50 Milliarden Euro erbringt das Ehrenamt

VEREINE Ex-Weltmeister in Wetzlar

Zahlreiche heimische Vereins- und Verbandsvertreter nutzten die Gelegenheit zum unmittelbaren Kontakt mit dem sportpolitischen Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Eberhard Gienger. (Foto: Ewert)

Ex-Reck-Weltmeister Eberhard Gienger sprach im Haus der hessischen Sportjugend. (Foto: Ewert)

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Sportpolitisch engagiert und motiviert, körperlich trotz seiner mittlerweile 64 Lebensjahre top-trainiert, und durchaus zur Überraschung des Publikums literarisch versiert und vortragssicher, so stellte sich der CDU-Bundestagsabgeordnete Eberhard Gienger in Vortrag, Diskussion und Fragerunde gut drei Dutzend Vereinsvertretern aus dem Lahn-Dill-Kreis, um sich vor Ort und im direkten Gespräch über die Probleme, Wünsche und Verbesserungsvorschläge der Basis zu informieren.

Der Reckweltmeister und olympische Medaillengewinner kam auf Einladung der CDU Lahn-Dill ins Haus der hessischen Sportjugend nach Wetzlar.

Für die dort anwesenden durchweg Lebensälteren und sportaffinen Vereinsvertreter ist Eberhard Gienger wegen seiner erfolgreichen sportlichen Vergangenheit noch eine bekannte Persönlichkeit. Für die junge Generation hingegen stelle er sich oft als "der Hambüchen der 1970er Jahre" vor, womit es ihm dann in aller Regel gelinge, eine Brücke von seiner eigenen - außergewöhnlich erfolgreichen - turnsportlichen Vergangenheit in die "Hambüchen-Gegenwart" zu schlagen, bemerkte der gelernte Kaufmann aus dem baden-württembergischen Bietigheim-Bissingen im Landkreis Ludwigsburg launig.

Alles, was mit Vereinsarbeit und freiwilligem Engagement für andere im weitesten Sinne zu tun habe, fuße auf der Bereitschaft zum Ehrenamt, sprich der freiwilligen und unentgeltlichen Übernahme von Aufgaben, um anderen Menschen zu helfen, sie zu unterstützen, anzuleiten, auszubilden und vieles mehr.

"Wir sind europa- oder gar weltweit ein Unikat, was das Ehrenamt betrifft"

Und auf diesem Feld bescheinigte Gienger, der sich als "Anwalt des Ehrenamtes versteht", Deutschland - dabei einige unmittelbare Nachbarstaaten einbeziehend - ein Alleinstellungsmerkmal: "Wir sind europa- oder gar weltweit ein Unikat, was das Ehrenamt betrifft."

36 Prozent aller Deutschen über 14 Jahre engagierten sich ehrenamtlich, im Sport, in der Kultur, in Hilfsorganisationen, im Sozialen. "Ehrenamtler sind nicht die Deppen der Nation, sondern die Helden einer Gesellschaft, die ohne das Ehrenamt so nicht funktionieren würde", so Gienger, der auf das bemerkenswerte ehrenamtliche Engagement der Menschen im Blick auf die aktuelle Flüchtlingsfrage hinwies.

Das "Ehrenamtssozialprodukt", also das, was die Bundesbürger durch ihren ehrenamtlichen und unentgeltlichen Einsatz umgerechnet für Staat und Gesellschaft erbringen, beläuft sich laut Gienger auf rund 50 Milliarden Euro im Jahr.

Demografie und Globalisierung sorgten für große Veränderungen mit erheblichen Auswirkungen in der Gesellschaft, weiß der sportpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundesfraktion, der zugleich engagierter Kommunalpolitiker ist. "Noch befinden sich Vereine und Verbände in der Mitte der gesellschaftlichen Strukturen", machte Gienger vor den heimischen Vertretern aus Vereinen und Verbänden deutlich, noch seien die durch das Ehrenamt gestützten Vereine der "Kitt der Gesellschaft", für manchen gar eine "zweite Heimat".

Aber: die Vereine und Verbände, das Ehrenamt und seine Strukturen seien aktuell gefordert, auch um einer kränker werdenden Gesellschaft zu helfen. Bei steigender Tendenz - derzeit 20 Prozent - seien deutsche Kinder übergewichtig und bewegungsgehindert. Sport und Bewegung förderten aber auch die Leistungen in anderen Fächern. Es sei also viel zu tun.

In der Diskussion mit den Vereinsvertretern ging es um zahlreiche praktische, organisatorische und natürlich auch finanzielle Aspekte der Vereins- und Ehrenamtsarbeit. Stichworte waren Übungsleiterpausche, Ehrenamtspauschale, verbesserte Rückstellungsmöglichkeiten, Zweckbetriebsgrenze, Versicherungs- und Rechtsfragen, stockender Bürokratieabbau aber auch die zunehmenden Probleme bei der Besetzung von Vorstandsaufgaben in Vereinen.

Bedauert wurde zudem die Tatsache, dass eine Abstimmungsmehrheit sowohl in München wie in Hamburg eine Bewerbung für die Olympischen Spiele abgelehnt habe. "Olympiabewerbungen hätten uns gutgetan", meinte nicht nur Gienger, auch den heimischen Vereinen ist klar, dass dieser Verzicht möglicherweise auch negative Auswirkungen auf die Vereine an der Basis haben kann.

Gienger machte sich viele Notizen und versprach, die Anregungen und Ideen der Basis in seine Arbeit als Sportpolitiker in Berlin mit einzubeziehen.


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