450 Besucher feiern Don-Kosaken

KONZERT Die Sänger aus Russland begeisterten mit Stimmumfang und Harmonie

Das Solistenensemble der weltberühmten Don-Kosaken begeisterte im Wetzlarer Dom mit einem grandiosen Konzert und rührte so manchen Zuhörer zu Tränen. (Foto: Volkmar)

Ehrfurcht und Glanz, Besinnlichkeit und Gotteslob bestimmten den Auftritt des Chors unter der Leitung von Nazar Yotskiv, der im Rahmen seiner Deutschlandtournee zu einem Neujahrskonzert in Wetzlar zu Gast war.

Schwer in Worte fassen lässt sich der ergreifende und stimmgewaltige Auftritt des weltberühmten Chores. Was die 18 Sänger von Weltniveau, alle in Schwarz mit den typischen weiten Pluderhosen gekleidet, den Besuchern boten, war künstlerisch wie emotional ein Hochgenuss.

Der Jahreszeit entsprechend gaben sie zunächst einen musikalischen Einblick in die reiche und tief empfundene Musik der russisch-orthodoxen Kirche, die am 6. Januar Weihnachten feiert. Aber auch die Freunde russischer Volksweisen kamen voll auf ihre Kosten.

Vom tiefen, volltönenden Bass über strahlende Tenöre bis in glockenreine Höhen reichte das Tonvolumen der Spitzensänger. Man glaubte sie förmlich zu spüren, die berühmte russische Gefühlswelt, die die Kosaken eindrucksvoll vermittelten. Vor dem Vierungsaltar stehend, beeindruckten die Sänger mit einem Stimmvolumen, das die Weiten des mächtigen Domes voll ausfüllte. Und selbst gesummte Passagen waren noch von solcher Strahlkraft, dass sie die Zuhörer faszinierten und bei vielen eine Gänsehaut erzeugte.

Die Sänger zeigten sich schon mit ihrem Eingangslied, einem "Credo" von Alexander Gretschaninow als Meister der Dynamik. Tonsicher noch im leisesten Piano und bis hinein ins imposante Fortissimo präsentieren sie unglaublich tiefe und dennoch Raum füllende Stimmen. Für einen besonderen Hörgenuss sorgte dabei Michailow Gumennyi, als er sich mit seinem glockenreinen Tenor über ein Bass-Fundament erhob. Man glaubte die Klangfülle und Schönheit der russischen Musik und ihre Strahlkraft förmlich zu spüren.

Russischer Spitzenchor sorgte beim Publikum für Gänsehaut und Tränen

Einmalig war die Harmonie des Chores, der über 90 Minuten diese Spannung halten konnte. Auch deshalb zählen die Don Kosaken zu den Spitzenchören. Bei dem "Vater unser" und dem bewegenden "Gott, sei mit uns", waren es Solisten, die mit ihren unterschiedlichen Stimmlagen den Werken eine einmalige Schönheit und Klangfülle verliehen. Wie bei den bekannten "Glocken von Jerusalem", als sich der Sprechgesang langsam in einem vieltönenden Glockenklang veränderte, der in die Weiten des Domes hinaus tönte.

Weiter führte die Reise durch das weihnachtliche Wunderland der russischen Chormusik. Während der Bassist noch im Choral "O bete, Freund", als Solist überzeugte, jubilierte in der anschließenden Hymne "Herr, wir singen dir", eine Sopranstimme beinahe den Koloraturen einer Oper gleich. Zauberhafte Beiträge, die zu den Konzerthöhepunkten gehörten.

Im Publikum konnte man deutlich spüren, wie es allmählich von der Stimmgewalt der Don-Kosaken eingefangen wurde. Immer lauter und länger wurde der Applaus zwischen den Liedern.

Der Schwerpunkt im zweiten Teil lag in der traditionellen russischen Chorliteratur. Angefangen mit den "Abendglocken" und den "Moskauer Nächten", zwei Werke, die die Künstler schon lange im Programm führen; und auch diesmal konnten sie damit ihr Publikum begeistern. Besonders Michailow Gumennyi, der mit seinem hellen Tenor den Abendglocken einen wunderbaren Klang verlieh. Für diese gefühlvolle Darbietung gab es zu recht Szenen-Applaus.

Aber auch die Balladen "Suliko" und den "Zwölf Räubern", wurden zu einem besonderen Hörgenuss. Dabei darf der Solist Igor Pavlenko nicht unerwähnt bleiben: Von seinen Gesangskollegen gefühlvoll begleitet, entlockte er mit seiner grandiosen Sopranstimme "Dem eintönig klingenden Glöckchen" einen zauberhaften Klang.

Und dann wurde es wieder weihnachtlich. Mit den beliebten Weisen "O, du fröhliche" und "Leise rieselt der Schnee" verabschiedeten sich die Don Kosaken.

Sichtbarer Ausdruck der emotionalen Verbundenheit des Publikums mit dem Meisterchor waren mehrere stehende Ovationen und frenetischer Applaus für den grandiosen Konzertgenuss. Der Chor verabschiedete sich mit einer einfühlsamen und geradezu zärtlich gesungenen Zugabe "Ich bete an die Macht der Liebe", die bei den Besuchern so manche Träne erzeugte.


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