Abbruch, Rauschen, halbe Kraft

BREITBAND Schnelles Internet macht Kleingladenbachern Probleme

Da kann Manfred Schwab aus Kleingladenbach nur den Kopf schütteln: Mit einem Kofferradio soll er selbst auf Spurensuche nach Störungen für die Verbindungsgeschwindigkeit gehen. Das war der Tipp des Telekom-Mitarbeiters. (Foto: Valentin)

"Die ersten drei Wochen lief alles prima, alles funktionierte tadellos", erzählt er. Dann fingen die Probleme an: Das Telefon war besetzt, obwohl niemand telefonierte, der Router verlor sämtliche Speicherdaten und musste ständig neu programmiert werden, Telefongespräche brachen mittendrin ab. Dazu kommt - von Zeit zu Zeit - ein störendes Rauschen beim Telefonieren, berichtet er. Woran die Störungen liegen, weiß Kailer nicht. Er vermutet, dass das Netz überlastet ist: "Ich denke, die Telekom war nicht darauf vorbereitet, wie viele Leute hier einen schnellen Internetanschluss haben wollten". Kailer war einer der ersten, der freigeschaltet wurde. Und ist nun nicht der einzige im Dorf, der mit dem neuen Internetzugang nicht recht glücklich wird.

Auch Manfred Schwab berichtet von immer wieder auftretenden Störungen und legt sogar einen mehrere Seiten langen Bericht mit Fehlermeldungen vor. Daraus geht hervor, dass die Verbindung teilweise über Stunden abreißt und er weder ins Internet kommt, noch telefonieren kann. "Für einen Privatmann ist das schon schlimm, aber wir haben ein Geschäft", erklärt er. Nicht erreichbar zu sein, das kann für ihn auch schnell ins Geld gehen. Dazu kommt, dass die Störungen immer nur zeitweise auftreten, erklärt Schwab. "Wenn dann mal ein Techniker da ist und es läuft normal, kann der natürlich nichts feststellen. Das sehe ich ein." Und eine Langzeitmessung, wie er sie fordert, will die Telekom nicht übernehmen. "Mir wurde gesagt, dass ich die Kosten dafür selbst tragen müsste, und die seien durchaus hoch", sagt Schwab.

Techniker der Telekom rät zum Test mit dem Kofferradio auf Mittelwelle

Stattdessen gab ihm ein Techniker den Tipp, mit einem alten Kofferradio durch die Wohnung zu gehen, das auf Mittelwelle und die Frequenz 800 Megahertz eingestellt ist. Wenn er dann ein Knacken im Lautsprecher höre, deute das auf Störungen hin, die sich auch auf die Internetgeschwindigkeit und -verbindung auswirken können. "Das kann doch keine moderne Problemlösung sein", schüttelt Schwab angesichts dieses Rats nur den Kopf.

Schließlich ist da noch die Frage der Geschwindigkeit. Schwab hat einen Anschluss mit 50 Mbit beantragt. Schon im Vertrag mit der Telekom sei dann aber nur noch von 25 Mbit die Rede gewesen, berichtet er. "Natürlich wurde gesagt, dass man Einbußen bei der Geschwindigkeit aufgrund der Leitungslänge hinnehmen muss", sagt Schwab, "aber wir wohnen gerade einmal 400 Meter vom nächsten Verteiler entfernt. Das kann es also nicht sein." Zumal sein Nachbar, der an der selben Leitung hängt, die vollen 50 Mbit ausschöpfen kann.

Die Telekom habe seine halbe Geschwindigkeit damit begründet, dass in Kleingladenbach nicht genügend Plätze für eine flächendeckende Bandbreite von 50 Mbit vorhanden seien. Um ein stabiles Netz bereitstellen zu können, erhalte Schwab deswegen nur 25 Mbit. Die habe der Konzern aber garantiert. Auch auch das klappt nicht: "Am Wochenende kommen wir teilweise nur auf 10 Mbit, wir bezahlen aber einen Anschluss mit 50 Mbit. Da ist doch was nicht richtig", so Schwab. 

Zurück zu den Störungen und Totalausfällen: Dass sie von einer Überlastung des Netzes in Kleingladenbach herrühren, das schließt die Telekom aus. "Eine Netzüberlastung sähe anders aus", erklärt Telekomsprecher Husam Azrak auf Nachfrage, "in einem solchen Fall wären alle an einem Netzblock hängenden Haushalte nicht erreichbar". Für Kleingladenbach liegt derzeit jedenfalls keine Netzstörung vor, sagt Azrak. Das Problem liege vermutlich in den betreffenden Haushalten selbst. Es zu lokalisieren, sei schwierig, weil es vielerlei Ursachen haben könne - angefangen von einem defekten Router bis hin zu Problemen mit den Kabeln. Der Konzernsprecher rät deshalb, einen Techniker einzuschalten - womit sich die Sache für die Kleingladenbacher im Kreis dreht.

Zu guter Letzt: Auf den Techniker-Tipp mit dem Kofferradio angesprochen, fällt auch Pressesprecher Azrak nichts mehr ein. Das, so sagt er, könne er sich auch nicht erklären.


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Kommentare (1)
Naja, ist auch nicht die Aufgabe des Presseprechers, dass er Ahnung von Technik hat...aber hätte er einen Blick in die Hilfe-Foren seines Unternehmens geworfen, könnte er sich den "Technik-Tipp" mit dem Kofferradio mehr
schon erklären ;-)
Die Antwort des Technikers war prakmatisch. Die Ausfälle könnten nämlich z. B. durch schlecht oder nicht funkentstörte elektrische Verbraucher in näherer oder weiterer Umgebung verursacht werden. Und die tauchen dann natürlich nur auf, wenn der Verbraucher in Betrieb ist.

Hier ein paar Links:
Beitrag vom 24. Oktober 2011, 16:53 Uhr: https://forum.telekom.de/foren/read/service/internet-festnetz/internetzugang-einwahl/dsl-leitung-bricht-staendig-zusammen,176,7338448,page=2.html
4. Beitrag: https://feedback.telekom-hilft.de/questions/dsl-immer-wieder-gestort
http://www.computerbase.de/forum/showthread.php?t=991074
http://forum.mhilfe.de/viewtopic.php?t=2925&postdays=0&postorder=asc&start=0
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