31-Jähriger gesteht Mord an Oma

SCHWURGERICHT LIMBURG Wetzlarer nennt Rache als Motiv für seine Tat
Timo B. verdeckte sein Gesicht ... | Foto: Fluck

Timo B., der seit seiner Festnahme am 27. Oktober 2012 in einer psychiatrischen Klinik ist, hatte mit der Großmutter in Wetzlar-Blasbach unter einem Dach gelebt und die Frau in der Nacht zum 26. Oktober getötet.

Die Frau wohnte im Stockwerk über ihm. Laut Anklage schlich sich B. in ihr Schlafzimmer, schlug ihr im Dunkeln mindestens acht Mal mit der Faust ins Gesicht und würgte sie. Dann stach er mit der 15 Zentimeter langen Klinge eines Messers etwa 35 Mal auf Kopf und Oberkörper der sich wehrenden Frau ein, allein vier Mal ins Gesicht. Er durchtrennte ihre Kehle, verschloss das Schlafzimmer, packte seine Sachen und legte sich in seiner Wohnung schlafen. Abends wurde er auf der Flucht, im Pkw des Großvaters, am Bahnhof Neuwied festgenommen.

Auf Befragen des Gerichts sagte er, dass er nach der Tat Licht eingeschaltet und die Großmutter zugedeckt habe. "Es war ein grässlicher Anblick. Es tut mir leid, ich habe es zutiefst bereut, aber keine Macht der Welt kann es rückgängig machen", sagte Timo B. und ergänzte: "Hätte ich nicht dort gewohnt, wäre nichts passiert."

Als Motiv nannte er Rache. Er sei davon ausgegangen, dass ihm seine Oma heimlich Maden ins Essen und in Getränke mische, die er in Körper gespürt habe. Außerdem habe ihn die 81-Jährige zwei Jahre lang gemaßregelt, Fernseher und Musik leiser zu stellen, und ihm wiederholt mit Kündigung der Wohnung gedroht.

Der Staatsanwalt sprach von einer heimtückischen, grausamen Tat, die der Angeklagte im Zustand verminderter Schuldfähigkeit begangen habe. Für den 31-Jährigen komme eine dauerhafte Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus in Frage.

"Das mit den Maden war ein Irrtum von mir", sagte er am Montag. Seit Frühjahr 2005 habe er Tablette genommen. Diese hätten ihn aber müde gemacht, er habe immer Hunger hatte und stark zugenommen. Daher habe er die Medikamente mit ärztlicher Zustimmung im Frühjahr 2012 abgesetzt. Die Aufforderung seiner Eltern, sie wieder einzunehmen, habe er nicht befolgt.

Sodann stellte sich bei ihm das Gefühl ein, dass in Kopf, Wirbelsäule, Herz und Magen kleine Würmer krabbeln. Dass mit den Maden hat seinen Ursprung beim Großvater, einem Angler, der vor einem halben Jahr starb. Er soll Dosen mit Maden, die er als Köder verwendete, auf und im Kühlschrank der Oma aufbewahrt haben.

Staatsanwalt ist für die dauerhafte Unterbringung in der Psychiatrie

Zweimal begab sich der junge Mann in Kliniken nach Wetzlar und Braunfels, ließ sich von Kopf bis Fuß untersuchen - ohne Befund. Seit seiner Unterbringung nimmt er wieder Medikamente.

Der 31-Jährige bezeichnete sich als Einzelgänger, der sich von den Nachbarn seiner Eltern gehänselt fühlte und ihnen "böse Wörter" zurief. Weil er nicht aufnahmefähig gewesen sei, habe er häufig in der Schule gestört, auch randaliert, so dass er für 18 Wochen in der Kinder- und Jugendpsychiatrie Herborn untergebracht wurde. Von dort war er über sechs Jahre bis 1998 in einer therapeutischen Betreuungseinrichtung in Buseck, wo er auch die Schule besuchte.

Kein Abschluss, keine Ausbildung, kein Betragen und immer wieder Vorwürfe führten dazu, dass er auf Wunsch der Eltern aus- und bei der Oma einzog.

Dort gefiel es ihm nicht. Er klapperte Wohnungsgesellschaften ab, suchte über Agenturen eine Freundin, ging ins Fitnessstudio, hatte einen Berufsbetreuer, aber keine Kontakte, keine Anerkennung. Die letzten 18 Monate verbrachte er bei Zeitarbeitsfirmen.

Am Tag nach der Tat hatte der 31-Jährige seine Mutter am Einkaufsmarkt getroffen. Sie wollte ihre Mutter besuchen. Da bekam er Angst, warf das Messer in die Lahn und fuhr nach Neuwied.

Auf die Frage, was er dort wollte, sagte er, dass er ausspannen und Wohnung und Arbeit suchen wollte. Der Prozess wird fortgesetzt.

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Copyright © mittelhessen.de 2013
Dokument erstellt am 18.02.2013 um 15:10:00 Uhr
Letzte Änderung am 18.02.2013 um 16:10:00 Uhr
Kommentare (1)
Bildunterschrift "Timo B. verdeckte ein Gesicht mit einem Aktendeckel." Ja, und "zufälligerweise" war es auch sein eigenes (Gesicht)!
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