Baggern für Libelle, Specht & Co.

UMWELT Ein Auwald für die Garbenheimer Lahnaue / 110 000 Euro bringen massig Ökopunkte

Auwald, Auengrünland und Feuchtlebensräume sollen hier in der Garbenheimer Lahnaue entstehen. Vorgestellt wurde das Projekt von (v. l.): Markus Wieden (Büro für Landschaftsanalyse), Klara Schubert (Amt für Umwelt und Naturschutz), Norbert Kortlüke, Jutta Biermann (Amt für Umwelt und Naturschutz und Ortsvorsteher Waldemar Dross. (Foto: Gross)

Neben dem Auwald sollen im westlichen Bereich der Lahnaue, überwiegend Niedergirmeser Bereich, Auengrünland und Feuchtlebensräume entstehen. Umweltdezernent Norbert Kortlüke (Grüne) stellte das Naturschutzprojekt am Donnerstag vor. Seit Mittwoch wird ein vorhandenes Kleingewässer in einem Bombenkrater großflächig erweitert. 1800 Kubikmeter Erde trägt ein Bagger ab, um einen attraktiven Lebensraum für Amphibien und Libellen zu schaffen, ferner einen abgeflachten Bereich für auetypischen Flutrasen. Das daran anschließende Grünland bis zum Wirtschaftsweg soll im Frühjahr durch eine Wildpflanzenart wieder artenreicher werden.

Profitieren sollen Vogelarten wie Grünspecht, Schafstelze oder seltene Pflanzenarten wie die Filzige Segge. Kortlüke hofft, dass darüber hinaus Vogelarten wie Braunkelchen oder Grauamer die Garbenheimer Aue wieder für sich entdecken.

"Sehr gut" nannte der Umweltdezernent das Kosten-Nutzenverhältnis. 110 000 Euro koste Maßnahme. Im Gegenzug erhalte die Stadt 1,2 Millionen Ökopunkte, die als Ersatz für Eingriffe in Natur und Landschaft anderenorts, etwa für die Ausweisung von Baugebieten, vom städtischen Ökokonto abgebucht werden können.

Anwohner der Bahnhofstraße müssen in den kommenden 14 Tagen mit 25 bis 30 Lkw täglich rechnen

Ein Ökopunkt hat aktuell einen Gegenwert von 0,35 Euro. Die Kosten stehen damit zum Ertrag in einem Verhältnis von fast 1:4, rechnete Kortlüke.

Abtransportiert werden die 1800 Kubikmeter Erde über die Garbenheimer Bahnhofstraße. Deren Anwohner sind seit der Diskussion um den Transport von Stuttgart-21-Aushub zum Steinbruch Malapertus sensibel für Lastwagenverkehr. Auch deshalb setzt Kortlüke auf Information und bittet um Verständnis. "Wir rechnen mit einer Dauer von 14 Tagen, wenn das Wetter mitspielt", sagte er. Währenddessen müsse mit täglich 25 bis 30 Lkw gerechnet werden. Doch danach sei dann auch Schluss. Zum Stuttgart-21-Aushub gebe es derzeit nichts Neues.

Garbenheims Ortsvorsteher erwartet nicht, dass der Transport durch die Bahnhofstraße "große Wogen" schlagen wird. Auf die aktuelle Naturschutzmaßnahme habe auch der Ortsbeirat gedrängt. Die ökologische Aufwertung der Lahnaue sei extrem wichtig. Der größte Gewinn für die Garbenheimer sei vor etwa zehn Jahren die Rekultivierung der ehemaligen Papierverwertungsanlage gewesen. Ein weiteres Projekt im Auengebiet war die Renaturierung der Gartenanlage "Am Taubenstein". Auch dort sind seitdem neue Feuchtlebensräume für Amphibien wie Grünfrösche und Libellen entstanden.

Das Biotopentwicklungskonzept für die Lahnaue stammt aus dem Jahr 2003 und wurde seinerzeit von den städtischen Gremien verabschiedet. Ziel ist der Erhalt und die Entwicklung des auentypischen Charakters mit samt den dort vorkommenden Tier- und Pflanzenarten. Das Gebiet liegt im Landschaftsschutzgebiets "Auenverbund Lahn-Dill".


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