Erfahrungsbericht einer Waldwichtel-Mama

Die Waldwichtel waren unterwegs. (Foto: Schindler)
Die Waldwichtel waren unterwegs. (Foto: Schindler)
Die Waldwichtel waren unterwegs. (Foto: Schindler)
Die Waldwichtel waren unterwegs. (Foto: Schindler)
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Meine Tochter hat in den vergangenen drei Jahren die Waldgruppe des Kindergarten Pusteblume (bestehend aus 25 Kindern) in Waldsolms besucht, die an zwei Tagen in der Woche bei (fast) jedem Wetter ihre Vormittage im umliegenden Wald verbrachten. Das war für uns eine ideale Mischung aus 3 Tagen in der Kindertagesstätte und 2 abwechslungsreiche, naturverbundene Tage im Wald.

Zur Grundausstattung gehörten hier wasserdichte Kleidung, gute Schuhe, im Winter eine kleine Thermoskanne und robuste Handschuhe, wobei wir gerade hiervon so einige verschlissen haben.

Meine Große hat während dieser Zeit viel gelernt über die heimische Tier- und Pflanzenwelt und ich habe manchmal von meiner Tochter beigebracht bekommen, wie die Pflanzen heißen oder wie man Brennnesseln streichelt, ohne dass es brennt. Manchmal war mir das ein bisschen peinlich...

Sie hat außerdem gelernt, der Natur mit Respekt zu begegnen, also keinen Müll im Wald zurück zu lassen oder nicht aus einer Laune heraus die Blätter von den Bäumen oder Büschen zu reißen. Die Gruppe hatte verschiedene Plätze zum spielen zum Beispiel einen besonders sonnigen Platz oder das eingerichtete "Waldsofa". Hier wurde unter anderem eine Seilschaukel aufgehängt und dank elterlicher Mitarbeit ein umliegender Holzstamm zum Zug umfunktioniert. Zum Schutz bei besonders schlechtem Wetter wurde eine Plane in den Bäumen befestigt und ab und zu schaute auch der heimische Förster mal bei den Waldwichteln vorbei, um nach dem Rechten zu sehen und den Kindern von seiner Arbeit zu berichten.

Im Laufe des Vormittags blieb aber auch genug Zeit für das freie Spielen, das heißt sich selbst beschäftigen mit den vorhandenen Gegenständen wie Laub, Steine oder Stöcke und seiner Fantasie freien Lauf zu lassen. Außerdem wurden auch die im Kindergarten begonnenen Themen weiter bearbeitet, zuletzt ging es um das Leben und Aussehen der Indianer. An den Waldtagen wurde ein Tippi gebaut, ein Totem errichtet und mit selbstgemachter Indianerschminke wurde gegenseitig die Stammesbemalung aufgetragen. Dem besonderen Engagement der Erzieherinnen ist es zu verdanken, dass die Kinder zweimal von einer Indianerfrau besucht wurden. Sie berichtet aus dem harten Leben der Indianer und die Kinder hörten ihr gebannt zu. Jedes Kind bekam außerdem einen oftmals sehr passenden, indianischen Namen wie zum Beispiel kuschelnder Hase oder schneller Wind.

An manchen Tagen, wenn es besonders kalt oder regenreich war, hat mich das schlechte Gewissen den Vormittag über begleitet und die Frage: Sitzt sie im Wald und friert?!

Weit gefehlt! Meine Tochter empfing mich mittags mit roten Backen, warmen Händen und Füßen, und berichtet mit leuchtenden Augen, wie oft sie an einem Januarvormittag den nahen Wasserbehälter mit ihrem Poporutscher herunter gesaust war! Und auf meine Frage an einem anderen Tag, ob der Regen nicht gestört hätte, meinte sie nur: "Mama, ich bin doch ein Waldkind, mir macht das nix aus!!"

Das Frühjahr oder der Herbst stellten für mich, mein Auto und auch die Waschmaschine nochmal eine besonders harte Zeit dar. Dann kamen die Wichtel nämlich oftmals dreckig von Kopf bis Fuß (und das nicht nur sprichwörtlich! ), mit einer schmierig, braunen Matschschicht versehen aus dem Wald. Große Handtücher lagen dann immer zum Schutz in meinem Auto und ich habe meine Tochter zu Hause noch VOR der Tür bis auf die Unterwäsche ausgezogen! Die Matschhosen und Schuhe wurden zum Trocknen aufgehängt, ehe die Kleidung dann - NACH entfernen der großen Dreckklumpen - den direkten Weg in die Waschmaschinen fand.

Mein Fazit nach diesen Jahren als Waldwichtel-Mama ist aber durchweg positiv.

Es hat meiner Tochter nicht geschadet, an kalten oder nassen Tagen für ein paar Stunden draußen zu sein, sich richtig dreckig zu machen und ihre Kondition zu trainieren. Sie hat viel gelernt in dieser Waldzeit, von der sie hoffentlich noch lange profitieren wird. Denn auch ihr kleiner Bruder ist nun ein begeisterter Waldwichtel!
Und ich bin seehr froh, dass ich diese Wäscheberge nicht wie früher mit der Hand waschen musste, denn das hätte ich sicher nicht geschafft!


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