Am Ende tanzt der Saal

SHOW "Nacht der Musicals" begeistert rund 1000 Zuschauer in der Arena

Neu in der Gala: Micha van de Weg und Tamara Peters im Udo-Lindenberg-Musical "Hinterm Horizont". (Foto: Lademann)

Christine (Brita A. Halder) im Duett mit dem Phantom der Oper (Istvan Csiszar). (Foto: Lademann)

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Zwar hatte die österreichische Tourneeproduktion aufgrund dieses Repertoires auf opulente Bühnenbilder verzichtet, doch auch so begeisterten die sechs Hauptdarsteller sowie acht Tänzerinnen und Tänzer der Broadway Dance Company mit herrlichen Kostümen sowie Sanges-, Spiel- und Tanzfreude. Die stimmlichen Leistungen schwankten aber.

Wenn Vampire tanzen und nach Blut gieren, die alte Katze Grizabella in Erinnerungen schwelgt, ein Phantom durch die Oper streift oder der kleine Löwe Simba seiner Freundin Nala die Liebe gesteht, dann fühlen sich Musicalfans zu Hause, dann sind zumindest die Erwartungen hinsichtlich der bekanntesten Szenen und Songs gestillt und dann ist Zeit für große Gefühle.

Aber es waren vor allem die peppigen Nummern und Medleys, die die Stimmung hoben und zum Mitklatschen und -schunkeln animierten. So war es für den niederländischen Tenor Micha van de Weg ein Leichtes, als Judas mit gehörigem Drive "Jesus Christ Superstar" zu besingen. Aber auch mit den bekannten "Abba"-Songs aus "Mamma Mia!", den "Queen"-Hits aus "We will rock you" oder abschließend den Udo-Jürgens-Evergreens aus "Ich war noch niemals in New York" bescherte das dazu gemeinsam agierende Ensemble dem Publikum begeisternde Mitmachlaune.

Zum Auftakt fühlte sich das noch anders an, denn beim eröffnenden "Tanz der Vampire"-Set war der Klang schwammig eingepegelt und der Gesang undeutlich.

Neu im Reigen ist "Hinterm Horizont" mit den Liedern von Udo Lindenberg gewesen

Doch schon wenig später machte Brita A. Halder, stimmliche Koryphäe des Ensembles, mit ihrer Brillanz alles wieder perfekt. Die klassisch ausgebildete Sopranistin glänzte im Christine-Solo "Think of me" aus "Phantom der Oper" sowie im Duett mit dem Phantom (Istvan Csiszar) mit ihrer klaren, strahlenden Stimme und den feinen Koloraturen in den hohen Lagen genauso wie als "Elisabeth" des gleichnamigen Musicals.

Ein frivol-komisches Schmankerl war einmal mehr der Auftritt des Strapse tragenden Transsexuellen Frank’n’Furter (Micha van de Weg) aus "The Rocky Horror Show". Mit anzüglichen Posen und dem Song "Sweet Transvestite" sorgten der glamouröse Außerirdische und seine um ihn tanzende, sich lustvoll räkelnde Gefolgschaft für heitere Verzückung beim Publikum - insbesondere, als er durch die Sitzreihen schlenderte.

Als Neuzugang im Repertoire dieser Musicalgala durfte sich das Publikum auf gleich fünf Songs aus dem Udo-Lindenberg-Musical "Hinterm Horizont" freuen. Da konnte man den Rockstar (Micha van de Weg) erleben, wie er in den frühen 80ern bei einem Konzert in der DDR das "Mädchen aus Ostberlin" (Tamara Peters) lieben lernt und schließlich zusammen mit ihr den Fall der Mauer feiert. Nur: Die echte, knorzige Stimme Lindenbergs mag man abseits dieses Musicals lieber hören.

Das Gesangsensemble vervollständigten Kathy Savannah Krause, etwa als Evita, Harvey James (Falco) und Istvan Csiszar (Phantom) mit ordentlichen Parts. Doch leider haperte es beim Ungar Csiszar an der deutlichen Aussprache seiner deutschen Liedtexte. Daher konnte man ihn bei "Bring ihn heim" aus "Les Miserables" oder als Graf von Krolock in "Tanz der Vampire" nicht verstehen. Auch fehlte es James als Falco ("Falco meets Amadeus") am Wiener Schmäh.

Aber Ende gut, alles gut: Dem Publikum schien die wiederholte Auflage der "Nacht der Musicals" gefallen zu haben. Schließlich war es in der Zugaberunde bereit, mit den Bühnenakteuren zusammen den "Time Warp" aus "The Rocky Horror Show" zu singen, zu tanzen und zu hüpfen.


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