Nestlé zapft Tiefbrunnen an

WASSERLIEFERUNG Konzern und Löhnberg schließen Vertrag
Wassertropfen fällt in eine blaue Wasserschüssel
Nestlé will Wasser von der ... | Foto: dpa

Der Betriebsrat des Brunnenbetriebs Neuselters habe dem Vertrag abgesegnet, erklärte Bürgermeister Frank Schmidt (SPD) im Parlament: "Mir ist wichtig, dass die Kollegen vor Ort dahinter stehen." Denn der Wasserlieferungsvertrag ist nicht die einzige Baustelle, auf der derzeit mit Nestlé Waters Deutschland verhandelt wird. Der Mutterkonzern von Neuselters will 40 von 75 Arbeitsplätzen im Löhnberger Werk abbauen und die Traditionsmarke "Neuselters" einstampfen. Seit Wochen kämpfen Belegschaft, Gewerkschaft, Unterstützer und Kommunalpolitiker für den Erhalt der Mehrwegsparte und der damit verbundenen 40 Arbeitsplätze in Löhnberg.

Der neue Vertrag zwischen Löhnberg und Nestlé sichert laut Schmidt auf jeden Fall den Fortbestand der Einwegsparte. In Einwegflaschen füllt Nestlé bereits jetzt seine Marke "Aquarel" in Löhnberg ab. Nun will der Konzern dafür eine neue Quelle anzapfen. Es geht um den Tiefbrunnen, der auch den Ortsteil Selters mit Trinkwasser versorgt. Bisher werde dieser nicht betriebswirtschaftlich betrieben, erklärte Schmidt im Parlament. Das heißt: Maximal 12 000 Kubikmeter Wasser werden im Jahr entnommen. Die Quelle - "ein Riesenreservoir", so Schmidt - hat aber eine Jahresschüttung von 600 000 bis 700 000 Kubikmeter. Nestlé will zunächst 149 000 Kubikmeter abnehmen, die Menge könnte auf bis zu 300 000 Kubikmeter steigen. Zum Vergleich: Die Großgemeinde Löhnberg verbraucht im Jahr 210 000 Kubikmeter Wasser. Davon nutzt allein der andere Mineralbrunnen in der Gemeinde, Augusta Victoria, 60 000 Kubikmeter für Reinigungszwecke.

Vereinbarung soll 35 Jobs sichern und Wasserpreis für Bürger drücken

Vereinbart ist, dass Nestlé den gleichen Wasserpreis wie jeder Löhnberger Haushalt zu zahlen hat. Die Bürger können sich dadurch auf sinkende Wasserpreise freuen. Denn die Fixkosten für Brunnenanlage, Leitungsrohre und Qualitätsprüfungen werden nun auf mehr Schultern verteilt. Zurzeit müssen die Löhnberger 1,70 Euro pro Kubikmeter Frischwasser zahlen. Schmidt rechnet damit, dass der Preis auf etwa 1,44 Euro sinken wird, wenn Nestlé 149 000 Kubikmeter Wasser abnimmt. Im Schnitt wären das für einen Haushalt 30 bis 40 Euro im Jahr. Kauft Nestlé mehr Wasser, wird der Wasserpreis noch weiter sinken.

Die Investitionen, etwa für die Verlegung von Leitungen zum Werk, in Höhe von 600 000 Euro trägt laut Vereinbarung der Konzern.

Der Vertrag mit Nestlé läuft fünf Jahre. Darauf habe der Betriebsrat Wert gelegt, so Schmidt. Zunächst war die Vereinbarung auf zwei Jahre begrenzt gewesen.

Eberhard Pauly (FWG) sagte, der Vertrag habe einen positiven Effekt für die Mitarbeiter und die Bürger. "Wir unterstützen damit langfristig ein hier ansässiges Unternehmen und die Mitarbeiter." Die Vereinbarung halte die Gemeinde aber nicht davon ab, weiter für die vom Jobverlust bedrohten Mitarbeiter und die Marke "Neuselters" zu kämpfen.

Link zum Thema
Dokumenten Information
Copyright © mittelhessen.de 2013
Dokument erstellt am 11.02.2013 um 14:45:00 Uhr
Letzte Änderung am 11.02.2013 um 21:33:04 Uhr
Kommentare (0)
Facebook Kommentare
Mehr aus Region Weilburg und Limburg
Orte
Wählen Sie Ihren Ort
Anzeige
Anzeige
Die Frühlingsfotos unserer Leser
Wetter in Weilburg
Heute
wolkig
22°
Sonne
05:34 Uhr
21:14 Uhr
Regen
10%
Wind
13km/h
aus O
Anzeige
Verlagsbeilagen

ERKLÄRUNG Kritiker sollen seine Familie außen vor lassen: Klingelhöfer entschuldigt sich

Mittenaar-Bicken. Gerrit Klingelhöfer bricht sein Schweigen: Der parteilose Mittenaarer Bürgermeister, gegen den die ... mehr

Fahrer war alkoholisiert: Jaguar schnurrt gegen Wohnhaus

Haiger (dwe). In Haiger ist am Freitagabend ein 26-jähriger Mann mit seinem Jaguar in die Ecke eines Wohnhauses ... mehr

Junge Frau stirbt bei Unfall

Limburg-Lindenholzhausen (red). Ein schwerer Verkehrsunfall hat am späten Freitag Abend einer jungen Frau das Leben ... mehr

BAUAUSSCHUSS Kein gemeinsames Projekt mit Dillenburg gewünscht: Bürgerhaus statt Stadthalle

Herborn. "Enorm schwierig", "unrealistisch", "können wir nicht stemmen", "private Investoren wären gefragt", "in der ... mehr

Kriegsdrama «Unsere Mütter, unsere Väter» im ZDF

ZDF-Dreiteiler 'Unsere Mütter, unsere Väter' Hamburg/Berlin (dpa) - Nico Hofmann, Deutschlands führender Eventfilm-Produzent («Dresden», «Die Flucht»), schreckt ... mehr

AUSSTELLUNG Hobbykünstler treffen sich in Villmar: Malerei und vieles mehr

Villmar (hvo). Am Wochenende hat die vom Ausschuss für Kultur, Sport und Soziales organisierte 14. ... mehr