Drohne sucht Spuren

KALSMUNT Uni Marburg erwartet Erkenntnisse zur Bebauung

Christian Seitz von der Uni Heidelberg und Christian Salzmann von der Uni Marburg beim Befliegen des Kalsmunt. (Foto: Rühl)

Christoph Salzmann holte sich dazu Hilfe vom Interdisziplinäres Zentrum für Wissenschaftliches Rechnen (IWR) an der Universität Heidelberg für die archäologische Fernerkundung.

Bereits im Winterhalbjahr hat eine erste Befliegung des Burgareals und der angrenzenden Brachflächen mit Hilfe einer Drohne des Geoarchäologischen Labors der Universität Marburg stattgefunden. Die Auswertung der damals geschossenen Luftbilder deutete auf weitere mittelalterliche Siedlungsstrukturen im Bereich des Rödebergs und der Eisenhardt hin.

"Offensichtlich haben wir dort den zugehörigen Wirtschaftshof und Spuren zeitgenössischer Eisenverhüttung identifiziert", berichtete der Projektleiter, Privatdozent Felix Teichner von der Philipps Universität Marburg für Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie.

An der nunmehr zweiten wissenschaftlichen Befliegung des Umfeldes der einstigen Stauferburg nahm mit Christian Seitz auch ein Archäoinformatiker aus Heidelberg teil.

Mit insgesamt vier Fluggeräten wurden detaillierte Luftaufnahmen der Freiflächen geschossen. Salzmann und Seitz hatten ein Flugzeug mit 170 Zentimetern Spannweite im Einsatz sowie einen Octokopter und zwei Quadrokopter. "Die eingebaute Kamera macht alle zwei Sekunden ein Foto", erläuterte Salzmann, der die Flugbahnen im Computer vorgeplant hat.

Mit Hilfe der neuen "Structure from Motion"-Technik wollen die Marburger und Heidelberger Wissenschaftler nun gemeinsam ein digitales Geländemodell errechnen. "Das Befliegen soll uns Erkenntnisse bringen, ob es beispielsweise im Bereich des Rödeberges Anlagen gab, die zur Burg Kalsmunt gehörten", beschrieb Salzmann das Ziel.

Insgesamt vier Flüge sind in diesem Jahr geplant. Finanziert werden die Untersuchungen durch den Förderverein Kalsmunt.

Förderverein finanziert die vier für dieses Jahr zur Suche unbekannter Teile der Burganlage geplanten Flüge

Seit 2013 hatte die Universität unter Leitung von Teichner die Burganlage mit verschiedenen geoarchäologischen Techniken untersucht. Durch das eingesetzte Prospektionsbild und die so generierten dreidimensionalen Tomographien haben sich oberflächlich nicht mehr sichtbare archäologische Strukturen wie Mauerzüge und Baufluchten auf beiden Siedlungsterrassen der Burg erkennen lassen.

Den so identifizierten neuen Strukturen wurde bereits im Frühjahr 2014 von den Marburger Studenten durch Ausgrabungen nachgegangen. Dank der Unterstützung durch den Förderverein und die Stadt Wetzlar werden auch in diesem Sommer ab dem 24. August wieder über 30 Studenten zu einer Lehrgrabung auf der Burganlage sein. Dabei ist geplant, die Freilegung des im Vorjahr entdeckten Fachwerkbaus mit Steinkeller fortzuführen. Zudem lassen die von den Marburger Archäologen im Zuge der gerade abgeschlossenen Turmsanierung vorgenommenen Baubeobachtungen zu weiteren Ausgrabungen auf der oberen Burgterrasse sinnvoll erscheinen, so Teichner.

Die Grabungen in seiner Heimatstadt Wetzlar gehörten inzwischen zu einem festen Bestandteil seines Lehrangebots in Marburg, so Teichner. Es war der Wunsch der Studenten, neben den ebenfalls in Marburg betriebenen Feldforschungen zur römischen Epoche im Kosovo, in Ungarn und in Spanien auch ein Praktikumsangebot im Bereich der Mittelalterarchäologie in der hessischen Heimat zu haben.

Der Förderverein Kalsmunt hat sich 2010 gegründet. Heute leitet Thorsten Rohde (Münchholzhausen) den Verein.

Kontakt: Förderverein Kalsmunt, Telefon: (01 77) 8 38 15 85, E-Mail: kontakt(at)foerderverein-kalsmunt.de, Internet: www.foerderverein-kalsmunt.de


NEU: Die mittelhessen.de News-App. Jetzt kostenlos für Apple und Android laden!
Link zum Thema
Copyright © mittelhessen.de 2015
Kommentare (0)
Mehr aus Region Wetzlar