshopleiter Stanjek zunächst, was der Begriff Diskriminierung alles beinhaltet. "Diskriminierungen sind eine sehr subjektive Angelegenheit. Oft ist einem im Alltag gar nicht bewusst, dass man jemandem mit seiner Äußerung auf dem Schlips tritt." Auf einem Plakat fassen die Fußballer Regeln für den künftigen Umgang mit Aggressionen zusammen. "Mit ihrer Unterschrift verpflichten sich schließlich alle, diese Regeln einzuhalten", sagte Stanjek.

Nach dem Workshop bekommen die Fußballer ein Ärmel-Logo mit der Aufschrift "Nein! Zu Diskriminierung und Gewalt". Dieses Logo stellt der Hessische Fußball-Verband auch für Vereinswebsite zur Verfügung. Außerdem erhalten de Vereine Unterstützung bei ihrer Presse- und Öffentlichkeit.

Der Schiedsrichter kann beruhigend auf die Spieler wirken und das Gespräch suchen

Für Schiedsrichter gibt es eine spezielle Schulung. "Der Schiedsrichter ist bei diesem Thema eine wichtige Person, vielleicht sogar die wichtigste", sagte Tobias Barthelmes, der seit 15 Jahren in Limburg als Schiedsrichter arbeitet. Für ihn ist es wichtig, dass der Schiedsrichter beruhigend auf die Spieler einwirkt und das Gespräch sucht. "Er sollte erklären, warum er wie gepfiffen hat." Im Rahmen der Kampagne des Hessischen Fußball-Verbandes wurden von den 5000 hessischen Schiedsrichtern bereits eintausend geschult, sagte Becker.

Peter Bieker vom Sportverein Oberselters plädierte dafür, dass die Workshops zum Thema Diskriminierung und Gewalt zu einer Pflichtveranstaltung gemacht werden. "Im Kreis Limburg-Weilburg gibt es eine Mannschaft, bei der grundsätzlich Gewalt im Spiel ist."

Becker war dankbar für diese Anregung und versprach: "Wenn wir konkrete Anhaltspunkte haben, schreiben wir auch einzelne Vereine an." Marius Ordonez von der DJK-Spielgemeinschaft Limburg merkte an, dass die Arbeit gegen Diskriminierung und Gewalt auch für die Herrenmannschaften wichtig sei. "Gerade bei den älteren Fußballern sind viele Dinge Teil des Charakters geworden."

Das Land Hessen fördert das Projekt mit 40 000 Euro im Jahr, sagte Werner Koch, Staatssekretär im Hessischen Innen- und Sport-Ministerium. Bis Mitte des kommenden Jahres will der Hessische Fußballverein seine Kampagne in allen Kreises des Bundeslandes vorstellen.


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