Der Wolf am Fenster

BÜCHER Elli Radinger stellt ihre Weihnachtsgeschichte vor

So kennt man sie: Elli Radinger mit Wolf. (Fotos: Elli Radinger)

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?Frau Radinger, nach Fachbüchern und jüngst einem Roman ("Minnesota Winter") nun "Der Wolf am Fenster", eine ausgewiesene Weihnachtsgeschichte. Wie kam das zustande?

Elli Radinger: Das kann ich gar nicht konkret sagen. Vielleicht hab ich mich ein wenig nach einem Weihnachtswunder in dieser chaotischen Welt gesehnt. Irgendwann war die Idee da und hat sich von alleine weiter entwickelt. Magie!

?Wieder ist eine toughe, seelisch in einem Tief steckende Frau die Heldin. Wie autobiografisch ist dieses Buch?

Radinger: Gar nicht. Das Buch ist reine Fiktion, wenngleich ich reale Ereignisse aus der Wolfsforschung eingeflochten habe.

?Nach "Minnesota Winter" und nun diesem Buch bekommt man den Eindruck, dass die Wildnis, hier die Montanas, eine verwundete Seele heilen kann. Stimmt das?

Radinger: Auf jeden Fall!

?Ihre Heldin Lindsay schreibt Tagbuch. Tut Elli Radinger das auch?

Radinger: Ja, ich schreibe Tagebuch, seit ich denken kann. Viele Erlebnisse, die ich im Laufe der Jahre aufgeschrieben habe, fließen in meine Bücher ein - allerdings emotional viel distanzierter als im Tagebuch.

?In Ihrer Weihnachtsgeschichte holt ein wilder Wolf einen Menschen zu Hilfe. Das ist doch sicherlich dichterische Freiheit?

Radinger: Ja, absolut. Ich habe mehrmals im Buch und auch im Anhang darauf hingewiesen, dass in Wirklichkeit niemals ein wilder Wolf einen Menschen um Hilfe bitten würde. Nur in einem Weihnachtsmärchen!

?Besteht nicht die Gefahr, dass die Schilderungen eines allzu menschlichen Wolfs das Bild dieser Tiere in eine Schräglage bringt, etwas, wogegen sich die Wolfsforscherin Radinger früher ausgesprochen hat?

Radinger: In meinen Verhaltensbeobachtungen habe ich erfahren, dass Wölfe oft tatsächlich die "besseren Menschen" sind. So kümmern sie sich beispielsweise um verletzte Gefährten und versorgen sie. In der Welt der wilden Wölfe wird kein Familienmitglied allein gelassen. Die Schilderung des Wolfes im Buch ist also, abgesehen von seiner Annäherung an Lindsay, real.

?Nach dem Buch ist vor dem Buch. Woran arbeiten Sie jetzt?

Radinger: Ich schreibe gerade an einem Fortsetzungsroman von "Der Wolf am Fenster", allerdings dann ohne spezielle "Weihnachtsüberraschung". Ich will wissen, wie es mit Lindsay und Brian weitergeht und was sie noch erleben. Der Plot steht, es wird spannend.

Ich werde über Themen wie Artenschutz oder Jagd schreiben, aber auch moralische Fragen ansprechen wie: Dürfen wir töten, um ein anderes Leben zu retten? Genre: Ökothriller.

Dann arbeite ich mit Günther Bloch am neuen Hundebuch "Der Mensch-Hund-Code", das im Herbst 2015 im Kosmos-Verlag erscheinen soll. Außerdem bereite ich noch Exposés für zwei weitere Bücher vor. Langweilig wird es also nicht.

?Wann haben Sie zuletzt einen echten wilden Wolf getroffen und wie war es?

Radinger: Im Mai habe ich in Yellowstone wieder im Wolfsprojekt mitgearbeitet und "meine" Wölfe gesehen. Und wie immer war es faszinierend ...

- Elli Radinger ist am Freitag, 7. November, um 19.30 Uhr in der Schnitzlerischen Buchhandlung in Wetzlar zu Gast. Anmeldung erbeten unter Telefon: (0 64 41) 4 51 01. Ihr Buch ist im Verlag Rütten & Loening erschienen.


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