Unbekannte beschädigen Haus des AfD-Schatzmeisters

POLIZEI   Parole aus Hauswand weist auf politisch motivierte Tat / Kreissprecher spricht von "lichtscheuem Gesindel"

„Keine Ruhe der AfD!“ haben Unbekannte an die Hauswand des AfD-Schatzmeisters im Landkreis gesprüht. (Foto: privat)

Gegen 0.55 Uhr wurden seine Frau und er nach eigenen Worten durch drei massive Schläge wach. Zunächst vermuteten sie, Ziegel könnten vom Dach gefallen sein. Der Eckelshäuser machte sich auf den Weg, um nach dem Rechten zu sehen. Bereits im Haus sah er, dass mehrere Türscheiben eingeschmissen worden waren. Auf der Treppe vor dem Gebäude nahm er zunächst den Geruch von Sprühfarbe wahr und entdeckte dann den Spruch "Keine Ruhe der AfD" auf der Hauswand. "Die Täter waren weg, ehe wir richtig bemerkten, was los war", berichtet Wiesenborn auf Nachfrage des HA.

Am Fahrzeug seiner Frau, das vor dem Anwesen stand, demolierten die Unbekannten die Scheiben auf der Fahrerseite sowie die Heckscheibe. Noch in der Nacht verständigte Jörg Wiesenborn die Biedenkopfer Polizei. "Möglicherweise haben Anwohner zur Tatzeit Lärm wahrgenommen und können nähere Angaben zu verdächtigen Personen oder Fahrzeugen machen", schreiben die Beamten in ihrem Bericht.

Jörg Wiesenborn, der seit Juli 2013 Mitglied der AfD ist, hat nach eigenen Wort im Vorfeld der Tat weder Drohbriefe noch -anrufe bekommen. "Wenn mir das gestern Abend jemand gesagt hätte", meinte er gegenüber dem HA, "dem hätte ich gesagt. ,Komm mal runter, wir leben hier auf dem Dorf‘".

AfD: "Linksextreme Faschisten"

Die AfD Marburg-Biedenkopf äußerte sich in einer Pressemitteilung zu dem Vorfall und bezichtigte "linksextremistischen Faschisten" der Tat. Ziel des "lichtscheuen Gesindels" scheine zu sein, "eine Spur der Bedrohung und Einschüchterung zu hinterlassen". Der Kreisvorsitzende Eric Markert forderte eine  eine klare Stellungnahme und Verurteilung der Taten durch die politischen Mitwerber der AfD. Denn die Verfolgung und Bedrohung politisch Andersdenkender sei nicht mehr weit entfernt von den Zuständen in 1933.

Das Staatsschutzkommissariat hat die Ermittlungen übernommen. Hinweise nimmt die Kripo Marburg unter Telefon (0 64 21) 40 60 entgegen.

Demokraten kämpfen mit Argumenten

Am Abend verurteilten Hessens Finanzminister Thomas Schäfer und Eckelshausens Ortsvorsteher Siegfried Engelbach (beide CDU) auf Facebook die Tat. "Freiheit ist immer auch die Freiheit des Andersdenkenden", schrieb Schäfer, das  müsse das das Motto politischer Auseinandersetzungen sein und bleiben. Er finde die Positionen der AfD auch immer wieder "unerträglich". Aber: "Demokraten kämpfen dagegen mit der Kraft des Arguments und nicht mit eingeworfenen Scheiben oder beschmierten Hauswänden." Im Rechtsstaat gebe es keine politisch legitimierten Straftaten.

"Es ist für mich unerklärlich, wie jemand für sich das Recht in Anspruch nehmen kann, politisch anders Denkende mit Gewalt, Drohungen und Einschüchterungen von ihrer Meinung abbringen zu wollen", schrieb Siegfried Engelbach. Er wolle in keiner Weise das Gedankengut der AfD gutheißen, so der Christdemokrat, die politischen Positionen der AfD seien ihm suspekt und Äußerungen von Mitgliedern im Bundesvorstand zutiefst widerlich. "Aber genauso widerlich ist es, Gewalt gegen ein Mitglied dieser Partei hier vor Ort auszuüben", schrieb der Ortsvorsteher. Die Waffen der Demokraten seien das Wort und das Argument, damit erfolge die Auseinandersetzung in der Demokratie. Engelbach: "Ich rufe alle Demokraten auf, gemeinsam und vereint gegen Gewalt und Einschüchterung einzustehen. Ganz gleich ob diese von links, von rechts, von oben oder unten kommt." (bün)


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