400 Antifaschisten setzen ein Zeichen

DEMONSTRATION Erinnerung an den Brandanschlag vor sechs Jahren in Dautphetal

Adnan Yildirim, in Dautphetal lebender Lehrer, verurteilte die Übergriffe auf seine türkischen Landsleute im Februar 2008.

Rund 400 Menschen zogen am Samstagnachmittag durch Dautphetal. 

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Der Zugfahrplan diktierte am Samstagnachmittag den Zeitplan der Demonstration. Die Kurhessenbahn hatte extra in Marburg zwei weitere Wagen an den Schienenbus angehangen. Rund 250 Menschen stiegen kurz vor 15 Uhr aus und gesellten sich zu den knapp 100 Demonstranten, die schon vor dem Friedensdorfer Bahnhof warteten. Der Linke-Kreistagsabgeordnete Bernd Hannemann hatte die Veranstaltung in Dautphetal angemeldet. Für die Organisation zeichnet die Marburger "antifa gruppe 5" verantwortlich. Die hatte zwar in der Unistadt reichlich Plakate geklebt, auch Handzettel in Dautphetal verteilt, doch die Resonanz aus der Hinterlandgemeinde hielt sich in Grenzen. Das stellte auch der Erste Beigeordnete Hans Günter Wagner zu Beginn der Veranstaltung fest. Er zeigte sich überrascht, wie viele Menschen an diesem Nachmittag angereist waren.

Der Fußmarsch ging dann vom Bahnhof über die Lahnstraße zum Rathaus. Dort gab es auf der Bundesstraße 453 einen Zwischenstopp mit Reden. Adnan Yildirim, Lehrer aus Dautphetal und Linker Kreistagsabgeordnete prangerte unter anderem an, dass es immer noch keine Spur von den Tätern des Anschlages gebe. Man habe sich nicht vorstellen können, dass so etwas im Hinterland passiert, erinnerte er sich. Zwar hätten Gemeinde und Kreis den Betroffenen ihre Solidarität bekundet, doch erst die Demo vor sechs Jahre haben den Menschen die Angst genommen, so Yildirim. "Lasst uns nicht alleine mit den Rassisten", rief er den Demonstranten zu. Und sein Parteikollege Hamann prangerte lautstark an, dass es zu dieser Demo keine Unterstützung durch Dautphetals Bürgermeister Bernd Schmidt oder die örtlichen politischen Gremien gegeben habe.

Polizei begleitete die friedliche Demo auf dem Weg durch den Ort

Die Demonstranten erinnerten daran, dass es fremdenfeindliche Übergriffe, zu denen sie den Anschlag von Dautphetal selber auch zählen, immer wieder gebe. Zuletzt hatten im Januar in Wohratal vier junge Männer in einem Asylbewerberheim Sachschäden verursacht. Der Marsch wurde dann durch den alten Ortskern, am Bürgerhaus und am damals betroffenen Haus vorbei wieder zum Bahnhof geführt. Dort stieg das Gros dann kurz vor 17 Uhr wieder in den Zug nach Marburg ein.

Für die Polizei verlief dieser Einsatz friedlich. Auf dem Bahngelände war die Bundespolizei im Einsatz. Die heimischen Kräfte sorgten für die Verkehrsregelung sowie die Demo-Begleitung. Und an der Hinterland-Halle stand noch eine Einsatzreserve in Bereitschaft, die aber nicht zum Zuge kam.


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Kommentare (2)
Der Kleingeist wird jetzt ,wenn mein Kommentar veröffenlicht wird auf meinen Nickname gegenargumentieren, aber das erwarte ich schon fast, weil es nichts neues ist.
Ich mag wohl ganz klar bezweifeln ob Mitglieder der mehr
Antifa ein "Gefühl für Sicherheit" vermitteln können, wo ich in der Presse zig Beispiele für das Gegenteil finde. Ich finde auch nicht das man solchen Menschen mit einer "Hinterhof Bildung" wie man sie bei "Wändeschmierereien" und Aufkleber-Aktionen vorfindet irgendeine Form der "Aufklärung " überlassen sollte. Es gab nach dem Vorfall von 2008 Ermittlungen in alle Richtungen, aber das "Rechte Gewalt" im Spiel war ist nirgendwo zu sehen oder zu lesen gewesen.
Und das ihr für eine Kundgebung nur noch 400 Menschen auf die Beine bekommt, das liegt daran das die Realität ne andere ist als wie das "Hassbild" was ihr den Menschen versucht zu vermitteln. Die vermeintlichen Faschos die ihr überall seht sind größtenteils weg, die Menschen fühlen sich und ihre Zukunft bei weitem nicht so bedroht wie durch manches andere.Und das ist mal FAKT. Es ist schlimm was dort einst geschah aber Mutmaßungen sollte man dem Staatsanwalt überlassen. Im aller übrigen ist der Beitrag absolut einwandfrei, er liest sich sehr gut und ich kann von Häme und Sarkasmus wie vom Fränky beschrieben die Spur nicht finden. Soweit kommt es noch das die Presse sich von der Politik und übersensibilisierten die Berichterstattung vorschreiben lassen muss, sind doch nicht bei der BILDZEITUNG.
Lieber Herr Meistrell,
von dem peinlichen Fauxpas in der Überschrift einmal abgesehen (kurze Anmerkung: "Faschismus" hat nichts mit "Fasching" oder einer gesellschaftlichen "Schicht" zu tun) würdigt dieser Bericht in mehr
keinster Weise diese vorbildliche Aktion von engagierten Bürgern. Solche Aktionen sind notwendig um über das Ausmaß rechter Gewalt zu informieren. Vor allem aber geht es darum, allen betroffenen Solidarität zu zeigen und damit ein Stück Sicherheit (zurück) zu geben.
Das in diesem Bericht aber das Hauptaugenmerk auf der An- und Abreise der Demonstranten, der Wegführung der Demonstration sowie der Feststellung liegt, dass die Teilnahmezahl hätte höher ausfallen können, entmutigt jeden Engagierten und zaubert wohl jedem "Faschichten" ein Lächeln ins Gesicht. Das sich junge Menschen für eine Opfer-Familie einsetzen, die sie niemals kennengelernt haben, verlangt einfach mehr RSPEKT. Die lokale Presse trägt zur Meinungsbildung bei und sollte deswegen, insbesondere bei solch wichtigen Themen, ihrer Verantwortung stärker bewusst sein.
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