Widerstand gegen Windräder

WINDKRAFT Initiative hält Hartmannsholz für den falschen Standort

Beobachten die neusten Markierungen im Wald (von links): Hans Schöneberger, Thomas Kramer, Norbert Reuter, Mario Koschel, Matthias Tschöp und Markus Paul.

Geplant sind in dem Waldgebiet zwischen Laubuseschbach, Wolfenhausen und Haintchen 13 Windräder. Drei davon sind auf Weilmünsterer Gemarkung vorgesehen.

Die Initiative hält das für den falschen Standort. Entgegen der Pläne der Firma Windwärts, die den Park bauen möchte, handele es sich in großen Teilen nicht um arten- und strukturarme Nadelholzbestände, sondern um ökologisch hochwertigen Wald. Die Gruppe fürchtet um seltene Arten wie den Rotmilan, Schwarzstörche oder Uhus, die in dem Gebiet häufig gesehen würden. Außerdem grenzt das Winterquartier des Waldkindergartens Laubuseschbach direkt an den Windpark, auch zu den Wanderwegen sei der Abstand nicht groß. "Das wird ein riesiger Kahlschlag. Der Wald wird völlig platt gemacht", sagt Thomas Kramer. Für ein Windrad müssten 6000 Quadratmeter Wald gerodet werden. So werde nicht nur der Lebensraum für seltene Tiere zerstört, sondern auch ein Naherholungsgebiet für die ganze Region.

Initiative sieht Schwarzstorch, Rotmilan, aber auch Waldgruppe in Gefahr

Der Initiative geht der Ausbau der Windkraft in der Region zu schnell. Sie fürchtet, dass zu Gunsten wirtschaftlicher Interessen von Investoren und Kommunen Parks errichtet werden, ohne genau hinzusehen.

"Wir wollen verhindern, dass durch Euphorie und Panik etwas gebaut wird, das nicht mehr rückgängig zu machen ist", sagt Norbert Reuter. Im kommenden Jahr werden die Förderungen gekürzt, deshalb würden die Planungen nun schnell vorangetrieben, mutmaßt die Initiative. Dabei betonen sie aber immer wieder, dass sie keine prinzipiellen Gegner der Windkraft sind. "Wir sind nicht gegen Windkraft, sondern für einen anderen Standort", sagt Ortsvorsteher Mario Koschel (CDU).

Die Initiative hat einen offenen Brief an den Gemeindevorstand geschrieben und Einspruch gegen die Planung des Windparks eingelegt. Von der Verwaltung fühlen sie sich schlecht informiert. "Zum Windpark am Buhlenberg haben wir einen Beschluss in der Gemeindevertretung gefasst. Für das Hartmannsholz war das nicht der Fall", sagt Gemeindevertreter Koschel. Auch sonst ist ihm kein Gremium bekannt, in dem der Windpark nahe Laubuseschbach Thema gewesen sein soll.

Eine erste Infoveranstaltung in Wolfenhausen sei in den Weilmünsterer Nachrichten, dem offiziellen Bekanntmachungsorgan der Gemeinde, so klein angekündigt gewesen, dass nur 15 Interessierte kamen. Auf die zweite Versammlung in Laubuseschbach machte die Initiative dann mit Flugblättern aufmerksam. Ein Erfolg: Rund 250 Besucher waren da.

Die Firma Windwärts betont auf Nachfrage des TAGEBLATTS, dass sich der Windpark im Hartmannsholz noch in einem sehr frühen Planungsstadium befindet. "Was wir in Laubuseschbach den Bürgern vorgestellt haben, ist ein erster Planungsentwurf", sagt Windwärts-Sprecher Stefan Dietrich. Die naturschutzfachlichen Untersuchungen seien noch nicht abgeschlossen. Die Windräder zwei bis sieben seien aber in ökologisch weniger wertvollen Fichtenbeständen vorgesehen. Der Standort des Windrades eins werde noch angepasst.

Bereits seit März 2013 arbeitet Windwärts an der Kartierung und an Gutachten für den geplanten Windpark. So werde auch das Vorkommen von Schwarzstorch, Rotmilan und so genannten Höhlenbrütern wie Spechten durch unabhängige Gutachter untersucht. "Die Untersuchungsergebnisse werden dann bei der Planung der Standorte berücksichtigt", sagt Dietrich.

Ortsvorsteher Koschel will das Thema auch in der Sitzung der Gemeindevertretung am Montag, den 16. September 2013, ansprechen. Das Parlament tagt ab 19 Uhr öffentlich im Saal des Bürgerhauses Weilmünster.


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Kommentare (2)
...und die ganzen Überland-Strommasten, die schon seit vielen Jahrzehnten die Landschaft verschandeln, sodass so mancher Landwirt seinen Acker nicht mehr findet, müssen auch alle weg...! Gelobet sei der Rückschritt! Und mehr
sorry: no Fratzenbuch!
Endlich, so scheint es, formiert sich ein Protest gegen die landschaftsverschandelnden Windräder. Doch die politische Großwetterlage lässt lauten Widerstand noch nicht zu. Es bleibt zu hoffen, dass die Töne noch lauter mehr
werden - und zum Erfolg führen, bevor wir den Wald vor lauter Windrädern nicht mehr sehen.
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