Von Risiken und Nebenwirkungen

WINDKRAFT Bürgerinitiative regt Debatte über Windparkpläne an

Achim Göbel (re.) kritisierte, dass die Politik gegenüber den Risiken von Windkraftanlagen blind ist. Mario Koschel (CDU, li.) sitzt im Parlament der Gemeinde Weilmünster und fühlte sich von den Windenerie-Lobby einseitig informiert. (Foto: Schindler)

Kuck beschäftigt sich seit zweieinhalb Jahren mit dem Thema Windenergie und ist in seiner Heimat Bad Orb in einer Bürgerinitiative aktiv. "Als Arzt muss ich meinen Patienten bei einer Therapie über die Nebenwirkungen aufklären. Genau das fehlt beim Thema Windkraft."

Kuck referierte aus einer Studie des Bundesumweltamtes über die Gefahren, die von dem durch Windkraftanlagen erzeugten Infraschall ausgehen. Die Frequenz von Infraschall liegt unter 16 bis 20 Hertz und ist damit für den Menschen nicht hörbar, wirkt sich aber dennoch negativ auf die Gesundheit aus.

Infraschall: Nicht messbar aber der Körper reagiert gestresst darauf

"Der Körper nimmt den Infraschall als Bedrohung wahr und antwortet mit Schlafstörungen und Stress-Symptomen", erklärte Kuck. Daraus entwickeln kann sich schließlich das "Wind-Turbinen-Syndrom", das mit den Symptomen Schlaflosigkeit, Angst, Unruhe, Schwindel, Kopfschmerzen, Herz-Kreislauf-Probleme und Depressionen auftritt. "Viele Menschen, die in der Nähe von Windparks leben haben diese Symptome, aber man konnte lange Ursache und Wirkung nicht zusammenbringen", sagte Kuck.

Lärmdämmungen oder Prognosen für die Infraschallstärken am Wohnort seien nicht möglich, sagte Kuck. Der einzige Schutz sei ein ausreichender Abstand der Anlagen zu Wohngebieten. "Schlafstörungen sind bei Abständen bis 2000 Metern deutlich nachweisbar."

Außerdem forderte Kuck eine Änderung der Technischen Anweisung (TA) Lärm, die seit Ende der 60er Jahre in Kraft ist und Ende der 90er Jahre aktualisiert wurde. "Die aktuelle TA Lärm ist ungeeignet und zu schützen", sagte Kuck. Derzeit erlaubt die TA Lärm nachts in Wohngebieten Lautstärken von 35 bis 45 Dezibel. "Das Bayerische Landesamt für Umwelt sagt aber, dass es schon bei 25 bis 30 Dezibel zu Schlafstörungen kommt", erklärte Kuck.

Die Gemeinde Weilmünster plant, im kommenden Jahr acht 200 Meter hohe Windkrafträder im Waldgebiet Buhlenberg zwischen Möttau und Dietenhausen aufzustellen. Dabei arbeitet die Gemeinde Weilmünster mit der Firma Windwärts zusammen.

Achim Göbel wirft der Firma Windwärts Unwirtschaftlichkeit vor. "Hier wird vorsätzlich ein Millionengrab gescheffelt und jeder kann es nachrechen." Laut Göbel kalkuliere Windwärts mit einer Windstärke von sechs Metern pro Sekunde, während der Deutsche Wetterdienst eine Windstärke von 5,6 Metern pro Sekunde auf dem Buhlenberg ermittelt hat. Bei zu schwachem und zu starkem Wind könnten die Windkraftanlagen nicht betrieben werden, sagte Göbel. Zusätzlich müssten die Anlagen zwischen Juli und Oktober täglich zehn Stunden abgestellt werden, um die Fledermäuse zu schützen. Außerdem könnten die Windkraftanlagen nachts nur bei gedrosselter Leistung laufen, damit sie nicht die Lärmgrenze überschreiten, sagte Göbel.

Zu der Informationsveranstaltung hatte Göbel 96 Gemeindevertreter der Gemeinden Weilmünster und Waldsolms eingeladen. "Ich bin enttäuscht, dass nur acht gekommen sind."

Bürgermeister Manfred Heep (parteilos) hatte der Bürgerinitiative einen Tag vor der Veranstaltung abgesagt. In einer E-Mail schrieb er der Bürgerinitiative, dass derzeit keine Erkenntnisse gegen die Windkraftanlagen am Buhlenberg vorlägen.

Mario Koschel ist Ortsvorsteher in Laubuseschbach und Gemeindevertreter. Er versuchte, die Nichtanwesenheit vieler Gemeindevertreter zu verteidigen. "Der Bürgermeister beruft sich auf Ämter und Gesetze. Was soll er sonst tun?" Koschel habe 2012 zu denjenigen gehört, die den Windpark auf dem Buhlenberg beschlossen haben. "Wir wurden einseitig informiert. Mit dem Wissen von heute würde ich eine andere Entscheidung treffen." Koschel ist außerdem aktiv in der Bürgerinitiative gegen Windkraft auf dem Laubus.

Für Interessierte der Orte Weilmünster, Altenkirchen, Kraftsolms, Möttau, Dietenhausen, Laubuseschbach, Wolfenhausen und Kröffelbach gibt es am Freitag, 5. September, noch einmal die Vorträge. Die Veranstaltung findet im ehemaligen Möttauer Bürgerhaus (Hessenstraße) um 20 Uhr statt.


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Kommentare (1)
Infraschall ist nicht hörbar aber durchaus gut messbar.
"Nicht messbar" an einem Standort bedeutet also mithin dass er an einem Standort entweder nicht mehr vorhanden ist oder nicht mehr mit empfindlichen Messgeräten mehr
nachweisbar ist. Das sollte ein Arzt aber eigentlich wissen und abschätzen können ! Die gesundheitlichen Beinträchtigungen, falls es überhaupt welche gibt, dürften also an diesem Standort auch nicht mehr da sein.
Radioaktivität ist übrigens auch nicht fühlbar, aber messbar und gesundheitsschädlich im Gegensatz zu Abgasen aus Kraftwerken die man deutlich fühlen kann.
Diese Leute laufen Sturm gegen eine paar WEA an ihrem Ort oder auch noch an von ihnen weit entfernten Standorten ohne uns jedoch irgendwelche umwelt- oder gesundheitsunschädlicheren Alternativen aufzeigen zu können und nicht dazu bereit auf ihren persönlichen Stromkonsum zu verzichten.
Nicht ausschließen kann man allerdings dass der Anblick von Windrädern auf die Psyche mancher Menschen schon negativ wirkt, so dass manche Leute dann schlimmstenfalls daran körperlich erkranken.
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