
Darüber könne später bei einer Tasse Kaffee gesprochen werden, sagte dazu Hessens Justiz- und Integrationsminister, der stellvertretende Ministerpräsident Jörg-Uwe Hahn (FDP), dessen Partei bekanntlich nicht für den Mindestlohn ist. Die Diakonie sei in der Gesellschaft sehr wichtig, gerade ehrenamtliches Engagement. "Die Gesellschaft organisiert sich selbst, der Staat stellt nur den Rahmen", so der Minister, der betonte, dass dieser eben nicht alles finanzieren könne.

In seinem Grußwort ging der Ehrengast auf das Sicherheitsbedürfnis älterer Menschen ein. Hahn verwies darauf, dass diese sich subjektiv unsicher fühlten, obwohl sie nicht zu der ersten Zielgruppe von Kriminalität zählen würden. Es gehe sicher nur um schwarze Schafe, so Hahn, aber Tatsache sei es, dass alten Menschen in Pflegeeinrichtungen auch Gewalt angetan werde, sei es in körperlicher oder in seelischer Hinsicht.

Obduktion als Pflicht
Dem müssten grundsätzliche Strukturen zur Verhinderung entgegenstehen. In der Diskussion sei es durchaus, eine Obduktionspflicht einzuführen, um Gewalttaten gegen Ältere besser aufdecken zu können, schloss Hahn. Er hoffe, dass auch die Landeskirchen bald einen gemeinsamen Weg gehen werden. DWHN und DWKW wollen im kommenden Jahr die Fusion besiegeln.
Die aus Darmstadt stammende Schriftstellerin Gabriele Wohmann, 80 Jahre alt, las eine ihrer zahlreichen Kurzgeschichten, in der es um eine alte Dame geht, die beim Geburtstagsbesuch des Pfarrers durchaus kritisch mit dessen lapidaren Äußerungen umgeht. Pfarrer müssten viel mehr auf die tatsächlichen Probleme Älterer eingehen, so die Forderung Wohmanns später. Viele führten sich auf wie ein Sozialarbeiter.
Der 53 Jahre jüngere Ruppel stellte sein Projekt "Alz-Poetry" vor, ein Literaturprojekt für Menschen mit Demenz. "Egal wie stark der Verfall ist, Gedichte bleiben im Herzen." Wie Ruppel erläuterte und mit den Gästen eindrucksvoll zelebrierte, könnten Gedichte durch Berührungen, Bewegungen und bestimmten Tonfall erlebbar gemacht werden. Körperkontakte seien extrem wichtig für die Menschen. Er führe auch Fortbildungen für Angehörige und Pflegende durch, so der Poetry-Slammer.
Wohmann betonte, sie habe Vorurteile über die neue Kunstform abgebaut. Vor allem, dass der junge Mann soviel auswendig könne, habe sie beeindruckt. "Er soll noch in vielen Altenheimen auftreten." "Und ich wünsche mir, dass Sie noch in viele Schulen gehen", hob Ruppel hervor. Beide betonten, dass es zwischen den Generationen nicht darum gehe, etwas Bestimmtes voneinander zu lernen. "Der Dialog ist das, was zählt", so Ruppel abschließend.







Kommentare (0)




















