Paten für junge Flüchtlinge gesucht

Im ehemaligen Hotel am Schiffstunnel suchen Minderjährige aus Krisenländern Schutz und Zukunft
Jugendliche aus Afghanistan, ...

Das hinter ihnen liegende Jahr in Weilburg hat bereits einiges dazu beigetragen, ihr Selbstvertrauen wieder zu stärken. Wer die beiden Jungen im Umgang miteinander erlebt, gewinnt den Eindruck von interessierten, aufgeweckten jungen Leuten, die bereits unterschiedlich gut Deutsch können und sich zumindest auf den ersten Blick nicht großartig von anderen Jugendlichen ihres Alters unterscheiden. Denn in der Wohngruppe der Jugendhilfe Hephata haben sie so etwas wie eine Ersatzfamilie gefunden.

Die Wohngruppe besteht seit September vergangenen Jahres. Sie ist eine Einrichtung der Hephata-Diakonie mit Stammsitz in Schwalmstadt-Treysa. Das Haus ist neu renoviert, die Räume sind hell und freundlich. 18 Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren leben hier in Doppel- und Einzelzimmern. Sie alle sind Schüler. "Unser Ziel ist es, ihnen den Weg in einen ganz normalen Alltag zu ebnen", erklärt die Leiterin der Einrichtung, Melanie Schmitt.

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Ausbildungsplatz in Gießen hilft nicht: Flüchtlinge dürfen den Kreis nicht verlassen

Die Jugendlichen können in der Regel bis sie 18 Jahre alt sind in der Wohngruppe bleiben. Innerhalb des Hauses gibt es zudem vier Plätze in zwei Appartements. Hier können die Älteren von ihnen bereits ein weitaus eigenständiges Leben führen, werden dabei aber von den Mitarbeitenden der Wohngruppe weiter begleitet.

"Das Ziel ist, dass die Jugendlichen einen Schulabschluss machen und eine Ausbildungsstelle finden", sagt Melanie Schmitt. "Sie lernen Deutsch, sie finden sich mehr und mehr zurecht, sie bekommen ihr Leben langsam wieder in den Griff nach allem, was sie durchgemacht haben." Die Jugendlichen haben fast alle Asylanträge gestellt. "So eine Prozedur vom Antrag bis zum Entscheid ist sehr zeitintensiv", erklärt Melanie Schmitt. Und wenn ein solcher Antrag abgelehnt wird? "Die Jugendlichen kommen allesamt aus Gegenden, wo ihr Leben in Gefahr ist. Solange das der Fall ist, werden sie dorthin nicht abgeschoben."

Jeder von ihnen hat bis zum 18. Lebensjahr einen Amtsvormund vom Jugendamt, der seine Interessen wahrnimmt. Und außerdem einen so genannten Ergänzungspfleger. Das ist ein Rechtsanwalt, der seinen Asylantrag begleitet und ihn dabei unterstützt, denn unser Asylrecht ist selbst für Einheimische schwer zu durchschauen.

Fast alle Bewohner des Hauses am Schiffstunnel besuchen die Gagernschule. Dort gibt es eine Intensivklasse mit 15 Schülern mit erhöhtem Sprachförderbedarf, also Schüler, die ohne oder nur mit geringen Deutschkenntnissen am Unterricht teilnehmen. Insgesamt besuchen die Schule 32 Schüler mit starkem Sprachförderbedarf.

In der Wohngruppe unterstützen zwölf Fachkräfte der Hephata und zwei Ehrenamtliche die Jungs bei den Hausaufgaben und erklären das, was am Vormittag in der Schule unverständlich war. "Für einige der Jungen wäre es ein Segen, wenn es Patenfamilien in Weilburg gäbe. Die könnten ihnen helfen, ihre Defizite auszugleichen und auf das gleiche Niveau wie ihre deutschen Gleichaltrigen zu kommen. Außerdem könnten sie ihnen so etwas wie Familienanschluss geben, also ein Stück emotionale Heimat", regt Schmitt an.

"Die meisten hatten in ihrer Heimat eine sehr gute Bildung, hier sind sie nun plötzlich alleine und ganz unten in der gesellschaftlichen Hierarchie. Die mangelnden Sprachkenntnisse schaffen viele Barrieren. Das kommt zu allen übrigen negativen Erfahrungen hinzu und ist ziemlich frustrierend."

Ein weiteres Manko ist die so genannte Residenzpflicht. "Flüchtlinge werden einzelnen Landkreisen zugewiesen und dürfen diese in der Regel nicht verlassen", erklärt Schmitt. "Wenn wir also jetzt für einen Jugendlichen, der vorübergehend bei uns lebt, aber eigentlich dem Hochtaunuskreis zugewiesen ist, einen Ausbildungsplatz in Gießen finden, dann hilft ihm das leider nicht. Weil Gießen für ihn außerhalb des erlaubten Radius liegt."

Was tun die Jungen, wenn sie nicht gerade in der Schule sitzen oder Hausaufgaben machen? Viele sind in Vereinen. Sie spielen Fußball, Basketball oder sind Leichtathleten. Einer spielt sehr gut Klavier und geht regelmäßig zur Musikschule. Aber auch auf andere Weise bemühen sich die Jungen, hier Anschluss und Freunde zu finden. Einer hat beispielsweise in den Ferien ein kostenloses Praktikum bei einem Weilburger Unternehmen gemacht.

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Dokument erstellt am 01.10.2012 um 20:02:00 Uhr
Letzte Änderung am 01.10.2012 um 20:53:11 Uhr
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