
Dieses Konzept wurde in Zusammenarbeit zwischen dem Innenstadtverein "Aalen City aktiv", der Stadt Aalen, Gastronomen und Einzelhändlern vor Ort sowie der lokalen Werbeagentur "Studioo" entwickelt und 2001 in Aalen initiiert.
Das Prinzip ist simpel: Lokale Gastronomen und Geschäfte erklären sich bereit, ihre Toiletten nicht nur ihren Kunden, sondern auch der Öffentlichkeit während der Öffnungszeiten kostenlos zur Verfügung zu stellen. Im Gegenzug bekommen sie von der Stadtverwaltung einen monatlichen Zuschuss für die Reinigungskosten. Mit einem lizenzierten Logo, auf dem ein Gesicht mit zwei Nullen zu sehen ist, kennzeichnen die Betriebe ihren Eingangsbereich.
Gastronomen gewinnen neue Kunden dazu
Bis zur Einführung der "Netten Toilette" unterhielt das 67 000 Einwohner starke Aalen über fünf öffentliche Toiletten; 2007 waren es nur noch drei.
Alles begann mit einer Umfrage im Jahr 2000, welche die Stärken und Schwächen der Stadt untersuchte. "Das Ergebnis war: Aalen ist super, aber es sind nicht ausreichend öffentliche Toiletten vorhanden und der Zustand ist meist unwürdig", sagt Citymanager Reinhard Skusa.
Der erste Gedanke sei gewesen, mehr voll automatisierte Toiletten zu installieren. "Solche Toilettenanlagen kosten 130 000 Euro, zusätzlich kostet die Unterhaltung im Jahr nochmals 60 000 Euro", sagt Skusa. Ein Toilettengang schlage mit 60 Euro zu Buche.
Außerdem sei die Anlage von der Bevölkerung nicht angenommen worden. Die Leute hätten Angst gehabt, dass sich die Tür öffnet, bevor die Sitzung beendet ist, schmunzelt der Citymanager.
Eine neue Lösung musste her. Da der Innenstadtverein unter seinen Mitgliedern nicht nur Einzelhändler, sondern auch viele Gastronomen hat, sei die Idee entstanden, dass die Gastronomen ihre Toiletten öffentlich zur Verfügung stellen.
"Die Besucher der Stadt finden so ausreichend und regelmäßig gereinigte Toiletten in schnell erreichbarer Citylage und die Nutzung ist kostenlos", sagt Skusa. Außerdem würden die Gastronomen den ein oder anderen neuen Kunden gewinnen. Die Aufwandsentschädigungen, die seitens der Stadt gezahlt werden, seien in der Summe deutlich geringer als die Unterhaltungskosten für eine vollautomatische Toilettenanlage.
Die Stadt habe zwei Toiletten geschlossen und spare 60 000 Euro: 30 000 Euro für die Reinigung und 30 000 Euro zur Beseitigung von Schäden durch Vandalismus.
Davon werden 20 000 Euro jährlich für die etwa 40 Gastronomen ausgeschüttet, die ihre Toiletten für die Öffentlichkeit zur Verfügung stellen. Ein Gastronomiebetrieb erhält zwischen 40 und 150 Euro monatlich, je nach Öffnungszeiten, Besucherfrequenz, Ausstattung und Lage.
Die "Netten Toiletten" seien über die gesamte Innenstadt verteilt. Gekennzeichnet seien die teilnehmenden Betriebe mit einem Aufkleber an der Eingangstür. Sogar die Parkhäuser der Stadtwerke seien mit "Netten Toiletten" ausgestattet und könnten mit dem Parkchip geöffnet werden.
Umgesetzt und betreut werde das Projekt von der Werbeagentur "Studioo". Diese habe das Logo gezeichnet, so dass ein Blick an die Tür eines Betriebes genügt, um zu wissen, ob dort eine "Nette Toilette" vorhanden ist. Zusätzlich erweitere das Projekt das Angebot an öffentlich zugänglichen Wickelräumen und behindertengerechten Toiletten. "Inzwischen gibt es fast keine Toilette mehr ohne Wickeltisch. Die Toiletten sind regelrecht aufgewertet worden", sagt der Citymanager.
Für die Verwendung des Logos bezahlt die teilnehmende Stadt eine einmalige Lizenzgebühr von 800 bis 1000 Euro. "Das Konzept ist natürlich kostenlos und wer stattdessen einen anderen Slogan verwendet, muss keine Lizenzgebühr bezahlen", sagt Reinhard Skusa. Wogegen das Logo der "Netten Toiletten" einen hohen Wiedererkennungswert habe, weil sich dieses Konzept inzwischen in über 120 Städten in ganz Deutschland durchgesetzt habe. In Hessen gibt es "Nette Toiletten" bisher in Bad Homburg und Idstein.
Thomas Kiefer, Betreiber des "Thommy's" in Weilburg, könnte sich gut vorstellen, sich an einem solchen Projekt zu beteiligen - sein Lokal liegt zentral. Sylvia Kahl, Betreiberin des "Löwen Cafés" kann es sich für ihren Betrieb nicht vorstellen. "Wir haben nur eine Damen- und eine Herrentoilette für 40 Sitzplätze im Innenbereich und 46 Plätze im Außenbereich", sagt Kahl. Das würde kaum für ihre eigenen Gäste reichen.
"Ansonsten finde ich das eine tolle Idee", so Kahl, die bemängelt, dass es keine ausreichende Ausschilderung der öffentlichen Toiletten in der Innenstadt gebe. Angela Schröder vom "Café Ententeich" sagt: "Das war schon immer meine Rede und ich finde das nach wie vor eine sinnvolle Idee."
Bad Homburg hat die "Nette Toilette" im vergangenen Jahr eingeführt. "Mit großem Erfolg", sagt Michael Stauder vom Fachbereich Bau und Betrieb der Stadtverwaltung. 32 Gastronomen beteiligten sich. "Wobei wir auch die Stadtteile berücksichtigen und schauen, dass es auch in der Nähe von Bushaltestellen Nette Toiletten gibt", sagt Stauder.
Dieses Angebot sei eine sinnvolle Ergänzung zu den öffentlichen Toiletten, die es auch weiterhin geben wird. Die Betriebe erhielten 50 Euro im Monat als Aufwandsentschädigung.
Weilburgs Bürgermeister Hans-Peter Schick (parteilos) sagt, dass dieses Modell nichts Neues sei und man über die "Nette Toilette" bereits vor zwei oder drei Jahren in Weilburg nachgedacht habe. "Der Maßstab ist barrierefrei, so dass auch gehbehinderte Senioren Toiletten nutzen können", sagt Schick und das sei bei kaum einem Café oder Restaurant in Weilburg möglich. Weilburg sei keine barrierefreie Zone.







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