Eltern fordern, dass auch jetzige Jahrgänge zu G9 zurückkehren

LAHNTALSCHULE "Kinder sind der Kindheit beraubt"

Die Lahntalschule kehrt im Sommer zu G 9 zurück. Das wollen auch Eltern der Schüler, die bereits jetzt die fünfte und sechste Klasse besuchen und damit bereits auf G 8-Kurs sind. (Foto: Archiv)

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Kundgetan haben sie diese Haltung am Montagabend in einer vom Schulelternbeirat einberufenen Versammlung. Ein Vater brachte die Kritik der Eltern auf den Punkt: "Die verkürzte Gymnasialzeit beraubt unsere Kinder ihrer Kindheit."

Der Stoff, der früher in neun Jahren abgehandelt wurde, müsse nun in acht Jahren durchgezogen werden. Dadurch gebe es schon in den niedrigeren Klassenstufen vermehrt Nachmittagsunterricht, wodurch die Schüler einen Teil ihrer Freizeit verlören.

Eltern berichten, dass Vereine und Zusatzangebote der Schule unter G8 leiden

Darunter litten nicht nur die Vereine, die einen Rückgang bei den Zahlen der Jugendlichen beklagten, sondern auch das sonstige schulische Zusatzangebot wie Orchester oder Chor und mitunter sogar Freundschaften, klagten die Eltern.

Organisatorisch wäre eine Rückkehr der jetzigen fünften Klassen zu G9 weniger das Problem, schätzte Schulleiter Dr. Eberhard Scholl die Lage ein. Schwieriger sehe es hingegen bei den sechsten Klassen aus, da hier nach G 8 bereits Fächer wie Naturwissenschaften und die zweite Fremdsprache unterrichtet werden, die nach G9 erst in der siebenten Klasse auf dem Stundenplan stünden. Das eigentliche Problem für beide Jahrgänge sei aber juristischer Art, machte Heike Grosser vom staatlichen Schulamt deutlich.

Für die jetzigen fünften und sechsten Klassen, die Unterricht nach G8 erhalten, gilt ein Bestandsschutz. Eine Rückkehr zu G9 wäre grundsätzliche möglich, wenn die Eltern beider Jahrgänge dem zu 100 Prozent zustimmten. Gebe es hingegen nur eine Stimme, die für G8 plädiert, sei alles hinfällig. Denn diese eine Stimme könnte den G8-Platz einklagen und würde aufgrund des Bestandsschutzes auch Recht bekommen.

Um die Stimmungslage bei den Eltern der Fünft- und Sechstklässler herauszufinden, will der Schulelternbeirat nun in allen Klassen eine Umfrage starten. Zusätzlich werden alle Eltern für kommenden Mittwoch, 13. Februar, um 19 Uhr zu einem Elternabend eingeladen, an dem über das Problem und eine mögliche Lösung beraten werden soll.

Der Vorsitzende des Schulelternbeirats, Christian Reifert, zeigte der Versammlung indes einen weiteren Lösungsvorschlag auf. Danach soll in den fünften und sechsten Klassen generell nach G9 gelehrt und jeweils eine Parallelklasse für jene Schüler eingerichtet werden, deren Eltern eine Beschulung nach G8 wünschen. Damit würde auch den Wünschen dieser Eltern Rechnung getragen, erklärte Reifert. In diesem Ansatz sieht Grosser jedoch die Gefahr einer Zwangssituation.

Das Modell funktioniere gut, so lange ungefähr so viele G8-Schüler zusammenkämen, dass die Zahl für eine Klassengröße reicht, erklärte Grosser. Seien es hingegen deutlich weniger, müssten die restlichen Plätze in dieser Klasse mit Schülern aufgefüllt werden, die sich eigentlich eine Beschulung nach G9 wünschten. Für jene Eltern und Schüler sei das eine denkbar schlechte Konstellation, so Grosser.

Ein dritter Ansatz bestünde in einem sogenannten Schulversuch - eine Lösung, die die Landesregierung offiziell vorschlägt. Danach können die Eltern ab der siebten Klasse entscheiden, ob ihr Kind nach G8 oder G9 beschult werden soll. In der fünften und sechsten Klasse findet hingegen Unterricht nach G 8 statt.

Hier gingen die Meinungen der Eltern am weitesten auseinander. Während Stefan Bögel, Vorsitzender des Vereins der Freunde und Förderer der LTS, darauf hinwies, dass dieses Modell am meisten Gestaltungsspielraum biete, sprachen sich andere Eltern dagegen aus. Denn in diesem Fall bliebe die schulische Mehrbelastung in den fünften und sechsten Klassen erhalten, erklärten sie, und dagegen richte sich ja ihr Protest.


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