Große Mehrheit will G9

LAHNTALSCHULE Fünfte und sechste Klassen wollen zu G9 zurück

"G9 für alle" fordern viele hessische Eltern - wie hier bei einer Demonstration in Herborn im Lahn-Dill-Kreis. Auch für die meisten Eltern der Lahntalschüler ist die Sache klar. Sie wollen die verkürzte Gymnasialzeit "G8" nicht mehr. (Foto: Archiv)

Am 13. Februar waren alle Eltern der LTS, deren Kinder die fünfte oder sechste Klasse besuchen, gebeten worden, ihre Wünsche zu G8 und G9 in einer geheimen Abstimmung zu äußern. Betroffen sind 204 Schüler. Von den 191 abgegebenen Stimmen (Beteiligung: 95 Prozent) sprachen sich 177 für eine Rückkehr zu G8 aus. Das entspricht 93 Prozent der abgegebenen Stimmen. Zehn Eltern votierten für den Verbleib bei G8, vier Eltern enthielten sich.

Der Vorsitzende des Schulelternbeirats, Christian Reifert, hat inzwischen einen Brief an das Kultusministerium geschrieben und beantragt, dass die Jahrgänge 5 und 6 ab dem kommenden Schuljahr nach G9 unterrichtet werden können. "Die Schulleitung sowie die Gesamtkonferenz der Lahntalschule Biedenkopf unterstützen diesen Antrag in vollem Umfang", heißt es in dem Brief.

Reifert: Für einen Schulversuch fehlen in Biedenkopf die G8-Befürworter

Reifert verweist in zweifacher Hinsicht auf das erhobene Meinungsbild. Es zeige zum einen, dass nahezu 100 Prozent der Eltern eine neunjährige Gymnasialzeit für ihre Kinder wünschen. Darüber hinaus mache es aber auch deutlich, dass sich die Lahntalschule kaum für den von der Landesregierung ins Spiel gebrachten "Schulversuch" eigne.

Der sieht vor, dass die Schüler nach der sechsten Klasse entscheiden können, ob sie nach drei Jahren (G8) oder nach vier Jahren (G9) in die Oberstufe wechseln. "Die Meinungserhebung zeigte, dass es nicht möglich wäre, eine G8-Klasse zu füllen, die parallel zum G9 Angebot laufen müsste", schreibt Christian Reifert an die hessische Kultusministerin Nicola Beer. Organisatorisch wäre eine Rückkehr zu G9 ebenfalls unproblematisch, unterstreicht Reifert: "Die Schulleitung sieht sich in der Lage, die Rückkehr der bestehenden Jahrgänge 5 und 6 zu G9 organisatorisch und konzeptionell bis zum Beginn des neuen Schuljahres umzusetzen."

Entscheidend für den Wunsch der Eltern, zu G9 zurückzukehren, sind jene Gründe, die auch schon bei den beiden Elternabenden zur Sprache kamen. "Der Leistungsdruck ist enorm", sagen Karin Lehmann und Birgit Richenbacher-Küster, die sich im Auftrag des Schulelternbeirats mit dem Thema beschäftigt haben. Besonders heftig werde es für die Jugendlichen, die nach G8 unterrichtet werden, im achten und neunten Schuljahr - in jener Lebensphase, in der ihnen ohnehin schon die Persönlichkeitsentwicklung zu schaffen mache. Zudem blieben angesichts von vier Tagen mit Nachmittagsunterricht viele Hobbys auf der Strecke. Das zeige sich mittlerweile in den Gruppen vieler Vereine. "Wir haben die ganz jungen Kinder und die Erwachsenen. Die Jugendlichen fehlen fast komplett", sagt Karin Lehmann. Das sei auch für die Jugendlichen selbst sehr bedauerlich, denn: "Was ich da lerne, lerne ich in keinem Unterricht", verweist sie auf den Aspekt der Sozialkompetenz.

Kritisch sieht sie auch die Aufteilung des Unterrichtsstoff. Durch das fehlende Jahr würden komplexe Themen wie das Dritte Reich zu früh aufgegriffen. Das sei zum Teil nicht altersgerecht, wäre aber im G8-System nicht anders umsetzbar. Nicht zuletzt verweist Karin Lehmann auf die Besonderheiten des Hinterlandes. Auf viele Schüler kämen erhebliche Fahr- und Wartezeiten zu - was die freie Zeit weiter einschränke. Sie hofft nun darauf, dass doch noch Bewegung in die Sache kommt. Schließlich sei 2013 ja ein Wahljahr.

- Informationen zu einer Unterschriftenkampagne gibt es im Internet unter der Adresse www.g9-wahl.de.


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