Wasser ist in aller Munde

Verein für Nassauische Altertumskunde tagt im Brunnen in Niederselters
Vorsitzender Rolf Faber begrüßt ...

Faber: "Dank und Anerkennung gilt es auch für das großartige Werk der Sanierung der historischen Brunnenanlage zu sagen. Hierbei ist vor allem das Engagement von Norbert Zabel und seinem Mitstreiter Eugen Caspary zu würdigen".

Nach einem Grußwort von Bürgermeister Bernd Hartmann (parteilos), der vor allem die äußerst günstige Finanzierung des Sieben-Millionen-Euro-Projektes (mit einem Eigenanteil der Gemeinde von lediglich zwölf Prozent) hervorhob, brachte der ehemalige Bürgermeister Norbert Zabel unter dem Titel "Selterswasser – in aller Munde" den Gästen die 500-jährige Brunnengeschichte in Niederselters näher.

Bereits 1536 wurde der Mineralbrunnen erstmals urkundlich erwähnt und im Zeitraum von 1581 bis heute wurden über 200 Schriften über das Mineralwasser aus Niederselters verfasst.

"Das Wasser aus unserem Brunnen wurde aufgrund seines hohen Mineralgehalts von vielen als Heilwasser betrachtet", erklärte Zabel, der regelmäßig Besucher durch die Anlage führt, diesen Umstand. "Angesehene Ärzte und auch Chemiker, wie der bekannte Dr. Remigius Fresenius, haben sich mit diesem Sachverhalt beschäftigt."

Jener Ruf verhalf dem Wasser aus dem Niederselterser Mineralbrunnen zu großer nationaler und sogar internationaler Beliebtheit. Bis nach Nordamerika und China wurde das Getränk geliefert. Doch ein solcher Bekanntheitsgrad brachte auch Nachteile mit sich: "Im 19. Jahrhundert wurde das Wasser vielfach analysiert", so Zabel. Ziel dieser Analysen sei es gewesen, mit Hilfe der herausgefundenen Bestandteile ein künstliches Selterswasser herzustellen: "Ein Versuch, der durchaus erfolgreich war und dessen Ergebnis sich auch gut verkaufte."

Ein weiterer Einschnitt in der Geschichte des Mineralbrunnens stellt die Übernahme durch Hitlers Schutzstaffel, die "SS", in den 30er Jahren dar.

"Ein dunkler Teil der Geschichte"

Zabel: "Diese hatte damals eine ganze Reihe von Brunnen beschlagnahmt, um die im Ausland kämpfenden Truppen mit deutschem Mineralwasser versorgen zu können. Ein dunkler Teil der Geschichte, da zur Arbeit im Mineralbrunnen auch russische Zwangsarbeiterinnen herangezogen wurden, die dort unter schlimmen Bedingungen, teilweise mit Säuglingen und Kleinkindern, in Arbeitslagern leben mussten. Heute erinnert eine Gedenktafel in Niederselters an diese Ereignisse".

1990 übernahm schließlich eine namhafte Brauerei den Brunnen, stellte jedoch bereits aus betriebswirtschaftlichen Gründen nach neun Jahren die Produktion ein. 2001 wurde das alte Wahrzeichen von Selters für eine Million Mark durch die Gemeinde aufgekauft und die teils maroden Gebäude mit Hilfe von Land, Bund und EU saniert.

"Wir haben uns damals für die Anlage ein ganz neues Konzept ausgedacht. Neben dem Museum gibt es einen Haustrunkraum und zwei Gesellschaftsräume, in denen Geburtstage, Hochzeitsfeiern oder Weinproben stattfinden", sagt Zabel.

Das Museum werde sehr gut angenommen. "Im Sommer haben wir jede Woche zwei bis drei Führungen, in denen die Besucher eine Einführung in die Wirtschaftsgeschichte des Goldenen Grundes erhalten."

In weiteren Beiträgen befasste sich Falko Lehmann vom Hessischen Amt für Denkmalpflege in Wiesbaden mit der Sanierung der Niederselterser Brunnengebäude und der Gartenanlage von 2003 bis 2011, während sich Konrad Schneider vom Frankfurter Institut für Stadtgeschichte unter dem Titel "Es stimmt etwas nicht mit dem Selterswasser" mit Markenfälschung, Betrug und anderen Unredlichkeiten im Mineralwassergeschäft auseinandersetzte.

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Dokument erstellt am 25.09.2012 um 17:58:00 Uhr
Letzte Änderung am 25.09.2012 um 18:08:09 Uhr
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