Kindergarten ohne Dach und Wände

BETREUUNG Neue Waldgruppe startet am 1. Mai

In einem Waldkindergarten machen Jungen und Mädchen die Natur zum Spielplatz. Eine neue Gruppe startet am 1. Mai in Weidenhausen, 20 Betreuungsplätze für Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren stehen zur Verfügung. (Foto: Michael Horn/pixelio.de)

"Wir hatten spannende Verhandlungen und sind auf einem sehr guten Weg", sagte Weidenhausens Pfarrer Axel Henß am Mittwochabend während eines Eltern-Informationsabend in Gladenbach. Die Stadt und die Evangelische Kirchengemeinde Weidenhausen wollen in Kürze den Vertrag für die neue Waldgruppe unterschreiben. Diese wird dann dem Evangelischen Kindergarten Weidenhausen angeschlossen.

Nötig wird diese für Gladenbach neue Form der Kinder-Betreuung, weil im Stadtgebiet alle 320 Plätze in den sieben Kindergärten belegt sind. "Wir haben eine relativ große Warteliste, der Bedarf ist besonders groß in Weidenhausen", erklärte Bürgermeister Peter Kremer (parteilos).

Deshalb suchten Stadt und Kindergarten-Träger nach einer Idee, die möglichst schnell umgesetzt werden kann. Der Vorschlag für eine reine Waldgruppe kam von Anja Krassa, Fachberaterin der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau. Die EKHN bietet vier solcher Betreuungsmöglichkeiten bereits in der Gemeinde Dautphetal und in der Stadt Biedenkopf an.

Holzhütte "Paula" am Weidenhäuser Sportplatz wird den Kindern als Schutzraum dienen

Bei der Suche nach einem geeigneten Standort für einen Waldkindergarten habe dann Pfarrer Axel Henß sofort die Hand gehoben, sagte Kremer. Der Bürgermeister outete sich als "begeisterter Fan" von einem Waldkindergarten: "Sobald er eröffnet ist, will ich einen Tag lang mit den Kindern spielen."

Details zur Waldgruppe und deren Betreuungskonzept stellten Henß und Kindergartenleiterin Frauke Dissars am Mittwochabend interessierten Eltern und Erzieherinnen vor. Auf einem 6100 Quadratmeter großen Areal - aufgeteilt in eine Waldfläche (4900 Quadratmeter) und eine Wiese (1200 Quadratmeter) - sollen die Kinder künftig nur mit natürlichen Materialien spielen und lernen.

Das ausgewählte Gelände befindet sich an der "Ochsenwiese" oberhalb des Weidenhäuser Sportplatzes. Eine Fachfirma wird den kleinen Buchenwald betreuen und regelmäßig pflegen. Damit soll gewährleistet werden, dass zum Beispiel keine morschen Äste herabfallen können.

Auf der angrenzenden Wiese wird ein kleine Hütte aufgestellt, die als Materiallager dient. Lässt die Witterung (zum Beispiel bei Sturm) keinen Aufenthalt im Wald zu, steht den Kindern ein Rückzugsort in unmittelbarer Nähe zur Verfügung. Dazu soll eine etwa 40 Quadratmeter große Holzhütte auf der Wiese zwischen dem Sportheim des VfL Weidenhausen und der Freizeit- und Bildungsstätte des Marburger Vereins "bsj" platziert werden.

Der Bauantrag für "Paula" - so der Name des Modells der Hütte - ist gestellt, allerdings noch nicht genehmigt. Dieser "Schutzraum" soll über eine kleine Veranda verfügen sowie mit Toilette und Waschbecken ausgestattet werden. Hier treffen sich dann auch jeden Morgen die Kinder und ihre Erzieherinnen. Sollte "Paula" zum geplanten Start des Waldkindergartens am 1. Mai noch nicht stehen, kann die Gruppe vorübergehend das Sportheim des VfL nutzen.

"Die Waldzeit ist vormittags", erklärte Frauke Dissars. Eltern können ihre Kinder zwischen 7.30 und 8.15 Uhr bringen, gegen 8.30 Uhr wird es dann einen Morgenkreis und ein Frühstück geben. Danach heißt es: "die Natur erleben mit allen Sinnen". Zwischen 12 und 12.30 Uhr können die jungen Entdecker dann wieder im Kindergarten abgeholt werden.

Eltern können zusätzlich für ihre Sprösslinge auch das Mittagessen und die Nachmittagsbetreuung bis 16.30 Uhr im "normalen" Kindergarten buchen. Die monatliche Gebühr für das neue Angebot gleicht der für die übrigen Kindergärten im Stadtgebiet - also 120 Euro für die Betreuung am Vormittag, 150 Euro für die Zeit bis 14 Uhr (plus Kosten für das Mittagessen) und 170 Euro für eine Betreuung bis 16.30 Uhr.

"Kinder aus anderen Kindergärten dürfen in die Waldgruppe wechseln", betonte Frauke Dissars. Zwei Erzieherinnen sollen künftig die Waldkinder betreuen, 80 Fachkraftstunden stehen dafür zur Verfügung. Eine Erzieherin aus dem Weidenhäuser Kindergarten hat bereits ihr Interesse bekundet, in der Waldgruppe arbeiten zu wollen. Zur Unterstützung könnten noch FSJ- und Bufdi-Stellen (Freiwilliges soziales Jahr und Bundesfreiwilligendienst) geschaffen werden.

Eine ganztägige Waldbetreuung ist in Hessen nicht erlaubt, erklärte Anja Krassa. Bei der täglichen Versorgung mit Mittagessen spiele das Gesundheitsamt nicht mit.


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