Von Rittern, Räubern, Legenden

777-JAHR-FEIER "Schauspiel der Geschichte" in Buchenau zieht 800 Besucher in den Bann

Eine Station im "Schauspiel der Geschichte" ist der Grenzgang.

Eine Station im "Schauspiel der Geschichte" sind die in Flammen stehenden Burgen Hollende und Hohenfels.

Eine Station im "Schauspiel der Geschichte" ist der Besuch der Buchenauer beim Großherzog.

1772 nahmen die Buchenauer Abschied von ihrem geliebten Pfarrer Krusemann. (Foto: Valentin)

Siegfried Immel als Bürgermeister Schwenze Lenz. (Foto: Valentin)

S’Dottche erzählt so manche gruselige Geschichte, die den Schwarzwäldern das Blut in den Adern gefrieren lässt. (Fotos: Valentin)

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Fast 50 Darsteller nahmen das Publikum an den beiden Aufführungsabenden mit auf einen Streifzug durch die eigene Vergangenheit. Schon im Vorfeld war die Inszenierung mit Vorschusslorbeeren bedacht worden. Und das zu Recht, wie sich bei der Premiere am Donnerstagabend herausstellte.

Die Theatergruppe, die vor drei Jahren bereits mit "Voases 80. Geburtstag" begeisterte, lieferte eine Theaterperle ab, die den Zuschauern noch lange in Erinnerung bleiben dürfte. Allein die Idee, das Stück auf die eigens dafür hergerichtete Freilichtbühne Appenhausen zu verlegen, erwies sich als richtig. Das Open-Air-Gefühl sorgte für eine Stimmung, wie sie keine Bühne im Bürgerhaus geboten hätte.

Aufhänger für die Geschichte war der Besuch eines Pärchens aus dem Schwarzwald, das 1952 versehentlich in den falschen Zug gestiegen und so in Buchenau gelandet war. Dort wurden die beiden von der Voase, Dottche und Luische am Hauptbahnhof in Empfang genommen. Sie breiteten vor den Fremden mal eben die gesamte Buchenauer Dorfgeschichte aus.

Wie es bei guten Alten so ist, vermischten sich dabei schon mal Wahrheit und fantasievolle Ausschmückung ein wenig miteinander, warnte Julia Schmidt die Zuschauer vor. Sie hatte das Stück zusammen mit Alexander Muth geschrieben.

So erfuhr das Publikum etwa, dass die Buchenauer Steinzeitmenschen nicht nur Spanferkel mochten, sondern nebenbei auch das Rad erfunden haben, und dass Emanzipation eine Nervenkrankheit ist.

Der Grenzgang darf bei dem munteren Streifzug durch die Ortsgeschichte natürlich nicht fehlen

Wahre Begebenheiten flossen in den munteren Streifzug durch die Geschichte ebenfalls ein. Darunter etwa der gebrochene Schwur der Raubritter vom Hohenfels gegenüber Sophie von Brabant, die daraufhin deren Burg abfackeln ließ. Oder der große Brand des Pfarrhauses in den 40er Jahren des 18. Jahrhunderts und der verzweifelte Versuch der Buchenauer, beim Großherzog in Darmstadt einen unliebsamen Pfarrer abzusetzen.

Episodenhaft beleuchtete das Ensemble so typische Schlaglichter der Buchenauer Geschichte, die als Legenden teilweise bis heute erhalten sind - wie die vom "Buchenauer Grit und dem Jägersmann" oder dem Jungfernborn und dem Osterwasser, dem heilende Wirkung nachgesagt wird. Auch die Nachbarn kamen bei dem Ausflug in die Vergangenheit nicht ungeschoren davon. So berichtete das Ensemble vom ersten Zug, der 1883 nach Biedenkopf gefahren und dabei prompt in eine Schafsherde gerauscht ist - und das nur, weil die "Birreköpper" nicht wussten, dass ein Zug keine Kurven fahren und ausweichen kann.

Was mit einer Erzählung aus der Steinzeit begonnen hatte, gipfelte in einem Grenzgang. Höhepunkt des Schauspiels war nämlich der erste Grenzgang nach dem Krieg in 1952, den alle Beteiligten an der Inszenierung zusammen mit Mohr, Wettläufern und Bürgeroberst standesgemäß feierten und so auch das Dorffest einleiteten, das die Buchenauer an diesem Wochenende feiern.

Los geht es am Samstag um 17 Uhr mit einem kleinen Kommers in der Dorfmitte. Daran schließt sich ein Dorfabend mit den Original Biebertaler Musikanten an. Am Sonntag geht es um 10 Uhr mit einem Gottesdienst auf der Wiese neben der Kirche weiter, bevor die 777-Jahr-Feier am Nachmittag langsam ausklingt.


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