H-Gas ist für Biedenkopf nicht neu

ENERGIE Stadtwerke in Marburg stellen erst ab 2019 in Teilen des Netzes um

Die Umstellung von L- auf H-Gas könnte die Brenner in den Haushalten überlasten, sie müssen umgestellt werden. (Foto: Archiv)

Kunden der Enwag und Gasversorgung Lahn-Dill dagegen werden derzeit wie fast fünf Millionen andere Haushalte in Deutschland noch mit L-Gas versorgt, das aus deutschen und niederländischen Förderstätten stammt. Doch die Produktion geht zurück, die Holländer wollen ab 2030 nur noch für sich, für Frankreich und Belgien produzieren.

Das L steht für "low", also niederkalorisch, H für "high", also hochkalorisch. H-Gas dagegen ist in Europa in großen Mengen verfügbar. Die Umstellung soll auf lange Sicht die Versorgung sichern. Die zwei großen H-Gas-Quellen sind Russland und Norwegen. Immer mehr H-Gas wird auch in Biogasanlagen gewonnen.

Drei Jahre vor dem Start der geplanten Umstellung haben die Enwag und 14 weitere mittelhessische Netzbetreiber sowie 16 Industrieunternehmen einen konkreten Fahrplan vereinbart: In 13 Schritten soll das H-Gas mit dem deutschlandweiten Umstellungsprozess in den Jahren 2019 bis 2021 eingeführt werden. Beim Heizen werden die Verbraucher keinen Unterschied zwischen L- und H-Gas bemerken. Die Brennwerte seien identisch, sagte Enwag-Geschäftsführer Detlef Stein.

Russland und Norwegen sind die größten Lieferanten, immer mehr kommt aus Biogasanlagen

"Im Bereich der Stadtwerke haben wir die Umstellung schon vor einigen Jahren erfolgreich vorgenommen", erklärt Wolfgang Buder auf Nachfrage. Das hochkalorische Gas fließt seitdem über die Westhessenleitung von Nordrhein-Westfalen über Bad Laasphe ins Biedenkopfer Netz. Seinerzeit habe man auch die Geräte, dort wo es nötig war, an den neuen Standard angepasst. Das steht den Kunden der Enwag noch bevor. Denn der höhere Energiegehalt des H-Gases macht eine Anpassung der Gasverbrauchsgeräte und -anlagen in den 170 000 betroffenen Haushalten nötig. Weil es beim sogenannten Wobbeindex, der Wärmebelastung für die Gasbrenner, eklatante Unterschiede gebe. Durch das H-Gas könnten die bisherigen Brenner überbelastet werden.

Anders als in Biedenkopf sieht es in Marburg aus. Die Stadtwerke Marburg bieten laut Pressesprecher Pascal Barthel in Teilen des Netzes noch L-Gas an. Folgerichtig wird auch dort ab 2019 in einem mehrjährigen Prozess auf das hochkalorische H-Gas umgestellt. Wie viel Aufwand es erfordert, die Gasgeräte umzustellen, lässt sich im Vorhinein nur schwer sagen. Es gibt Geräte, die sich automatisch umstellen, solche, die händisch eingestellt werden können, und andere, bei denen die Düse ausgetauscht werden muss. Schwieriger kan es bei sehr alten Heizungsanlagen werden, für die es keine Ersatzteile mehr gibt oder deren Hersteller schon nicht mehr existieren.

Nähere Informationen zu der Umstellung gibt es auf www.erdgas-umstellung. Dort findet sich auch Link zu einer Seite, auf der genau aufgeschlüsselt ist, welche Versorgungsgebiete betroffen sind.


Die ganze Zeitung auf Smartphone oder Tablet: Testen Sie jetzt gratis unsere E-Paper-App.
Link zum Thema
Copyright © mittelhessen.de 2016
Kommentare (0)
Mehr aus Region Hinterland und Marburg