Umdenken im Sinne einer sauberen Stadt

DISKUSSION Das Auto könnte zum Auslaufmodell, das Fahrrad in Limburg der Weg in die Zukunft

Der Diplom-Geograf Ulrich Jansen (r.) in der Diskussion mit dem Plenum. Es kamen einige Fragen auf: unter anderem, wie es mit dem öffentlichen Nahverkehr weitergehen kann, wie ein fahrradfreundliches Limburg gestaltet werden würde oder ob eine schadstofffreie Innenstadt überhaupt realistisch ist. (Foto: Jung)

"Der Verkehr ist ein komplexes System. Es konnten bereits viele kleine Erfolge dank des VCD erzielt werden. Diesem Beispiel muss die Stadt folgen, um ein umweltfreundlicheres Limburg zu gestalten", lobte der Moderator des Abends, Johannes Laubach. Zur Verringerung der Schadstoffwerte stand an diesem Abend die Frage der nachhaltigen Mobilität im Fokus.

Eingeleitet wurde dieses Thema von Ulrich Jansen, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Wuppertaler Institut für Klima, Umwelt und Energie. Jansen fragte: Warum ist nachhaltige Mobilität auf kommunaler Ebene so schwer umzusetzen? Welche Möglichkeiten gibt es im Handlungsfeld Verkehr für die Kommunen? Wie kann nachhaltige Mobilität in Limburg aussehen? "In Bezug auf den Klimaschutz ist der Verkehr wohl das dickste Brett, das zu bohren ist", betonte Jansen.

Bereits im Februar 2012 wurde Limburg wegen zu hoher Luftschadstoffe angeklagt. Seitdem ist laut "ein Masterplan Mobilität", sowie ein Ausbau des Radverkehrsnetzes in Planung. Wegen des weiter wachsenden Straßenverkehrs wird jedoch ein stetiger Anstieg der Kohlendioxid-Emissionen befürchtet. Jansen klagte: "Oftmals ist den Kommunen überhaupt nicht bewusst, welche Handlungsmöglichkeiten sie haben." Als Problem nannte er für Limburg etwa die hohe Zahl der Einpendler. "Auch das Angebot des öffentlichen Nahverkehrs muss gründlich überdacht und für Pkw-Nutzer attraktiver gestaltet werden", sagte er.

Das Fahrrad hat viele positive Aspekte

Für Jansen ist das Verkehrsmittel der Zukunft das Fahrrad. Viele positive Aspekte sprächen dafür: Das Fahrrad bilde die einfachste Möglichkeit, Schadstoffe zu vermeiden. Außerdem bedeute die Umstellung der städtischen Verkehrsführung auf fahrradfreundliche Bedingungen am wenigsten Aufwand. Jansen sagte: "Die Innenstadt muss fahrradfreundlicher gestaltet werden. Es müssen klar erkennbare und praktische Nutzflächen eingerichtet werden. Die Wege müssen einen gewissen Komfort und Sicherheit bieten. Auch das Fahrradparken muss für den Fahrer attraktiver werden." So könnte laut Jansen die Zukunft Limburgs aussehen. Eine weitere Option ist das Car-Sharing, welches gerade in größeren Städten immer beliebter werde.

Der Verkehrsexperte riet: "Wir müssen zur altbewährten Mobilität zurück. Dazu gehören das Radfahren und das Busfahren." Durch eine Förderung elektrischer Mobilität könnten konventionell angetriebenen Autos zum Auslaufmodell werden.

Nach Jansens Vortrag begann die Diskussion mit den Spitzenkandidaten der Parteien: Birgit Geis (Grüne), Marion Schardt-Sauer (FDP), Christopher Dietz (CDU), Kai Hagen Maiwald (Linke) und Peter Rompf (SPD). Geis sprach sich für E-Bike-Sharing-Stationen und einer Fußgänger- und Radfahrer-Brücke über die Lahn aus. Rompf betrachtet das Fahrrad Mosaikstein auf dem Weg, Probleme zu lösen. Dietz wies darauf hin: "Vielen Bürgern aus den Ortsteilen ist es nicht möglich, mit dem Fahrrad in die Stadt zu fahren", deshalb gelte es, den Nahverkehr auszubauen. Maiwald kritisierte in diesem Zusammenhang die hohen Preise der Bustickets. Schardt-Sauer sprach die Möglichkeit an, einen Shuttlebus zum ICE-Bahnhof zu organisieren.

Um Bürger davon abzuhalten, mit dem Auto in die Stadt zu fahren, sprachen sich die Grünen für einen parkfreien Neumarkt aus. Schardt-Sauer sagte, es seien mutige Schritte nötig, um die Situation zu verbessern und den Verkehr zu vermindern.

In der abschließenden Diskussion wurde über eine mögliche Südumgehung diskutiert, die Großtransporte aus der Innenstadt verbannensoll. Jansen schloss: Es müsse jetzt gehandelt werden. "Weiteres Hinauszögern verringert die Chancen auf ein sauberes Limburg."


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