Wenn die Erde wackelt

NATUR In Aumenau wird die Erdbebenaktivität in der Region gemessen

Matthias Kracht mit einem Seismografen vor der Erdbebenmessstation in Aumenau. (Foto: Schindler)

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Herzstück der Station ist der sogenannte Seismograf. Er besteht aus drei Kupferspulen, die magnetisch gedämpft sind. Sie geben Bewegungen in Form von Impulsen weiter. Die Spulen im Seismografen sind vertikal und horizontal ausgerichtet und geben so die verschiedenen Wellentypen wieder. Das Signal wird in ein Digitalisierungsgerät weitergeleitet und kann schließlich vom Computer ausgelesen werden. 

Der Großteil der zehn hessischen Messstationen befindet sich im Süden

In Hessen gibt es zehn dieser Erdbebenmessstationen, zumeist in Südhessen, da dort aufgrund des Oberrheingrabens eher Erdbeben auftreten können, sagt Kracht. Durch die Erdplattenbewegungen drücke Afrika in Richtung Europa. Der Oberrheingraben bilde eine Schwächezone und an seinen Rändern bauten sich Spannungen auf, die zu Beben führten.

Im Rest von Hessen, insbesondere im Landkreis Limburg-Weilburg, gibt es laut dem Experten so gut wie keine Beben. Lediglich im Süden des Landkreises bei Bad Camberg gab es 1997 ein stärkeres Beben. Spürt man in der Region Limburg Weilburg ein Beben, ist dies meist eine Auswirkung von Beben, die außerhalb des Landkreises liegen, sagt Kracht.

Erdbeben werden nach ihrer Stärke und ihrer Intensität betrachtet. Die Stärke wird in Form einer Magnitude angegeben. Die Magnitude geht auf Arbeiten des kalifornischen Seismologen Charles F. Richter (Richterskala) zurück. Das Beben in Fukushima hatte beispielsweise die Stärke neun auf der nach oben hin offenen Richterskala.

Das hessische Beben im vergangenen Jahr in Ober-Ramstadt bei Darmstadt hatte eine Stärke von 4,2. "Diese Größenordnung ist das Maximum, was man bei uns in Hessen erwarten kann", meint Kracht.

Die Intensität beschreibt die Auswirkungen des Bebens. Erhoben wird diese mittels Fragebögen, die Betroffene ausfüllen können. Gefragt wird dabei, inwiefern die Menschen das Beben gespürt haben, ob die Gläser im Schrank klirrten und die Klappläden schwangen, sagt Kracht.

Ein Erdbebenkatalog gibt Auskunft über die Bewegungen in der Erde. Der Katalog geht für das Bundesland Hessen bis ins Jahr 858 zurück. Messungen gibt es aber erst seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges. "Davor gab es nur Beschreibungen von Beben in Kirchenchroniken oder Zeitungen. Damit können wir aber Gefahrenanalysen herleiten", erläutert Kracht.

Erdbebenmessstationen sind wichtig, um Gefährdungen einzuschätzen. In besonders gefährdeten Gebieten, wie in Südhessen, gibt es entsprechende Baunormen. "Die Statik der Gebäude muss für mögliche Beben ausgelegt sein", erklärt Kracht.

Der Standort für eine Erdbebenmessstation muss bestimmte Bedingungen erfüllen. Es ist wichtig, dass es ruhig ist, damit die Messungen nicht von Bahn oder Straßenverkehr, einem Steinbruch oder industriellen Anlagen beeinflusst werden.

Die Erdbebenmessstation im Landkreis Limburg-Weilburg befindet sich in einem Waldstück an der Landesstraße zwischen Langhecke und Aumenau. Dort ist es ruhig und auf dem benachbarten Gelände betreibt das hessische Landesamt für Umwelt und Geologie bereits ein Bohrkernlager. Der Seismograf, der die Bewegungen im Boden misst, steht in einem ehemaligen Grubenstollen.

Auch in der Grube Fortuna in Solms gibt es eine Erdbebenmessstation.

Einfluss auf die Messungen der Stationen haben auch Windräder. Dabei gibt die Gesetzgebung der Windkraft jedoch einen klaren Vorrang gegenüber der Erdbebenmessstation. "Wenn es hart auf hart kommt, müssen wir die Messstation versetzen", sagt Kracht. Die Kosten für die Versetzung trägt dann der Bauherr der Windanlagen.

Kracht: Ob Messungen durch Windräder beeinflusst werden, muss von Fall zu Fall geprüft werden

Wie genau sich die geplanten fünf Windräder zwischen Laubuseschbach und Blessenbach auf die Erdbebenmessstation in Aumenau auswirken könnten, prüft Geophysiker Matthias Kracht derzeit. "Ich gehe davon aus, dass es hier keine Auswirkungen gibt."

Generell gelte, dass Windräder zehn Kilometer von einer Erdbebenmessstation entfernt sein müssen. "Es muss aber von Fall zu Fall geprüft werden. Eine Beeinflussung hängt auch von der Größe der Anlagen und dem Untergrund ab", sagt Kracht. 


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