"Unrentabelste Bahn" eingestellt

HISTORISCHES Vor 60 Jahren fahren die letzten Züge nach Laubuseschbach

Einzige Erinnerung an die Zeit, als in Laubuseschbach noch Züge hielten: das renovierte Bahnhofsgebäude. (Foto: Mengel)

Die Erörterung des Problems "Schiene oder Straße" in Verbindung mit der beabsichtigten Stilllegung der Bahnstrecke ergab, dass der Schienenverkehr mit Schienenbussen wohl die idealste Lösung sei. Doch diese Lösung könne aber rein wirtschaftlich mit dem Busverkehr nicht konkurrieren. Daher habe man sich für die probeweise Einführung eines im Auftrag der Bundesbahn verkehrenden Autobusses ausgesprochen. Diese Feststellung traf der Vertreter der Bahn damals angesichts der schlechten Nutzungszahlen auf dieser Bahnstrecke. Dennoch würden im Sommerfahrplan auf der Strecke noch täglich jeweils vier Züge beziehungsweise Triebwagen eingesetzt, hieß es damals.

Heimische Politiker kritisierten die steigenden Fahrpreise und die Unpünktlichkeit der Busse. Auch die Tatsache, dass beim Frühbus die wartenden Fahrgäste - meist Pendler und Schüler - auch bei strömenden Regen im Freien stehen müssten, weil der Wartesaal im Bahnhofsgebäude um diese Zeit nicht geöffnet sei, wurde beanstandet. Bahnrat Moritz führte die gerügten Missstände auf den vergangenen harten und schneereichen Winter zurück. Auch der Bitte nach der Öffnung des Wartesaals könne nicht entsprochen werden, da dies der Bahn zusätzliche Kosten verursache. Unter allen Umständen aber müsse vermieden werden, jeglichen Verkehr von der Schiene zu nehmen und das Gleis aufzuheben.

Den Vertretern der heimischen Wirtschaftsbetriebe wurde zugesagt, dass der Personenverkehr vorerst und der Güterverkehr auf alle Fälle aufrechterhalten bleiben. Der Vertreter der Bahn legte Zahlen vor, die die Unrentabilität der Nebenstrecke beweisen sollten: Danach erfordere die fünf Kilometer lange Strecke jährlich 25 000 bis 30 000 Mark nur an Unterhaltungskosten.

Die Trasse wird zurückgebaut und einige Jahre später in einen Radweg umgewandelt

Dies sei das Ergebnis einer Wirtschaftlichkeitsüberprüfung durch einen Bahndezernenten. Damit sei die Strecke von Weilmünster nach Laubuseschbach die "unrentabelste Linie im gesamten Bundesgebiet", hieß es damals.

Bereits zwei Wochen später berichtete das TAGEBLATT vom Wegfall jeglichen Personenverkehrs auf der Bahnlinie. Mitarbeiter des TAGEBLATT hatten nämlich zufällig den Winterfahrplan der Bundesbahn zu Gesicht bekommen. Alle Bestrebungen, Proteste und Petitionen verschiedener Institutionen fanden bei der Bahn kein Gehör. Damit stand fest, dass am 1. Oktober 1955 der letzte Zug für die Personenbeförderung im Laubustal verkehrte. Die Bundesbahn erklärte dazu lapidar: "Abschließend möchten wir noch feststellen, dass von der neuen Regelung der Güterverkehr auf der Strecke Weilmünster nach Laubuseschbach nicht berührt wird."

Doch diese Zusage der Bundesbahn war nur von kurzer Dauer, denn auch der Güterverkehr wurde nach kurzer Zeit ebenfalls eingestellt. Die Trasse wurde zurückgebaut und einige Jahre später in einen Radweg umgewandelt.

Erhalten geblieben ist das mittlerweile renovierte Bahnhofsgebäude. Es erinnert an die Zeiten der Anbindung Laubuseschbachs an das Streckennetz der Bahn.


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