Kraft, Koordination, Technik - und Glück

SERIE Viele Mitglieder des Golfclubs Wittgensteiner Land suchen bei ihrem Sport Entspannung

Die letzten Meter sind oft die schwierigsten. Im "Übungsgreen", dessen Rasen auf 3,6 Millimeter gestutzt ist, üben Merle Hofmann (v. l.), Marietta Krenzer-Gräb und Margit Homrighausen den entscheidenden "Putt": den Ball mit viel Gefühl ins Loch zu schlagen. (Foto: Klein)

Die Rede ist von Golflöchern. Davon gibt es in Wittgenstein immer mehr, denn der Golfplatz im Bad Berleburger Stadtteil Sassenhausen wächst. Auch zahlreiche Hinterländer kommen regelmäßig über die Landesgrenze, um in einem Panorama mit weiter Aussicht zu golfen.

Es weht ein stetiges Lüftchen auf dem in knapp 600 Metern Höhe gelegenen Golfplatz. Der Wind, der auch den Flug der Bälle und damit das Schlagverhalten der Golfspieler beeinflusst, hat den Boden in den vergangenen Wochen zusätzlich ausgetrocknet. Mit dem Tempo der Verdunstung kann auch die aufwendigere Bewässerung nicht immer mithalten. Eine der Bewässerung dienende Wasserstelle ist dieser Tage sogar komplett verschwunden. Und so hat sich der mit einem Drainagesystem versehene Rasen zuletzt an einigen Stellen hellbraun gefärbt.

Begonnen hat alles vor mehr als sieben Jahren: Am 25. Januar 2008 gründete ein damals noch recht kleiner Kreis Golfbegeisterter den Golfclub Wittgensteiner Land. Rasch stieg die Zahl der Mitglieder. Die ersten Turniere wurden auf einer Neun-Loch-Anlage ausgetragen, inzwischen sind drei weitere Bahnen dazugekommen. Weitere sollen folgen. Der Zeitplan, erläutert Vorsitzender Dieter Rehberg, ist dabei von der Mitgliederentwicklung abhängig. Und die verläuft weiterhin positiv. Aktuell zählt der Golfclub etwa 315 Mitglieder. 38 davon seien in diesem Jahr eingetreten, teilt Vorstandsmitglied Sascha Jürgens, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit, mit. Einsteigen kann man im Golfclub Wittgensteiner Land bereits für 59 Euro im Monat - "und ist sofort vollwertiges Mitglied", wie Jürgens betont. Er verdeutlicht: "Es geht darum, sich auszuprobieren. Jeder golft wie er will. Und das Schöne ist: Man kann nichts falsch machen." Die "perfekte Runde" gebe es ohnehin nicht.

Was Jürgens besonders fasziniert, ist das sogenannte "Course Management": Gemeint ist der Weg zum Ziel. Wie soll der Ball mit möglichst wenigen Schlägen ins Loch befördert werden? - Eine entscheidende Frage. Denn von Beginn an auf das Loch zu zielen, sei nur etwas für Profis. Zu groß das Risiko, dass der Ball beispielsweise in einem "Bunker" landet. So werden im Golf Sandgruben bezeichnet, die Hindernisse darstellen. Liegt der Ball erst einmal in einem Bunker, ist es ungleich schwerer, ihn wieder in Zielrichtung zu befördern. Weitere Hindernisse sind die Biotope: Grünflächen, die - im Unterschied zum Golfrasen - nicht gleichmäßig gemäht, sondern vergleichsweise hochgewachsen sind. Das Course Management als Wegstrategie (insbesondere auf den letzten Metern zum Ziel) macht laut Jürgens 30 Prozent des Erfolges im Golf aus. Ebenfalls zu jeweils 30 Prozent fielen Kopfarbeit sowie "Kraft, Koordination und Technik" ins Gewicht. Der Rest-Anteil von zehn Prozent entfalle auf den Faktor "Glück".

Für Jürgens gilt das Motto: "Golf ist ein Spiel, das man nicht gewinnen kann. Man kann es nur spielen." Gründe, auf den in knapp 600 Metern Höhe gelegenen Golfplatz im Wittgensteiner Land zu kommen, gebe es genug: Die Atmosphäre. Die Natur. Die Aussicht bis ins Edertal und zur Sackpfeife. "Es ist doch herrlich hier", findet Jürgens. "Auch wenn ich zwei Stunden schlecht spiele, war ich in der Natur, und habe was für mein Herzkreislaufsystem getan." Er freut sich, dass Firmen und auch Familien vielfach die Möglichkeit zum Schnuppern nutzen.

"Man kann runterfahren", sagt Hofmann während eines Trainings im Übungsgreen

Ab 59 Euro pro Monat kann man in Sassenhausen anfangen. Dies sei ein im Vergleich zu vielen anderen Golfclubs sehr geringer Preis. Mit drin ist eine Einsteiger-Ausrüstung. "Wir sind kein elitärer Club", unterstreichen Jürgens und Rehberg. Der Golfsport solle in Wittgenstein jedem offenstehen.

Entspannung ist für Golfclub-Mitglied Merle Hofmann ein wichtiger Aspekt. Zweimal pro Woche kommt die Laaspherin nach Sassenhausen. "Man kann runter fahren", sagt sie im Gespräch mit dieser Zeitung während eines Trainings im Übungsgreen. Das Golfen unter Naturbedingungen mache ihr Spaß. Ebenso die von Mal zu Mal unterschiedlichen Herausforderungen - beim Wetter angefangen.

Merle Hofmann ist seit fünf Jahren Mitglied, hat auch schon auf anderen Golfplätzen gespielt und sich sportlich gut entwickelt, wie sie auf Nachfrage erklärt. "Man kann die Entwicklung anhand des Handicaps ersehen." Wie sich ein Spieler entwickle, sei anhand des Handicaps ersichtlich, das die Spielstärke in Zahlen angibt.

Der Golfclub stellt vier Vollzeit-Arbeitsplätze. Im vergangenen Jahr ist das Clubhaus um einen Anbau erweitert worden. Es bietet nun gut 80 Personen Platz und kann für private Veranstaltungen genutzt werden.

 

Beiträge

Der Verein setzt auf eine differenzierte Beitragsstruktur: Vollmitglieder zahlen 750 Euro im Jahr zuzüglich einer einmaligen Investitionsumlage von 500 Euro, die in die Entwicklung des Golfplatzes fließt. 430 Euro beträgt der Jahresbeitrag für Zweitmitglieder, 280 Euro für Schüler, Studenten und Azubis bis 27 Jahre, 60 Euro für Kinder und Jugendliche von zwölf bis 16 Jahren. Kinder unter zwölf Jahren golfen beitragsfrei.

Weitere Informationen finden Sie auf: www.golfclub-wittgensteiner-land.com


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