Wurde Lucky vergiftet?

HAUSTIERE Hund Lucky ist tot / Familie Buchholz ist überzeugt, er wurde vergiftet

Am Sonntag gestorben: der fünf Jahre alte Schäferhund-Labrador-Mischling Lucky. (Foto: privat)

"Wir haben Lucky im Alter von einem halben Jahr bei uns aufgenommen - er war ein ganz lieber Familienhund", erzählt Kathrin Buchholz. Zuletzt habe er Probleme mit der Schulter gehabt. Deswegen waren sie in der vergangenen Woche nur auf einem bestimmten Weg mit ihm spazieren, da dieser nicht zu lang und für Lucky gut zum Laufen war: der Waldweg oberhalb der Diskothek in Weilmünster in Richtung Möttau. "Dort muss er den Giftköder aufgenommen haben", sagt sie.

Am vergangenen Sonntag war sie mit Lucky beim Tierarzt, der aber nicht mehr helfen konnte. "Lucky hatte innere Blutungen. Der Tierarzt sagte, dass das ein Rattengiftköder war."

Er habe ihr auch erklärt, dass Rattengift zeitverzögert wirke und dass Lucky das Gift wahrscheinlich schon eine Woche zuvor aufgenommen habe. Ein zweiter Tierarzt sei zu dem gleichen Schluss gekommen.

Die Familie Buchholz ist erst vor Kurzem nach Niederwetz im Lahn-Dill-Kreis gezogen, ihre Wurzeln liegen in Weilmünster. Deswegen gingen Kathrin und Lars Buchholz dort gerne spazieren. Jetzt haben sie ihre Freunde mit Hunden vor dem Marktflecken gewarnt. Und da sind sie nicht die einzigen.

Weilmünsters Gemeindeverwaltung lässt in der kommenden Ausgabe des amtlichen Mitteilungsblattes "Weilmünsterer Nachrichten" eine Warnmeldung abdrucken, in der Hundehalter aufgefordert werden, ihre Hunde beim Spaziergang sorgfältig zu beaufsichtigen.

"Die Hundebesitzer warnen und die Polizei informieren - viel mehr können wir in dieser Sache nicht unternehmen", sagt Weilmünsters Ordnungsamtsleiter Kuno Jungmann. Als ihn die Buchholzes am Montag über den Tod ihres Hundes informierten, habe er zwar noch eine Kollegin rausgeschickt, die den betreffenden Waldweg absuchte. "Da war aber nichts zu sehen", sagt Jungmann. Nichtsdestotrotz nimmt er den Fall ernst.

"Offiziell ist das der einzige Fall in Weilmünster - und so lange ich mich erinnern kann, hatten wir hier auch noch keine Probleme mit Giftködern", sagt der Ordnungsamtsleiter. Allerdings weiß er "inoffiziell" vom Hörensagen von einem weiteren Fall. Dieser soll sich bereits vor vier Wochen ereignet haben; der Giftköder soll damals am Weilmünsterer Freibad gelegen haben.

Da die beiden Fälle in entgegensetzten Enden Weilmünsters spielen, betrifft die Warnung der Verwaltung nun den gesamten Gemeindebereich.

Eine ähnliche Warnung gab vor zwei Wochen Bürgermeister Hans-Peter Schick (parteilos) für Weilburg aus. Auch dort der Verdacht, dass Unbekannte vergiftete Wurstwaren platzieren.

"Wir haben gehört, dass im Kreis öfter Köder von Hundehassern ausgelegt werden, extra präpariert mit Hackfleisch, damit die Hunde sie auch aufnehmen", sagt Kathrin Buchholz. Sie findet das unfassbar. "Wer sagt, dass es dann nicht ein Kind ist, dass sich den Köder in den Mund steckt. Das nehmen die einfach in Kauf."

Uwe Meier von der Polizeidirektion Limburg-Weilburg kann das Gerücht, dass im Kreis öfter illegale Giftköder ausgelegt werden, weder bestätigen noch entkräften. Ihm fehlen verlässliche Zahlen. Vergiftete Hunde würden zwar nur selten gemeldet, was aber nicht ausschließe, dass es mehr gebe. Allein schon deshalb, weil wohl nicht jeder Hund, der stirbt, auf Gift untersucht werde.

Gerüchte über Giftköder machen schnell die Runde und verunsichern Halter

Auf der anderen Seite zweifelt Uwe Meier an, dass an jedem Gerücht über vergiftete Hunde etwas dran ist. Als Beispiel verweist er auf Staffel. Dort wurde Anfang des Jahres ein Stück Fleischwurst gefunden, in dem eine Tablette steckte. Prompt kursierte das Gerücht von vergifteten Hunden im Rhein-Lahn-Kreis. Später stellte das Veterinäramt klar: In der Wurst war kein Gift. Und die "vergifteten Hunde" im Rhein-Lahn-Kreis? Ob es sie tatsächlich gab, kann Uwe Meier nicht sagen. Aktenkundig seien sie zumindest nicht, sagt er.

Kathrin Buchholz hat am Montag sowohl die Gemeinde Weilmünster als auch die Polizei vom Tod ihres Hundes informiert. Zum einen, damit andere Hundehalter gewarnt werden können; zum anderen, damit derjenige, der den Giftköder auslegte, zur Rechenschaft gezogen werden kann. Gemeinsam mit ihrem Ehemann will sie Anzeige erstatten.

Sie spricht von Mord - so fühle sich der Tod von Lucky für sie an. Für die Polizei wäre es eine Sachbeschädigung oder ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz.


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