
Generationen von Hinterländer Jugendlichen hat er das Tanzen beigebracht, manchem auch das, was man gemeinhin unter "gutem Benehmen" versteht, denn ein bisschen Kultur war neben Walzer, Foxtrott und Samba-Schritt in den Tanzstunden auch stets dabei. 1948, die Menschen waren nach entbehrungsreichen Kriegsjahren geradezu süchtig nach Unbeschwertheit, hatte Müller begonnen, im Hotel Balbach am Marktplatz das Tanzen zu unterrichten, später fanden die Stunden im Hotel Duchmann und im Berggarten statt.

Danach legten die Eleven im Bürgerhaus Biedenkopf die erste Sohle aufs Parkett. Ihr Lehrer scheute keine Mühen, den Schulungsort zu erreichen: "In den Anfangsjahren war ich bei Wind und Wetter noch mit der NSU Quick unterwegs" erinnerte sich Müller, als er anlässlich seines 80. Geburtstages die Redaktion besuchte.
"Den Plattenspieler hatte ich im Rucksack, ein paar Schellackplatten obendrein, Tanzhose und -schuhe steckten in einer Aktentasche, die um den Hals hing." Da sei die Anschaffung des ersten Autos, eines DKW Baujahr 1934, schon ein gewaltiger Schritt nach vorn gewesen. Nur, dass das Gefährt bei winterlicher Fahrt über die Sackpfeife regelmäßig mit kochendem Kühler liegen blieb, bremste den begeisterten Tänzer regelmäßig vorübergehend aus.
Viele der älteren Hinterländer werden den "Scherbel-Rudi" noch lebhaft in Erinnerung haben. Werden dieser Tage an Episoden, Anekdoten, Geschichten zurückdenken, die sie in seiner Tanzschule erlebt haben. Und werden bestätigen: "Tanzen war sein Leben".







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