Musikalische Weltenwanderer

DEBÜT Biedenkopfer Sascha Erhardt und Jens Schefzig starten Musikprojekt "Eckhaus"

Elektro trifft Rap: So sieht ein fertiger Song des Musikprojekts "Eckhaus" aus. (Foto: Röder)

Sascha Erhardt (Foto, links), beziehungsweise der Rapper Divide, ist ein Teil des "Eckhaus"-Musikprojektes. Jens Schefzig (rechts) ist in der elektronischen Musik zu Hause: 2000 gründete er "Klopfgeister". Jetzt ist er eine Hälfte von "Eckhaus". (Fotos: privat)

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Sascha Erhardt und Jens Schefzig wirken zufrieden. Die beiden sitzen in Schefzigs Studio in Biedenkopf. Hier sind die bisherigen Songs und Songfragmente für "Weltenwanderer" entstanden - meist ganz spontan. Die beiden Musiker kennen sich noch nicht lange. Erstmals getroffen hat man sich im Sommer vergangenen Jahres. "Das war auch eher Zufall", sagt Schefzig. Doch wie es der Zufall so wollte, entstand schon sehr bald ein eigenes Musikprojekt: "Eckhaus".

"Es hat halt musikalisch einfach gepasst", sagt Erhardt. "Jens und ich, das ist die perfekte Symbiose." Eigentlich eigenartig, kommen die beiden Künstler doch aus den unterschiedlichsten Genres. Erhardt hat früher harten Metal gespielt, aktuell bringt er als Rapper Divide Hip Hop und Rap mit Botschaft und sozialkritischen Texten ins Hinterland (diese Zeitung berichtete).

Schefzig hingegen kommt aus der Techno- und Elektro-Ecke. 2000 gründete er mit einem Kumpel das Progressive-Trance-Projekt "Klopfgeister". Zehn Jahre lang machten die beiden zusammen Musik, tourten um die Welt, veröffentlichten diverse Alben und EP's. "2010 brauchte ich eine Pause", blickt Schefzig zurück. "Ich hatte einfach keine Lust mehr auf Musik."

Gerade die zunächst gegensätzlich erscheinende musikalische Prägung sei positiv für das Projekt Eckhaus, meinen beide. "Es ist eine coole Mischung. Ich denke, wir inspirieren uns musikalisch regelrecht gegenseitig", sagt Erhardt. Schefzig ergänzt: "Ich hätte nie gedacht, dass hier mal so etwas entsteht."

Und das, was entstanden ist, ist wahrlich eine ganz eigene Mischung. Der Sound und die Beats tragen unverkennbar Schefzigs Handschrift. Wummernde Bässe, treibende Rhythmen. Viele der bisher entstandenen Tracks sind tanzbar, eignen sich für den Club und den Dancefloor. Gepaart wird dies mit Erhardts Stimme, die reimt und flowt, wie man es von seinem Hip-Hop-Alter-Ego Divide kennt.

"Wir legen uns bewusst keine Grenzen auf und wollen uns nicht limitieren", sagt Sascha Erhardt

Auch die Texte schlagen in eine ähnliche, wenn auch nicht die identische Kerbe. Eckhaus’ Zeilen sind teils sozialkritisch und prangern Missstände an ("Konsum-Terroristen"), doch auch ein ganz eigener Humor kommt nicht zu kurz. Bei "Julius Cäsar" etwa fantasiert Erhardt augenzwinkernd darüber, wie es wäre, als Herrscher zu regieren. "Manche der Texte, etwa der von "Julius Cäsar", entstehen einfach so. Die Idee zu anderen wiederum trage ich schon jahrelang mit mir herum", erklärt Erhardt die Herangehensweise an die Lyrics.

"Nachdem wir ein bisschen zusammen gejammt haben und die ersten Songs aufgenommen hatte, stand schon sehr bald fest, in welche Richtung es musikalisch gehen soll", sagt Schefzig. Eine komplett einheitliche Linie verfolgt das Duo mit "Weltenwanderer" allerdings nicht - neben einem harten Brecher wie "F*ck die Welt" kann somit auch das nachdenkliche "Nordlicht" stehen. Das verbindende Element ist die Unterschiedlichkeit - wie es auch im Titel "Weltenwanderer" anklingt. "Wir legen uns bewusst keine Grenzen auf", so Erhardt. Bewusst werden Genregrenzen aufgebrochen und etwas eigenes geschaffen. "Dennoch wird am Ende ein durchgängiger Fluss, ein roter Faden vorhanden sein", verspricht Schefzig. Eine bestimmte Zielgruppe möchte man nicht ansprechen - da ist sich das Duo einig. "Wir wollen uns nicht limitieren."

Und verbiegen möchten sich die beiden auch nicht, nur um in irgendeine Genrebezeichnung zu passen. "Musik muss immer aus dem Herzen kommen", ist sich Erhardt sicher. "Das ist der Grundsatz, den ich mit Divide und Eckhaus verfolge. Ich will einfach das ausdrücken, was ich fühle."

Der erste Eckhaus-Song, "Planet Nostalgie", ist bereits komplett fertig - repräsentativ für das Album ist er nicht, so viel sei bereits verraten; zu vielschichtig ist das Gebotene. Von den anderen Tracks, die auf der ersten großen Veröffentlichung enthalten sein sollen, sind viele schon komplett fertig gemischt. Der Release von "Weltenwanderer" ist für die erste Jahreshälfte geplant. "Wir müssen schauen, wie schnell wir fertig werden", sagt Schefzig. Nicht ausschließen wollen die beiden Biedenkopfer Musiker, dass man mit Eckhaus auch live auftreten könnte. Das Potenzial ist definitiv da.

 

NEUES MUSIKVIDEO VON DIVIDE

Sascha Erhardt alias Divide ist neben dem „Eckhaus“-Projekt auch Solo weiterhin aktiv. Aktuell hat er ein Video zu der Doppel-Single „Internationale Immigranten/ Heute Freund Morgen Feind“ veröffentlicht. „Wir sind extra nach Paris gefahren, um dort Material für das Video zu drehen“, sagt Erhardt. „Mich reizt das internationale Flair in der Stadt.“ Nach den Anschlägen in Frankreichs Hauptstadt im vergangenen Jahr, merke man noch heute, dass die Menschen dort unter Schock stehen. „Schwer bewaffnete Polizisten patrouillieren beispielsweise an den Sehenswürdigkeiten“, erzählt der Biedenkopfer Musiker. (crö)

DIVIDE - Internationale Immigranten/ Heute Freund Morgen Feind


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