Die Wenigsten haben eine Chance

AUFBAUHILFE Sibylle Burzel unterstützt Waisenkinder und Straßenhunde in Rumänien

Hund Oscar wurde schwer verletzt aus der Mülltonne gerettet und hat nun gute Chancen, zu überleben. (Fotos: privat)

Hund Oscar wurde schwer verletzt aus der Mülltonne gerettet. (Fotos: privat)

Hunde, die in völlig überfüllten Käfigen im Dreck leben und teils kaum eine Chance haben, zu überleben. Das war lange genug Realität in Ramnicu Valcea. (Fotos: privat)

Straßenhunde liegen Sibylle Burzel besonders am Herzen.(Foto: privat)

Der Verein "Hilfe für vergessene Waisenkinder und Fellnasen" hilft auch Kindern wie Arian und Serena Sere und deren Haustieren. (Foto: privat)

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"Hier ist es egal, ob du Waise oder Hund bist, zwischen Mensch und Tier wird kein Unterschied gemacht", sagt Sibylle Burzel. Sie weiß aber auch, dass das nicht etwa an korrupten und verachtenden Politikern in Ramnicu Valcea liegt, ganz im Gegenteil: "Die Leute hier sind sehr aufgeschlossen und bewundern uns für unsere westlichen Standards. Gerne hätten sie ein sauberes Tierheim und ein Waisenhaus, das den jungen Bewohnern eine Perspektive bieten kann."

Doch Perspektiven gibt es in Ramnicu Valcea nur wenige, auch nicht für das Waisenhaus mit 50 Kindern und erst recht nicht für die 500 Hunde im Public Shelter, einer Unterbringung für Straßenhunde. "Es fehlt am Geld und die Probleme sind groß. Die Menschen haben meist keine Arbeit, nicht einmal das Nötigste zum Leben haben sie. Ganz zu schweigen von den vielen Vierbeinern, die abgemagert sind oder an Krankheiten sterben", sagt Burzel. Aus der Ferne zuschauen, wie Mensch und Tier leiden, das kann Sibylle Burzel nicht.

Sie hat einen Plan: "Wir wollen den Tierschutz mit dem Jugendschutz verbinden. Unser großer Traum ist es, den Unterschlupf für Hunde nach westlichen Standards auszubauen und dort Ausbildungs- und Arbeitsplätze für unsere Jugendlichen zu schaffen." Denn die momentane Situation ist alles andere als zufriedenstellend: "Hier leben unzählige Hunde zusammengepfercht in einem kleinen Käfig zwischen Kot und Dreck. Sie haben nichts zu essen, bekommen keinen Auslauf", schildert Burzel.

Ihr Vorhaben, daran etwas zu ändern, stößt bei der Stadt auf offene Ohren. Ende Februar hat der Bürgermeister einen Kooperationsvertrag zwischen der Stadt und Burzels Verein "Hilfe für vergessene Waisenkinder und Fellnasen" geschlossen. Damit wird es nun endlich konkret.

Sibylle Burzel hat inzwischen viele Freunde in Rumänien, die ihr bei der Umsetzung helfen. Allein ist sie mit ihrem Vorhaben aber auch in anderen Ländern nicht: "Neben meinem Verein kommen weitere Helfer aus Tierschutzvereinen in Dänemark, Holland und England. Auch der Sozialmedizinische Dienst in Wien engagiert sich.

Die Tiefenbacherin arbeitet mit Vereinen in ganz Europa zusammen und ist auf Spenden angewiesen

Dass sich Burzel heute für Waisenkinder und Hunde im "Armenhaus Europas" - wie sie Rumänien nennt - einsetzt, hängt mit einem anderen Verein zusammen: "Über Facebook bin ich vor etwa drei Jahren zufällig auf einen Post von ,Save Valcea'dogs‘ gestoßen und hängengeblieben. Ich habe die Organisation angeschrieben und immer mal wieder auf die Seite geschaut." Doch damit  war es für Sibylle Burzel nicht getan. Sie hat seit 30 Jahren Hunde - und wollte helfen: "Ich habe gefragt, wie ich anpacken und wie wir das Problem gemeinsam in den Griff bekommen können."

Zunächst hat die Tiefenbacherin Spendentransporte organisiert, über Facebook um Spenden gebeten, "und ich musste einen Verein gründen, über den das ganze Projekt läuft." Anfang 2015 ging die erste Lieferung nach Ramnicu Valcea. Im Gepäck: 1000 Kilo Hundefutter, Lebensmittel, Kleidung für Kinder und Jugendliche, Hygieneartikel. "Es ist toll, wie viele Firmen und Privatleute uns etwas zukommen lassen. Ich freue mich auch immer, wenn ich den Kindern mal etwas Besonderes mitbringen kann, eine Tüte Chips zum Beispiel oder ein bisschen Schminke für die Mädchen."

Auch zu Ostern soll es noch einen Spendentransport geben, geplant ist "Ostern im Schuhkarton": "Jeder der möchte, kann ein Päckchen mit beliebigen Artikeln fertigmachen. Egal ob für die Hunde oder die Jugendlichen, es wird alles gebraucht. Sibylle Burzel wird dann zum viertel Mal vor Ort sein, natürlich auch, um ihr Projekt weiter voranzutreiben.

Doch Baumaterialien für den Umbau hat sie nicht dabei: "Wir wollen nicht der großzügige Ausländer sein, sondern lieber die Unternehmen vor Ort unterstützen." Das Projekt soll zunächst für ein Jahr laufen. Wenn der Public Shelter umgebaut ist, sollen Jugendliche und junge Erwachsene hier eine Chance auf einen Job haben, zum Beispiel als Tierpfleger oder im Lager. Auch eine Homepage soll eigenständig zur Hundevermittlung aufgebaut werden und es soll eine Art Streichelzoo geben, damit Kinder mit gesunden Hunden in Kontakt kommen und den Tierschutzgedanken frühzeitig lernen. Freiwillige Helfer sollen sich zudem ihre Rente oder ihren mageren Lohn über Hilfsarbeiten wie der Reinigung der Käfige aufbessern können.

"Wir hoffen, dass wir uns irgendwann zurückziehen können und das Projekt zum Selbstläufer wird", sagt Sibylle Burzel. Bis dahin wird noch Zeit vergehen, doch die Tiefenbacherin ist zuversichtlich: "Wir haben erreicht, dass die Tiere nicht mehr getötet werden, wir haben dazu beigetragen, dass die Vorurteile gegenüber den Rumänen abgebaut werden und wir haben ein ganzes Menschenrudel geschaffen, das hilft. Wir werden auch in Zukunft unsere Ziele im Blick haben."

 

SPENDEN FÜR RAMNICU VALCEA

- Noch bis zum 29. März können Sie den Verein „Hilfe für vergessene Waisenkinder und Fellnasen“ mit Ihrer Spende unterstützen. Informationen gibt es unter http://www.waisenundstrassenhunde.com oder auf der Facebookseite „Oster Spendentransport für die Waisenkinder und Straßenhunde von Valcea – Teil 3“. Über die Internetseite www.tierschutz-shop.de können Sie zudem die Wunschliste des Vereins aufrufen und spenden. Auch Geldspenden sind willkommen. Zudem können Sachspenden oder Spenden finanzieller Art im „Fressnapf“in Wetzlar (An der Kommandantur 7) in eine Futter- und Spendenbox eingeworfen werden.
- Um ihre Spenden selbst nach Rumänien bringen zu können, ist Sybille Burzel immer wieder auf einen Transporter angewiesen. Einfacher und noch effizienter wäre es allerdings, der Tiefenbacherin stünde ein eigenes Fahrzeug dieser Größe zur Verfügung. Wer diesbezüglich weiterhelfen kann, wendet sich per Mail an Waisen.Streuner(at)t-online.de an Sibylle Burzel. (maj)


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Kommentare (1)
http://www.tierhilfe-hoffnung.com/?page_id=2142
Die Smeura ist, laut Guinness-Buch der Rekorde, mit ihren derzeit
etwa 5.400 Straßenhunden und 80 Beschäftigten das größte Tierheim der mehr
Welt.

http://www.tierheimlinks.de/shelter.php?country=13
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