Wenn für Fiffi kein Platz mehr ist

TIERSCHUTZ Verein "Bunte Schnauzen" vermittelt Hunde in ein neues Zuhause

Franziska Barwicki, Vorsitzende des Tierschutzvereins "Bunte Schnauzen", mit ihren beiden Hündinnen: Wolfshundmischling Freizy (l.) und Pinscher-Jagdhundmix Keks. (Foto: Keller)

Im Tierschutz aktiv, ist Franziska Barwicki bereis seit über zehn Jahren. Im nordrhein-westfälischen Münster hat sie sechs Jahre ehrenamtlich in einem Tierheim gearbeitet und dabei geholfen, vor allem Hunde aus dem Ausland zu re- oder überhaupt zu sozialisieren.

Mittlerweile lebt Barwicki wieder in Weilmünster und hat zusammen mit Freunden den Tierschutzverein "Bunte Schnauzen" ins Leben gerufen. Barwicki und ihre Mitstreiter wollten aber nicht einfach einen weiteren Verein gründen, der sich um die Vermittlung von Auslandshunden kümmert. "Was derzeit wirklich fehlt, ist ein Angebot für diejenigen, die mit ihrem Auslandshund nicht zurechtkommen", sagt sie. "Wir wollen die Tiere auffangen, die bereits in Deutschland leben."

Die Arbeit der Vereine, die Hunde aus dem Ausland vermitteln, sei richtig und wichtig, allerdings müsse man sich auch eingestehen, dass die Zahl der Hunde, die wieder zurückgegeben werden, hoch sei. Dementsprechend voll seien daher auch die Tierheime, schildert Franziska Barwicki. Bevor man immer mehr Hunde aus dem Ausland nach Deutschland holt, sollte man sich auch um jene kümmern, die zwar mittlerweile in Deutschland sind, aber erneut ein Zuhause suchen, ist die Hundefreundin überzeugt.

Genau darauf, legen die Mitglieder der "Bunten Schnauzen" ihren Fokus. Die knapp 20 Mitglieder bieten an verschiedenen Stellen in und rund um Mittelhessen Pflegeplätze für Hunde an. "Oft passen die Tiere nicht mehr in die Lebensplanung ihres Herrchens, die Besitzer sind überfordert oder bekommen in besonders schweren Fällen den Hund, aufgrund schlechter Haltung weggenommen.

Einen Großteil der Zeit, die Barwicki für den Verein aufbringt, ist Koordinationsarbeit. Welche Hunde passen in welche Pflegestelle, Anfragen von Interessenten bearbeiten und natürlich auch um Spenden werben, denn damit soll sich der Verein auf lange Sicht finanzieren. "Derzeit läuft es noch sehr schleppend", gesteht Barwicki. Das liege mitunter auch daran, dass der Verein einen anderen Anspruch und ein anders Ziel in Sachen Tierschutz verfolge. "Wir haben eben keine traurigen Bildchen von Auslandshunden auf der Homepage und sagen den Leuten ganz klar, dass es meistens keine Anfängerhunde sind", sagt sie. Mitleid sei eben gerade kein Adoptionsgrund, ist sich Franziska Barwicki sicher.

Dass es die "Bunten Schnauzen" mit einer guten und langfristigen Vermittlung ernst meinen, zeigt auch der sehr ausführliche Fragebogen auf der Homepage www.bunte-schnauzen.de. Den Fragebogen müssen alle Hunde-Interessenten, aber auch die, die vielleicht eine Pflegestelle einrichten wollen, ausfüllen. Auf ein erstes Telefongespräch mit Interessenten folgt ein Hausbesuch durch ein Vereinsmitglied der "Bunten Schnauzen". Verläuft das alles positiv, kann eine so genannte Schutzgebühr gezahlt werden. "Die Schutzgebühr ist kein Kaufpreis sondern, wie es der Name schon sagt, eine Gebühr, die zum Schutze des Tieres erhoben wird", erklärt Barwicki. 

Schutzgebühr soll unter anderem die Kosten für Futter, Impfung oder Kastration decken

Um die 300 Euro, je nachdem ob die Tiere kastriert sind, kostet die Schutzgebühr. Sie soll die Kosten decken, die der Verein bereits investiert hat. Das sind unter anderem Futter, Impfung, Wurm- und Flohbehandlung oder ein EU-Heimtierausweis, den die Tiere erhalten. "Wer sich einen Hund zulegen will, muss sich darüber klar sein, dass das alles Geld kostet", sagt Barwicki. Geregelt wird in dem Schutzvertrag auch, dass von den "Bunten Schnauzen" vermittelte Hunde nicht mehr gedeckt werden dürfen. "Es gibt zum einen genug Hunde und zum anderen muss auf die Genetik geachtet werden", sagt Barwicki. Gerade bei vermittelten Straßenhunden sei oft überhaupt nicht klar, welche Rassen beispielsweise in der Großelterngeneration stecken würden. "Das kann manchmal eine unangenehme Überraschung geben, wenn die Hunde einfach verpaart werden", sagt Barwicki.

Das Internet erleichtert den Tierschützern den Kontakt und Austausch zu anderen Tierschutzvereinen. Und über das Internet werben die Vereinsmitglieder derzeit auch für ihre Sache. Tierfreunde können dort beispielsweise eine Patenschaft für einen Hund übernehmen und damit die Futter- und Arztkosten finanzieren. "Sachspenden brauchen wir derzeit eigentlich nicht, aber wir sind gerade dabei, eine Sachspenden-Aktion zu planen, die dann einem Tierschutzverein aus der Region zu Gute kommen soll", erklärt Barwicki. Bis dahin will das Team der "Bunten Schnauzen" weiter um Spenden, Unterstützer und neue Mitglieder werben.

WWW.BUNTE-SCHNAUZEN.DE

Auf der Vereinshomepage gibt es ausführliche Porträts zu allen Hunden, die ein neues Zuhause suchen. Darunter auch Informationen ob sich die Tiere mit anderen Hunden oder Katzen vertragen, Alter, Größe und vieles mehr. Weitere Infos gibt es über den Tierschutzverein, seine Mitglieder sowie das Bewerbungsverfahren für potenzielle Interessenten. (kel)


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