160 Rechte marschieren in Wetzlar

KUNDGEBUNG Rechtsextreme reisen per Bahn an / Polizei muss Antifa-Blockade auflösen

Melanie Dittmer: Sie stammt aus Nordrhein-Westfalen, wurde in der Organisation der Demo von der NPD unterstützt. (Foto: Wingender)

Sie stehen im Nieselregen in der Bahnhofstraße, umringt von Polizisten, die die Kundgebung absichern. Kurz vor 19 Uhr trifft eine große Gruppe von Rechten per Bahn in Wetzlar ein, die die Polizei im Raum Dortmund, dem Siegerland und dem Raum Herborn verortet.

Vor den Coloraden dröhnt laute Musik aus Boxen. Rundherum haben sich die Teilnehmer der Demo versammelt. Darunter sind auch Personen, die die Polizei der Neonazi-Szene zuordnet, außerdem ganz vorne NPD-Leute aus Mittelhessen. Melanie Dittmer, die der "Identitären"-Bewegung in Nordrhein-Westfalen angehört, ergreift als erste das Mikro, verliest die Auflagen, die Ordnungsamt und Polizei gemacht haben. Keiner solle sich von Gegendemonstranten oder Fotografen provozieren lassen. "Sonst gibt es genau die Bilder, die die haben wollen."

Sie kündigt Viktor Seibel als ersten Redner an, er gehört zu Pegida in Kassel, stellt sich als Russlanddeutscher vor. Er hat wie alle anderen Redner nur ein Thema: Flüchtlinge. Er spricht von einem "nationalen Notstand", Merkel sei nicht mehr in der Lage, für Ordnung zu sorgen. Er spricht von einer "Kasperpolitik", berichtet von Prognosen, denenzufolge im Jahr 2020 16 Millionen Flüchtlinge in Deutschland lebten. "Wie soll ein Flüchtling, der nicht mal unsere Sprache spricht, eine Bereicherung sein?"

Merkel solle vor ein "Volkstribunal"

"Heute Paris, morgen Berlin" steht auf einem Schild, am Auto der Organisatoren, es hat tschechische Kennzeichen, hat Dittmer eine französische Fahne befestigt. "Merkel muss weg", brüllen immer wieder Leute. Ein junger Mann schimpft auf Bereitschaftspolizisten, die am Rand stehen: "Und die werden mit unserem Steuergeld bezahlt!" Weitere Redner treten auf, über eine Stunde lang dauern die Ansprachen. Einer fordert, Merkel müsse vor ein "Volkstribunal". Erst nach 20 Uhr formiert sich die Gruppe zum Protestzug.

Wenige Meter weiter stehen auf dem Buderusplatz Polizisten einer Gruppe von Antifa-Leuten mit Transparenten gegenüber. Sie blockieren die Straße, wollen die Rechten nicht durchlassen. In der Brückenstraße stellen sich Hundeführer der Polizei auf, schließlich wird die Blockade aufgelöst.

Mit Fackeln zieht die Gruppe schließlich am späten Abend über Karl-Kellner-Ring und Langgasse in die Altstadt bis zum Eisenmarkt, über die Hausertorstraße zurück. Größere Zwischenfälle registrierte die Polizei bis zum Redaktionsschluss nicht. In der Nacht zum Samstag hatten Unbekannte am Hausertor einen Antifa-Slogan an die Wand gesprüht - an Melanie Dittmer gerichtet. (diw)


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