
Wer eine Ausbildung zum Lokführer machen wollte, hatte bislang kaum einen Ausbilder außerhalb der Schienenverkehrsunternehmen gefunden. Das ändert sich nun. Denn das Westerwälder Unternehmen MZ Eisenbahndienstleistungen darf seit Ende vergangenen Jahres Lokführer, Rangierer und Wagentechniker ausbilden. Das Eisenbahnbundesamt (EBA) hat den Betrieb als Ausbildungsorganisation gemäß der nach EU-Richtlinien aufgestellten Triebfahrzeugführerscheinverordnung anerkannt.

Zimmermann hat Erfahrungen im Güter- und Personenverkehr und ist Ausbilder
"Wir sind eines der ersten Unternehmen im Kreis, das den Antrag auf Anerkennung gestellt hat", sagt Geschäftsinhaber Manuel Zimmermann. Mit dieser neuen Verordnung wird Lokführern in Deutschland auch erstmals ein behördlicher Führerschein ausgestellt.
Der 33-jährige Zimmermann hat seine Firma im Februar 2009 gegründet und beschäftigt vier Mitarbeiter. Neben der Ausbildung bietet die Firma Eisenbahndienstleistungen an. Wenn ein Eisenbahnunternehmen zur Abdeckung von Personalbedarfsspitzen Unterstützung benötigt, dann stellt Zimmermann die entsprechenden Leute zur Verfügung. Außerdem bietet er Lotsendienste auf den Westerwaldstrecken an.
Die aktuelle fachsprachliche Bezeichnung für die Lokomotivführerausbildung in Deutschland lautet Eisenbahner im Betriebsdienst in Fachrichtung Lokführer und Transport oder kurz EiB L/T. Vor kurzem wurde eine Bezeichnung eingeführt, die die verschiedenen Bezeichnungen in einem Begriff zusammenfassen soll: Eisenbahnfahrzeugführer (Ef). Lokführer werden oft mit Zugführern verwechselt, die jedoch andere Aufgaben haben. Einfach ausgedrückt: "Der Lokführer fährt, der Zugführer pfeift und kontrolliert die Fahrscheine", so Zimmermann.
1998 hat Manuel Zimmermann seine Ausbildung zum Triebfahrzeugführer bei der Deutschen Bahn begonnen und Anfang 2001 erfolgreich abgeschlossen. Nach Weiter- und Fortbildungen hat der 33-Jährige seine Tätigkeitsbereiche erweitert, er ist nun auch Ausbilder, Prüfer und Lehrer.
Bevor sich Manuel Zimmermann in die Selbstständigkeit wagte, war er mehrere Jahre bei der Deutschen Bahn und privaten Eisenbahnunternehmen beschäftigt. "Ich habe mich schon immer für Eisenbahnen interessiert. Schon mein Opa war Zugführer", sagt Zimmermann.
Die Qualifikationen von Zimmermann sind lang. Er hat Erfahrung im Güter- und Personenverkehr, hat die Befähigung zum Wagenprüfer G und P, ist Bremsprobenberechtigt, hat eine Gefahrgutausbildung, eine Steilstreckenausbildung, legte das Prüferseminar ab, ist Notfallmanager und Ausbilder und Lehrer für Betriebsdienst und Fahrzeugtechnik.
Bis jetzt hat Manuel Zimmermann noch keinen Lehrling eingestellt, aber er ist guter Dinge, dass das bald geschieht. In der Regel dauert die Ausbildung drei Jahre, wer die Fachhochschulreife besitzt wie Zimmermann, beendet die Lehre nach zweieinhalb Jahren. Lokführer waren mit 21 Jahren fahrberechtigt, nach der EU-Verordnung dürfen sie nun bereits mit 20 Jahren auf die Schienen.
Die Ausbildung umfasst betriebliche Regelungen wie Signale, moderne Fahrzeugtechnik, Störungen, Bremsensicherung. "Bei der Ausbildung müssen mindestens 40 Schichten gefahren werden", sagt der Jungunternehmer. Dabei komme es auch darauf an, ob man einen Güterzug fahre oder Menschen befördere.
Wer eine Umschulung macht, also bereits eine Ausbildung hinter sich hat, der kann nach neun Monaten seine mündliche und schriftliche Prüfung ablegen. "Mein Ziel ist es, dass ich in Zukunft eine Komplettausbildung für Unternehmen in der Region anbiete, nicht nur den praktischen Teil sondern auch den schulischen", sagt Zimmermann. Ein weiterer Geschäftszweig werden in Zukunft die regelmäßigen Fortbildungen von Lokführern sein, die gesetzlich vorgeschrieben sind und die auch Manuel Zimmermann machen muss. Außerdem bietet MZ Eisenbahndienstleistungen touristische Sonder- oder Geburtstagsfahrten an. Lokführer sei immer eine Männerdomäne gewesen. Bei Manuel Zimmermann ist immerhin eine Frau angestellt. "Ansonsten beträgt die Frauenquote zehn Prozent", so Zimmermann. Das sei ein typischer Männerberuf durch die körperlichen Anforderungen. Obwohl die in der heutigen Zeit weniger geworden sind.
MK Eisenbahndienstleistungen ist ein moderner Betrieb, doch Manuel Zimmermann mag es privat lieber antik. Seine liebsten Loks stammen aus einer alten Baureihe, nämlich der 212 und 798. "Da muss man noch richtig arbeiten", so Zimmermann. Bei den modernen Zügen schaue man aufs Display, dort werde jede Störung angezeigt.
Bei den alten Loks müsse man zuhören, um herauszufinden, wo eine Störung sei. Jedes Jahr stehe bei ihm eine Fortbildung an, die er im vergangenen Jahr bei der Deutschen Museums Eisenbahn in Darmstadt gemacht hat. Im Bereich der Touristikbahnfahrt sei er auch ehrenamtlich aktiv.
Für Manuel Zimmermann ist Lokführer nach wie vor ein Traumberuf. "Es gibt viel Abwechslung in diesem Beruf, vor allem wenn man selbstständig ist", sagte er.
Weiter Infos unter www.mz-eisenbahndienstleistungen.net







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