Aus Paar wird Familie

THEATERRING Komödie "Patrick 1,5" in der Stadthalle Wetzlar gefeiert

Singen vor dem Fernseher beim "Pippi Langstrumpf"-Lied begeistert mit: Der schöne Sven (Jan Hasenfuß), der Jugendliche Patrick (Stefan Peschek) sowie der gutmütige Göran (Thomas Rohmer). (Foto: Hahn-Grimm)

Eingeladen zu der netten Kulturveranstaltung hatte einmal mehr der Theaterring Wetzlar. 500 Menschen sahen die liebevolle und temporeiche Inszenierung von Thomas Rohmer und spendeten den drei Schauspielern kräftig Beifall.Aus den Lautsprechern klang währenddessen der Schlager "Er gehört zu mir" von Marianne Rosenberg, der in Deutschland als Hit in der Homosexuellen-Szene gilt.

Keine leichte Kost, der Zuschauer ahnt es: Es geht um die Ehe von zwei gleichgeschlechtlichen Partnern und ihren Wunsch, ein Kind zu adoptieren. Dem schwedischen Autor Michael Druker gelang es dank witziger Dialoge und der warmherzigen Charakterisierung seiner Figuren dennoch, eine flotte Komödie zu entwerfen.

Zu den Adoptionswilligen kommt nicht das erwartete Kleinkind, sondern ein 15-Jähriger

Um was geht es? Ein Komma rutscht an die falsche Stelle und schon ist das Chaos vorprogrammiert. Der erfolglosen Erfinder Göran (Thomas Rohmer) und der Sozialarbeiter Sven (Jan Hasenfuß) können es kaum erwarten. Endlich soll das lange ersehnte Adoptivkind eintreffen. Doch Patrick (Stefan Peschek) ist ein krimineller Lümmel von 15 Jahren und nicht das erwartete Kleinkind von anderthalb. Da tun sich Konflikte auf, die mit den Schimpfwörtern von Patrick beginnen. "Fuck you" ist noch eins von den harmloseren und mit "Schwuchteln" will der Jugendliche schon gar nicht zu tun haben. Aber es ist Gründonnerstag, bei der Adoptionsbehörde ist keiner zu erreichen.

Sven, der Sozialarbeiter reagiert allergisch und will Patrick sofort aus der Wohnung werfen. Göran hat mehr Verständnis: "Das ist doch noch ein Kind, wir müssen uns um ihn kümmern."

Glaubhaft wird die Geschichte durch den engagierten Einsatz der drei Schauspieler: Thomas Rohmer ist als Göran ein richtiger Knuddelbär, zu dem der coole Patrick (Stefan Peschek) bald Vertrauen fassen kann. Und der schöne Sven (Jan Hasenfuß) scheut sich nicht, seinem Lebensgefährten immer wieder um den Hals zu fallen und ihn leidenschaftlich zu küssen.

Auch das Bühnenbild zeigt zwei Männer, die sich küssen, zwei Supermänner mit wehenden Umhängen in strahlenden Farben. Im Vordergrund sind Kinderspielsachen und ein Bobby Car zu sehen, besser könnte man die ganze Szenerie kaum nachzeichnen.

Und ganz am Rand erwähnt: kleine Details sind auch zu erfahren. "Hey Pippi Langstrumpf, hollahi, hollaho, holla hopsasa": Sven ist ganz scharf darauf, das Lied während eines Fernsehfilms mit zu singen. Das ist anscheinend der Schwulen-Song in Schweden, also nix mit Marianne Rosenberg.

So bahnt sich in dieser Umgebung von Spielen, Fernsehen und Diskussionen eine Freundschaft an zwischen den Dreien, und zum Schluss gibt es ein Happy End, wie es nur auf der Bühne und kaum im wirklichen Leben denkbar ist.


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