Krebspatienten unterstützen

LICHTBLICK Marburger Verein startet neues Projekt / Freiwillige helfen im Alltag
Christiane Schmitt (l.) und ...

"Ich weiß, wie hilflos und schlecht man sich fühlt", sagt Hans Junginger. Er ist einer von 21 Freiwilligen, die sich engagieren möchten. Knapp vier Jahre ist es her, da hat er selbst die Diagnose Krebs bekommen und ist "ganz tief unten" gewesen. Sich aus eigener Erfahrung in die Ängste der Betroffenen einfühlen zu können - das ist sein persönlicher Zugang.

Gute Resonanz: 21 Menschen aus Mittelhessen stehen in den Startlöchern

Roselind Bornmann kennt eine andere Seite der Erkrankung. Sie hat während ihres Arbeitslebens als Krankenschwester auch mit Chemotherapiepatienten zu tun gehabt - damals aber nicht die Zeit, sich den Menschen wirklich zu widmen. Nun, da sie in Rente ist, möchte sie genau das tun. "Zuhause sitzen ist ja auch nicht das Wahre", so die 69-Jährige.

Die Motivation für ihr Engagement ist ebenso unterschiedlich wie die Persönlichkeiten der Freiwilligen. Und vom emeritierten Professor bis zum Lehrer, von der Bürokraft bis hin zur Heilpraktikerin sind auch die verschiedensten Berufe vertreten. Mit so viel Resonanz hätten die Initiatoren selbst kaum gerechnet. 27 Menschen haben sich beim Verein gemeldet und Interesse an dem Projekt bekundet. 21 von ihnen stehen nun in den Startlöchern: 15 Frauen und sechs Männer, die Jüngste 28, die Älteste 69. Sie kommen aus Marburg, Kirchhain, Frankenberg, Stadtallendorf und Butzbach.

Die Freiwilligen wurden in zwei Weiterbildungen speziell geschult, erläutert Anne Poser vom Verein "Leben mit Krebs". Das Projekt soll sich zunächst auf Patienten konzentrieren, die sich einer Chemotherapie unterziehen. Wenn ein entsprechender Bedarf da sei, könnte das Angebot später aber auch ausgeweitet werden, so Poser. Ein Weiterbildungsblock war auf das Thema Krebs und Chemo konzentriert, damit die Freiwilligen zum Beispiel etwas über Wirkungen und Nebenwirkungen sowie wichtige medizinische Begriffe lernen. "Jeder muss auch über Hygiene Bescheid wissen", erklärt Anne Poser.

Der zweite Schwerpunkt lag auf der Kommunikation. Themen wie die Selbst- und Fremdwahrnehmung oder Nähe und Distanz sind wichtig im Besuchsdienst. Und damit am Ende nicht die Psyche der Freiwilligen leidet, sind regelmäßige Treffen im Verlauf des Projekts geplant, um sich miteinander auszutauschen.

Die Freiwilligen übernehmen weder hauswirtschaftliche noch pflegerische Tätigkeiten. "Das ist kein Angebot für Palliativpatienten", betont Christiane Schmitt vom Verein "Leben mit Krebs". Es geht um Hilfen im Alltag, ganz nach den jeweiligen Wünschen und Bedürfnissen des Betroffenen. Einmal pro Woche etwa zwei Stunden sind eingeplant - und das ist bis auf eine Beteiligung von zehn Euro pro Monat für die Fahrtkosten der Freiwilligen kostenlos für die Chemopatienten. Vielleicht möchte jemand, dass ein Freiwilliger mit ihm einen Spaziergang macht, den Einkauf übernimmt oder auf das Kind aufpasst. Oder einfach mal mit ihm redet.

Viele Menschen, die mit der Diagnose Krebs leben müssen, haben Angst, Familie oder Freunde mit ihren Gefühlen und Gedanken zu belasten und tun sich deshalb leichter, mit einem Fremden zu sprechen, wissen die Mitarbeiter des Vereins. Immer mehr Menschen leben aber auch allein und haben niemanden, mit dem sie sonst sprechen könnten.

Um abzuschätzen, ob die Chemie stimmt, soll zunächst ein Gespräch mit dem Interessenten und Freiwilligen stattfinden. Es gibt Fragebögen für beide und nach einem gemeinsamen Kennenlernen mit einem Verantwortlichen aus dem Projekt kann dann der erste Besuch als "Probelauf" starten.

Das wichtigste Ziel sei eine Entlastung, die Situation zu entzerren, sagt Christiane Schmitt - für den Betroffenen selbst wie auch für sein Umfeld. Keiner solle sich scheuen, dieses Angebot anzunehmen: "Es geht nicht darum, dass man schwer hilfebedürftig sein müsste", so Schmitt. Man dürfe sich zum Beispiel auch einfach mal den "Luxus" gönnen und mit dem Mann shoppen gehen, während ein Freiwilliger auf das Kind aufpasst.

Interessenten können sich an den Verein "Hilfe bei Krebs Marburg" wenden unter Telefon (0 64 21) 16 26 25 oder Handy (01 52) 33 77 39 65.

Auch auf dem elektronischen Wege ist eine Kontaktaufnahme möglich: bei www.lebenmitkrebs-marburg.de oder gleich per E-Mail unter projektlichtblick(at)web.de.

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Copyright © mittelhessen.de 2013
Dokument erstellt am 02.01.2013 um 14:27:00 Uhr
Letzte Änderung am 03.01.2013 um 08:52:31 Uhr
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