
Die Geschichte geht unter die Haut: Nach dem Krieg verlässt der deutsche Sinti-Junge Mano Deutschland an der Seite von liebevollen Franzosen, die den Schein-Waisen nicht seinem Schicksal überlassen, und geht nach Frankreich. Die Zeit im Konzentrationslager hat den Jungen, den eine Tätowierung als Auschwitz-Häftling kennzeichnet, geprägt. Bei einer Pflegefamilie findet er zurück ins Leben, lernt Französisch und Freunde kennen. Doch die Sehnsucht bleibt.
Einer Amsel übergibt er die Botschaft für die Eltern: "Flieg in den Himmel und sag ihnen, ich lebe noch, in einem Land, in dem man Deutsche nicht mag!" Was er nicht weiß, aber hofft: Seine Familie überlebt den Krieg, kehrt zurück in die Heimatstadt München und sucht den verlorenen Sohn - vergeblich, bis Mano selbst irgendwann den entscheidenden Tipp gibt.
Das Buch erzählt die wahre Geschichte eines Jungen während des Krieges und der Wirren der Nachkriegszeit. Er und Autorin Anja Tuckermann fanden über seinen Cousin Hugo zueinander. Denn es war zunächst Hugo, der mit 70 Jahren seine Geschichte erzählen wollte und den Kontakt zur Autorin suchte, die schon über einen Sinto geschrieben hatte.
Irgendwann brach es auch aus Mano heraus: "Ich träume davon, einmal alles herauszuschreien!" Das machte er vor neun Jahren - Anja Tuckermann schrieb es auf und stellte nach fünfjähriger Arbeit den dokumentarischen Roman "Mano - der Junge, der nicht wusste, wo er war" fertig. 900 Minuten Gespräche hat die Autorin aufgezeichnet, jede Aussage von Mano - falls möglich - in Archiven überprüft, denn: "Erinnerungen sind oft nicht verlässlich." Sie habe versucht seine Erlebnisse, von denen er oft immer und immer wieder erzählte, in der Art seiner Gedanken und Sprache zu formulieren. Dass sie als Erste überhaupt davon erfuhr, nennt Tuckermann "ein besonderes Privileg". Anja Mock-Einbeck, Lehrerin an den Beruflichen Schulen, hatte sich bei den Lesefest-Veranstaltern um eine Lesung in Biedenkopf beworben. "Wir möchten den Schülern damit einen Zugang zu Literatur geben", erzählt Mock-Einbeck.
"Die erzählen von Zuständen, die wir uns nicht mehr vorstellen können"
Nach der Lesung kommen einige Schüler nach vorn, blättern im Buch und suchen das Gespräch mit der Autorin. Eine junge Frau fühlte sich an die Geschichten ihrer Eltern erinnert, die als Kurden in der Türkei verfolgt wurden. "Die erzählen von Zuständen, die wir uns heute in Deutschland nicht mehr vorstellen können", sagt sie. Sinti kennen die Schüler kaum. "Wir wissen nur, dass es sie gibt", erzählt Joana Starke. Die anderen stimmen zu.
Als die Autorin von Manos Leben im KZ sprach, konnte Anna Katharina Eckhardt "ein bisschen mitfühlen". Sie hat die Gedenkstätte Buchenwald besucht und die Atmosphäre dort nicht vergessen. Ihrer Lehrerin haben die Jugendlichen vorgeschlagen, das Buch im Unterricht zu lesen. Manos Geschichte hat bei den Schülerinnen tiefe Spuren hinterlassen ...







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