"Stoppen, was möglich ist"

INFOABEND Windkraftgegner präsentieren ihre Positionen in Möttau

Als Sprecher der Windkraftgegner begrüßte Achim Göbel die Besucher der Informationsveranstaltung in Möttau. (Foto: Bach)

"Der Zug ist abgefahren, aber jetzt müssen wir versuchen, zu stoppen, was möglich ist", sagte Mario Koschel, der betonte, dass er vor zwei Jahren zwar dafür gestimmt hätte, jetzt aber nach vielen Hintergrundinformationen seine Meinung geändert habe und selbst der Bürgerinitiative gegen einen Windpark im Laubus angehöre. Er sprach sich dafür aus, die Details des Vertrages genau unter die Lupe zu nehmen und eventuell die Kommunalaufsicht einzuschalten. Möglicherweise gebe es eine Ausstiegsmöglichkeit, weil der Vertragspartner Windwärts insolvent ist.

Ebenfalls vor zwei Jahren dafür gestimmt hat Ralf Krause, Gemeindevertreter (SPD) und Aufsichtsratvorsitzender der Mittelhessischen Energiegenossenschaft. "Ich bin aber weiterhin Befürworter der Windräder", sagte er und verwies auf die "sogenannten gefährlichen Handystrahlungen", die auch nur eine falsche Behauptung wären. Daraufhin erntete er großen Protest aus dem Saal.

Wie Achim Göbel als Sprecher der Bürgerinitiative berichtete, sei das Phänomen des Infraschalls in den Anfängen der Windkraft kein Thema gewesen. "Als die TA Lärm - übrigens vom Bundesverband pro Windenergie erarbeitet - erstellt wurde, war Infraschall kein Thema", schilderte er. Das habe aber auch daran gelegen, dass die Höhe der Windräder damals nur einen Bruchteil der heutigen "Monster" ausmache. Inzwischen habe sogar das Bundesumweltamt eine Studie veröffentlicht, wonach 30 Prozent der Anwohner an den Auswirkungen erkranken würden. Ein Mindestabstand von zwei Kilometern zu Häusern sei notwendig, obwohl Infraschall sogar noch in zehn Kilometer Entfernung nachgewiesen werden könne.

"Fenster kann ich nicht mehr öffnen, es ist einfach zu laut, auch nachts"

Als Betroffene war Elke von Thienen vor Ort. Sie hat vor Jahren einen der drei Aussiedlerhöfe bei Blessenbach erworben und betreibt dort eine Hundeschule und Hundepension. "Schöne Sommernächte gibt es für mich nicht mehr", erzählte sie. Nur 450 Meter entfernt drehen sich die Windräder.

"Ich bleibe meistens im Haus. Es ist laut, manche Räume nutze ich überhaupt nicht mehr. Das Schlafzimmer im Obergeschoss habe ich aufgegeben. Fenster kann ich nicht öffnen, es ist einfach zu laut, auch nachts. Die Rotoren erzeugen ein wellenförmiges Geräusch, und trotz Isolierfenster schlafe ich sehr schlecht. Bei Sonne wirkt der Schattenflug wie flackerndes Licht, dagegen helfen weder Vorhänge noch Rollläden. Der Unterricht in der Hundeschule ist bei Schattenflug kaum möglich, weil die Hunde zu sehr abgelenkt werden. Manchmal ist mir übel und schwindelig. Manchmal habe ich Ohrenprobleme. Ich bin ein sensibler Mensch, aber ich weigere mich, Schlaftabletten zu nehmen, um die Windräder zu ertragen".

Werner Zirnzak aus Blessenbach wies darauf hin, dass "in Wirtschaftskreisen" bei Vertragsunterzeichnung die Insolvenz von Windwärts bereits bekannt gewesen sei. Salim Özmen forderte ein unabhängiges Gutachten.

Jagdpächter Theodor Weiß erzählte, dass die Jagd in Möttau seit 50 Jahren von seiner Familie gepachtet sei. Das vorgesehene Gelände, auf dem acht Hektar Wald gerodet werden sollen, sei ein Rückzugsgebiet für das Wild, besonders Rehe würden dort ihren Nachwuchs ablegen. Auch Wildkatze, Schwarzstorch und Milan würden dann vertrieben.

Begrüßt wurde an diesem Abend in Möttau die Absicht, dass sich verschiedene Bürgerinitiativen der Windkraftgegner zusammenschließen und einen Landesverband gründen wollen.


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