Wetter kommt Narren in die Quere

ABSAGE  Marburger Rosenmontagsumzug fällt kurzfristig aus / Neuauflage im März?

Abgesagt: In Marburg findet in diesem Jahr kein Rosenmontagsumzug statt. (Foto: Archiv)

„Das war eine ganz schwierige Entscheidung, weil wir lange auf diesen schönen Abschluss hingearbeitet haben. Am Ende war aber die Angst zu groß, dass jemandem etwas passieren könnte . Da will ich als Präsident auch nicht meinen Kopf hinhalten“, erklärte Markus Braun, vom Festausschusses Marburger Karnevals (FMK) am Morgen im Gespräch mit dieser Zeitung.

Nach Abwägung der Wetterlage beschlossen die Veranstalter gemeinsam mit der Marburger Feuerwehr, der Polizei und dem Ordnungsamt, die Veranstaltung aus Sicherheitsgründen abzusagen.

Im Afföller Gemeindehaus findet kurzfristig eine Karnevalsparty im Trockenen statt

Besonders bitter: Nach starken Regenfällen und böigem Wind am Morgen und am Mittag meldete sich die Sonne in Marburg pünktlich zur ursprünglichen Startzeit zurück. Nicht über die Bühne ging der Umzug zum letzten Mal im Jahr 1991– damals aufgrund des Zweiten Golfkriegs: Als der irakische Diktator Saddam Hussein in Kuwait einmarschierte, fiel das närrische Treiben in ganz Deutschland aus. Einzig zwölf Monate zuvor war der Marburger Karneval schon einmal dem Wetter zum Opfer gefallen. Danach riefen die Organisatoren um Adi Ahlendorf den Umzug erst im Jahr 2000 wieder ins Leben.

Die Laune ließen sich die Närrinnen und Narren am Montag aber nicht verderben. Zwar bevölkerten am frühen Nachmittag nur wenige Menschen die Innenstadt. Statt auf der Universitätsstraße fiel der Startschuss um 13.33 Uhr allerdings auch im Trockenen. Im Afföller Gemeindehaus, dem ursprünglichen Ziel des Umzugs, fand kurzfristig eine bunte, launige Karnevalsparty statt.

Mit an Bord waren auch zahlreiche Kinder und Jugendliche. Schon vor der Absage lag eine Befreiung vom Unterricht im Ermessen der Schulleitungen. „Das haben wir toleriert und auch nach der Absage des Umzugs nicht zurückgenommen“, erklärte Schulamtsdirektor Burkhard Schuldt. Auch zahlreiche Geschäfte in der Innenstadt blieben am Nachmittag geschlossen.

Auf die Straße zog es bundesweit nur wenige Freunde des närrischen Treibens: Während die Veranstalter die Umzüge in Mainz, Düsseldorf und Hagen absagten, trotzten die feierwütigen Lindwürme in Köln und Fulda dem Unwetter und schlängelten sich durch die Stadt. Allerdings mit erheblichen Auflagen: Am Rhein fehlten die Fahnenschwenker, große Figuren und rund 500 Pferde, in der Barockstadt waren keinerlei Wagen mit an Bord.
Ganz auf ihren Umzug verzichten müssen vielleicht auch die Marburger Karnevalsfreund nicht. “Das Brauchtum sagt zwar , dass am Aschermittwoch eigentlich Schluss ist. Es gibt aber Überlegungen, im März einen Umzug zu veranstalten“, verriet FMK-Präsident Braun.

Sollten diese alternativen Planungen nicht in die Tat umgesetzt werden, sei es laut Braun auch eine Option, das zahlreiche Wurfmaterial an gemeinnützige Zwecke zu spenden. Glückliche Gesichter dürfte es also am Enso oder so geben.


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